Ein Bericht in der Lausitzer Rundschau:
Ida Kretzschmar titelt:
"Rock von der klassischen Seite"
und schreibt:
"Konzert Puhdys-Legende Dieter „Maschine“ Birr überrascht seine Fans mit Streichquintett-Besetzung in der Stadthalle Cottbus. Und beweist den Ewigkeitswert seiner Lieder.

Hammermusikalisch: Dieter „Maschine" Birr tritt im Rahmen seiner Tour „Maschine - Lieder mit klassischen Saiten und Streichquintett" in der Cottbuser Stadthalle auf. Foto: Frank Hammerschmidt
Und wieder ist ein Jahr vorbei“, ertönt eine unverwechselbare Stimme. Und wie immer wird die Ostrock-Legende Dieter „Maschine“ Birr schon vor Konzertbeginn mit stürmischem Applaus in der Stadthalle Cottbus begrüßt. Und doch ist dieser Sonntagabend verblüffend anders. Nach mehr als einem halben Jahrhundert Bühnenerfahrung zieht der 81-Jährige noch einmal neue Seiten auf. Er zeigt seine Rock-Klassiker von der klassischen Saite. Eine Herausforderung auch an die Fans.
Für dieses Projekt hat der ehemalige Frontmann der Puhdys sich nicht in einen Anzug gezwängt. Wie eh und je kommt der Rocker in Leder und hautengem Beinkleid auf die Bühne und wird, obwohl er ihn an Körpergröße überragt, seinem erklärten Idol Mick Jagger immer ähnlicher. Auch durch seine markante Stimme und charismatische Bühnenpräsenz.
Diesmal aber hat Maschine seine „heißgeliebten Landstreicher“ dabei. Birr stellt jeden von ihnen vor: Lothar Weiche an Viola und Bratsche spielt sonst an der Deutschen Oper. 1988 schon hat er für das Puhdys-Album „Neue Helden“ den Soundtrack mitgeliefert. Hier gibt es eine Hörprobe: Der „Säbeltanz“ als sinfonisches Rockgetöse schreit geradezu nach Veränderung. Die erste Geige spielt in Cottbus Mathis Fischer von der Staatsoper Berlin, der auch schon mit Luciano Pavarotti Konzerte gab. Markus Däunert an der Geige wirkt international in Riesenorchestern mit. Kontrabassist Martin Schaal von der Deutschen Oper Berlin hat die Landstreicher zusammengetrommelt. Markus Wagner erfüllt Opernhäuser auf fast allen Kontinenten mit dem Klang seines Cellos. Auch Keyboarder Marcus Gorstein, seit Jahren Birrs Weggefährte, ist mit dabei. Der Berliner Musiker gehörte schon 2014 zur Band und produzierte später die Alben „Neubeginner“ sowie „Alle Winter wieder“ mit. In Cottbus zeigt er auch, dass sein Gesang wunderbar zu Maschines Reibeisenstimme passt.
Sowieso braucht es nicht lange, um zu überzeugen, dass sich hier Spitzenmusiker versammelt haben. Schon beim Fanclub-Erkennungshit feiert der ganze Saal und stößt an „auf alles, was uns lieb und teuer ist“. Wobei der Zuschauerchor sein ganz persönliches Instrument hinzufügt.
Maschine liefert ab wie gewohnt, mit sehr viel Wärme und diesem gänsehauttauglichen Rost in der Stimme. Zuverlässig wie eine in die Jahre gekommene Maschine eben, die noch immer einen starken Motor hat. Und so erklingen auch an diesem Abend die Hits, die seine Fans lieben, für die sie auch weite Wege auf sich nehmen. „Ich kann alle Lieder mitsingen. Schon als Kind habe ich alle Puhdys-Platten rauf und runter gehört“, erzählt Ronald Voigt, der sich aus Eisenhüttenstadt auf den Weg gemacht hat: „Ich habe Maschine lange nicht erlebt und bin beeindruckt von der Kraft seiner Stimme. Besser als 1982“, beteuert der 59-Jährige, der hier gleich seine Plattensammlung auffrischt.
Auch zwei Freundinnen aus Forst sind begeistert. „Das ist unsere Musik. Und die Klassik macht dabei den besonderen Kick aus“, sind sich Elke und Gabi einig. Auch Annett Seiferth, die die Puhdys schon in ihrem Dorf Hillmersdorf im Elbe-Elster-Kreis erlebt hat, findet: „Toll. Das ist einmal etwas Anderes!“ Sie hat die Karte von ihrem 35-jährigen Sohn Kevin geschenkt bekommen. Lieder für Generationen eben.
In den „Booten der Jugend“
Im Lampenlicht Hunderter Smartphones sitzen alle noch einmal in den „Booten der Jugend“, sterben Träume, wird „Hiroshima“ besungen. „Alt wie ein Baum“ darf nicht fehlen und „Geh zu ihr und lass deinen Drachen steigen“, der Song aus der Film-Legende von Paul und Paula, der, wie Maschine zum Besten gibt, in Bayern nicht im Radio laufen durfte. Und natürlich sind auch die neuen Songs aus den Soloalben dabei, öffnen sich „Große Herzen“, hofft man heute noch stärker als gestern auf „Bessere Tage“.
„Eine Frage der Ansicht“, wie Maschine den im Walzertakt schunkelnden Zuschauern beschwingt ans Herz legt. Und so steht am Ende der ganze Saal. Klassikfans und Rocker feiern gemeinsam, weil sie einfach auf gute Musik stehen.
Dieter „Maschine“ Birrs unglaubliche Karriere
Maschine, von 1969 bis 2016 Kopf und Herz der Puhdys, blickt auf bald sechs Dekaden Musik zurück. Er hat mehr als 22 Millionen Tonträger verkauft, fast 5000 Konzerte in 21 Ländern gespielt und an die 500 Songs geschrieben. Offenbar konnte auch die Auflösung der Puhdys seiner Popularität nichts anhaben. Wohin er auch kommt, sind die Konzertsäle voll. Seine Soloalben mischen in den Albumcharts ganz vorn mit. „Große Herzen“ (2023) und „Mein Weg“ (2024), erreichten jeweils Platz 4."