#1

TEN YEARS AFTER - eine Rocklegende in Landsberg

in Off-Topic 19.03.2008 10:14
von HH aus EE (gelöscht)
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TEN YEARS AFTER live in Landsberg

Sie spielten den Rhythm & Blues so rotzig und fortz-trocken, als käme er aus der Wüste Nevadas. Aber sie sind Engländer und zelebrieren diese Rockmelange vermischt mit Boogie und Englischer Coolness. Und sie spielen schnell. Sie spielen so schnell, dass ihr Gitarrist ALVIN LEE den Beinamen des schnellsten Gitarristen der Welt bekam.

So stehen sie 1968 in Woodstock auf der Bühne neben den Größen jener Jahre: Jimi Hendrix, Santana, Who, Jefferson Airplane, Canned Heat oder Paul Butterfield.
Inzwischen sind 40 Jahre vergangen. Das alles ist Geschichte und es ist viel geschehen. Ich hätte sie in jener legendären Besetzung wahnsinnig gern auch live erlebt. Stattdessen bekam ich von einem Freund aus Schottland ihre Platten in die DDR geschickt – thank you so much, David.

Nun aber wollte es der Zufall doch! Statt nach Woodstock oder Knebworth fuhr ich nach Landsberg, von der Provinz in die Anhaltinische Abgeschiedenheit. Und statt 50.000 warteten dort rund 300 hartgesottene Rockjünger und gealterte Blumenkinder auf die Legende jener Zeiten. Auf der Bühne nicht der schnellste aller Gitarristen, sondern der 28-jährige Jungspund JOE GOOCH.

Als wir ( leider zu spät ) auf den Hinterhof des „ Goldenen Löwen „ fuhren, konnte ich die Klänge von „Love Like A Man“ schon hören und die begleiteten mich bis zum Saal. Dort kochte bereits die Stimmung und die feuchtheisse Luft war durchtränkt vom Blues & Rock. Irgendwie kam mir das bekannt vor: Nicht ganz so „gediegen“ und gestylt wie sonst bei Ostrockkonzerten. Stattdessen viel graues Haar und Rockerkleidung, Schweißgeruch und die Freundlichkeit einer vollgestopften Dorfkneipe - mir war wie zu Hause; wie angekommen.

Direkt vor der linken Bühnentreppe fand ich sogar noch ein Plätzchen für mich. Zwei Meter vor mir peitschte LEO LYONS seinen Bass und trieb den Boogie vorwärts und bei jedem Blick, den man erhaschen konnte, hatte er ein Lächeln auf den Lippen. Das war der blanke Spaß am Spiel, keine Show, nichts gekünsteltes. Du bekommst das Gefühl, der Typ würde nur für Dich spielen. Auf diese angenehme Art kann man locker übersehen, dass da oben ein „Opa“ steht – LYONS ist Jahrgang 1943!
Auf der anderen Bühnenseite, schon fast am Rande des Geschehens, lässt CHICK CHURCHILL Bluesreihen aus seinem Piano perlen, eine nach der anderen. Mal leicht und flockig, dann wieder im heftigen Stakkato. Das gibt dem Ganzen einen zusätzlichen und unverwechselbaren Reiz.
Der rhythmische Motor hinter dem Schlagzeug, RIC LEE, ist nicht zu erkennen. Einer im Saal schreit mir in’s Ohr, dass ich ein geiles Drum-Solo schon verpasst hätte. Mist!

Zwischen den drei alten Urgesteinen in der Bühnenmitte agiert der Mann, der nach Alvin Lee kam und seither mit seinem Gitarrenspiel den bekannten Sound der Band verjüngt. Geändert hat sich Gott sei Dank nichts! GOOCH spielt einen anderen Stil und versucht gar nicht erst wie sein berühmter Vorgänger zu klingen. Dennoch – er spielt wahnsinnig schnell, agressiv und vielleicht sogar etwas rockiger. Die alte Nummer „Goin’ Home“ kommt brilliant von der Bühne und im Improvisationsteil fliegen einem Zitate von Jimi Hendrix, Jack Bruce oder Richie Blackmore nur so um die Ohren. Da ist die Begeisterung im kleinen Saal riesengroß.

Weil ich zu spät ankam, ist das Konzertende natürlich auch viel zu schnell erreicht. Aber die Altmeister aus England spielen noch einen kompletten Zugabenblock aus alten Standards wie „Blue Suede Shoes“ und Songs vom neuen Album „NOW“, das ich an dieser Stelle wärmstens empfehlen möchte.

