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CD INGO KOSTER - Das Porträt, 2006 - Versuch einer Besprechung

in Platten, CD und DVD von Künstlern aus dem Osten 13.03.2009 18:44
von HH aus EE (gelöscht)
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CD: INGO KOSTER – DAS PORTRÄT ( und Raritäten )


Als Rockmusik noch Beat hieß und die Beatles das Maß aller Dinge waren, gab es weltweit viele, die ihnen nacheiferten. Auch um die DDR machte der Beat mit seinem „Yeah, Yeah, Yeah“ keinen Bogen und die Wandergitarre wurde auch hier elektrisch. Es bildeten sich Gruppen und Combos, doch viele verschwanden wieder. Nur wenige hinterließen in der Zeit und in der Musikgeschichte so deutliche Spuren, daß man sie noch heute hören kann.

TEAM 4 aus Berlin sangen von Anfang an in deutscher Sprache, lange ehe dies andere unkommentiert als ihre eigene „Leistung“ vereinnahmten. Eine dieser frühen Beat-Singles ist die „Mokka-Milch-Eisbar“ und die Gesangsstimme die von INGO KOSTER. Obwohl dieser Mann ein Rock-Urgestein der DDR ist, gab es so etwas wie eine Übersicht über sein langjähriges Schaffen als Sänger und Komponist, ein „Best Of“ auf Vinyl oder CD, bis vor kurzem nicht. Diese Lücke füllt die 2006 bei „Choise Of Music“ veröffentlichte Porträt-CD nun endlich.

Der Inhalt der Scheibe folgt der Historie: Thomas Natschinski & Gruppe, Brot & Salz, Gruppe Drei sowie Solo-Stücke mit jeweils 5 Tracks.
Die ersten 5 Songs aus NATSCHINSKI -Zeiten, inklusive der berühmten „Mokka-Milch-Eisbar“, wurden komplett neu eingespielt, ohne die ursprüngliche Idee zu verfälschen. Dies wurde sehr geschmackvoll vorgenommen, quasi eine Renovierung für moderne Zeiten sowie aktuellen Hör- und Klangbedürfnissen angepaßt. Für die Fans solcher Songs wie „Maja“ (nein, nicht die Biene!) sind diese Stücke Freude und Genuß pur.

Während diese ersten 5 Tracks allesamt von Thomas Natschinski komponiert wurden, stammen die folgenden 5 Songs aus der Zeit mit BROT & SALZ und aus der Feder von INGO KOSTER selbst. Mit den Abstand von drei Jahrzehnten entdeckt man beim Hören die schlichte Schönheit solcher Perlen wie „Es war ein Tag“ oder „Was mich ergreift“ und man wundert sich, daß es für diese Musik und die Band in den 70ern nicht zum Durchbruch gereicht hat. Da paßt der letzte dieser fünf BROT & SALZ – Songs schon fast symbolhaft mit seiner Zeile „Nichts ist schwerer als zu geh’n“ und seiner etwas traurig-schönen Melodie. Eine tolle Erinnerung an damals!

In dem Maße, wie BROT & SALZ eher unbekannt blieb, erreichte die Gruppe DREI mit ihren Anleihen an Folk & Country ein wesentlich größeres Publikum, obgleich man konstatieren muß, daß es zwischen beiden Bands stilistisch kaum einen Bruch gab. Der Standard ist der gleiche, nur der Auftritt etwas poppiger. Songs wie „Mein Lied“ und „Vorbei“ erschließen sich auch noch beim mehrmaligen Hören mit immer neuen Nuancen und faszinieren durch ihren gestalterischen Ideenreichtum sowie Ingo’s eindrucksvolle Stimme.

Das Einmalige dieser Zusammenstellung ist gleichzeitig das absolute Muß für Fans und Sammler, denn alle 10 Titel von BROT & SALZ sowie von DREI sind hier auf dieser CD erstmals auf Tonträger veröffentlicht (bekanntermaßen wurde zu DDR-Zeiten sehr viel im Rundfunk und damit auf Band produziert). Da bekommt man eine leise Ahnung davon, was da noch alles in den Archiven schlummert und den langsam alternden Fans vorenthalten wird. „Schade“ ist da noch sehr höflich formuliert.

Das letzte Viertel der CD ist der Sprung in die Gegenwart, obgleich „Und so weiter“ eine neue Bearbeitung eines alten Hits ist, der INGO KOSTER damals in das Schlagerstudio führte und beinahe auch in den Schlagerhimmel katapultiert hätte.
Mit „Casablanca“ traut er sich sogar an eine neue Interpretation des CITY-Klassikers, ohne dem Original exakt in den Fußspuren zu folgen. Ein gewagtes Unterfangen ob der historischen Wucht des Originals, aber da singt eben auch einer, der das historische Gefühl authentisch transportieren kann, das diesem Song eigen ist – Respekt!

Der eigentliche Höhepunkt der Scheibe folgt kurz vor Schluß. INGO KOSTER interpretiert mit „Nicht mehr siegen“ einen älteren Song von Pete Wyoming Bender und singt danach zwei völlig neue Lieder, die beide das Zeug zum absoluten Überflieger haben.
„Das Silber des Meeres“ und „Ich lebe hier“ scheinen mir fast so etwas wie das Bekenntnis des Künstlers INGO KOSTER, sowie von GABY RÜCKERT als Texterin, zu seinem bzw. ihrem Verständnis von Musik und Poesie zu sein und je öfter ich die beiden letzten Songs höre, desto mehr wundere ich mich, daß sie sich auf dieser CD verstecken und nicht den Weg in die Medien finden. Dabei treffen sie mit ihrer textlichen Botschaft mitten in das Herz vieler Menschen hier, getragen von einer Stimme, die so warm und ehrlich ist, wie selten eine. Eine Stimme, die ich gern öfter und vor allem auch mit noch mehr neuen Songs wie diese hören möchte.

Wer die CD noch nicht hat, sollte die 71 Minuten Musik bei CHOISE OF MUSIC ordern und wem nach Live-Musik ist, sollte unbedingt eines der Konzerte von INGO KOSTER gemeinsam mit seiner Partnerin GABY RÜCKERT besuchen – Gänsehaut-Feeling und Unterhaltung auf hohem Niveau garantiert – wir sehen uns!

Details: INGO KOSTER „Mokka-Milch-Eisbar“ – Das Porträt, Choise Of Music, 2006


Angefügte Bilder:
Koster-CD_front_800_794.jpg
Koster-CD_back_800_667.jpg
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RE: CD INGO KOSTER - Das Porträt, 2006 - Versuch einer Besprechung

in Platten, CD und DVD von Künstlern aus dem Osten 13.03.2009 18:56
von Mary (gelöscht)
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Danke Hartmut, Du unermütlicher Schreiber in Sachen (Ost)Rock...
Dieses Konzertprogramm habe ich mir schon lange notiert, aber leider, leider, es hat noch nie wirklich terminlich bzw. örtlich gepasst. Aber ich hoffe, das wird noch...

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