Nach dem Konzert und einer kurzen Verschnaufpause sind die vier Musiker im Saal. Man hat Gelegenheit, im Gespräch seine Englischkenntnisse zu überprüfen oder, wie ein angereister Fan, alle seine Plattenhüllen signieren zu lassen. Ich selbst hatte nur eine mitgenommen und darauf sind jetzt die Autogramme von drei Rockveteranen und einem, der das Zeug hat, einer zu werden. Wundern würde es mich jedenfalls nicht.

Mein abschließender Tip: Pfeifft auf die TV-„Superstars“ und glattgebügelte Möchtegern Silbermöndchen.
Musik ist Leben. Sie kommt aus dem Bauch, trägt verwaschene Jeans und feuchte T-Shirts und sie freut sich wie Du und weint, wenn es schmerzt. Du triffst sie in Kneipen, in Klubs und sie braucht keine Show!
Angefügte Bilder:
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zuletzt bearbeitet 19.03.2008 15:22 | nach oben springen

#2

RE: TEN YEARS AFTER - eine Rocklegende in Landsberg

in Off-Topic 19.03.2008 11:34
von Bernd (gelöscht)
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Hallo Hartmut, danke für diesen sehr schönen Bericht und Fotos ! TYA sagte mir eigentlich nur noch mit "Love Like A Man" etwas.
Vielleicht haben wir Gelegenheit , uns dieses Jahr mal am 22.6. in Kamenz Jethro Tull anzuschauen.

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#3

RE: TEN YEARS AFTER - eine Rocklegende in Landsberg

in Off-Topic 19.03.2008 14:42
von HH aus EE (gelöscht)
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Oh ja,das ist eine richtig gute Idde, Bernd, und den Termin werde ich mir vormerken. Ian Anderson & Co. habe ich im Juni '99 schon mal auf der HutbergBühne erleben können. Das ist jetzt bald 9 Jahre her und die Musik des Flötenvirtuosen noch immer ein Genuß. Wenn irgend möglich, werde ich diese Gelegenheit nutzen.

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#4

RE: TEN YEARS AFTER - eine Rocklegende in Landsberg

in Off-Topic 19.03.2008 16:36
von Sonny | 1.738 Beiträge | 2027 Punkte

Zuerst hab ich ihn diesen Beitrag nur gesehen. Zu lang! Dann las ich Bernds Kommentar und Deinen. Neugier siegt!

Danke für den Bericht und besonders dafür:

Musik ist Leben. Sie kommt aus dem Bauch, trägt verwaschene Jeans und feuchte T-Shirts
und sie freut sich wie Du und weint, wenn es schmerzt. Du triffst sie in Kneipen, in Klubs
und sie braucht keine Show!

Das trifft meine Seele.


*
Doch die Zeiten ändern sich. Ob wirs mögen oder nicht. Alles hat seine Zeit.

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#5

RE: TEN YEARS AFTER - eine Rocklegende in Landsberg

in Off-Topic 19.03.2008 20:14
von Kundi (gelöscht)
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Lieber HH,

das ist wirklich ein schöner und stimmungsvoller Bericht. TEN YEARS AFTER zählt unbestritten zu den großen Band's insbesondere der Blumenkinder-Ära. Es ist schön, dass die "alten Helden" immer noch aktiv sind und live musizieren. Übrigens mag ich solche Konzerte in kleinen Club's,Sälen und Kneipen mittlerweile sehr, weil man da den Künstlern wirklich noch richtig in die Augen schauen kann...

Gruß Kundi

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#6

RE: TEN YEARS AFTER - eine Rocklegende in Landsberg

in Off-Topic 19.03.2008 21:38
von PM | 4.235 Beiträge | 5060 Punkte
Wie ihr alle wisst, kann ich mit englischen Sachen nicht viel anfangen - aber wenn Hartmut das so erzählt, wär ich auch gern dabei gewesen.
Jethro Tull hab ich voriges Jahr in Chemnitz gesehen und hier auch berichtet. Ohne Bert hätte ich den Zugang zu dieser Musik niemals gefunden, er hat mich etwas damit angesteckt. Mir gehts jedenfalls so, außer bei Ostbands (die sind ja zum Glück selbsterklärend *fg*), braucht man einen Stichwortgeber. Ein Glück, dass ich euch hier alle gefunden hab und so dabei bin, meinen musikalischen Horizont zu erweitern .
Zu Jethro Tull werde ich wohl auch die Pilgertour auf den Hutberg auf mich nehmen, wenn nich noch irgend was dazwischen kommt.
Finde es auch in Ordnung so, dass es hier im Puhdysforum eine Rubrik gibt, die sich auch mit anderen Musikrichtungen beschäftig.

Klick mal druff hier:

zuletzt bearbeitet 19.03.2008 21:40 | nach oben springen


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