Kritik Ostrock Klassik Dresden
in Ostrock in der Presse, in Rundfunk, Fernsehen, WWW usw. 03.08.2009 08:47von Belinda •

Montag, 3. August 2009
(Sächsische Zeitung)
Ein Kessel voll bunter Ostrock-Klassiker
Von Thomas Neumann
Die Stars des Ostrock sind wieder mit dem Babelsberger Filmorchester auf Duetschlandtour.
Viel Rauch, kein Feuer: Dieter „Maschine“ Birr von den Puhdys. Gemeinsam mit dem Babelsberger Filmorchester stand die Band am Sonnabendabend beim Ost-Rock KlassiK auf der Bühne, mit ihr City, Karat, IC Falkenberg, Veronika Fischer, Holger Biege und Ute Freudenberg Fotos (4): SZ/Thomas Lehmann
Rockmusik in der Dresdner Garde, aber ohne kreischende Gitarren, hüpfendes Jungvolk und schwitzende Leiber in Ekstase. Nichts von alledem. Das Sicherheitspersonal sitzt entspannt zurückgelehnt auf Klappstühlen vor der Bühne. Kein kollabierender Teenie muss von Sanitätern aus der tobenden Menge gezerrt werden. Die Freilichtbühne im Großen Garten von Dresden ist in den Abendstunden des vergangenen Sonnabends ein Hort der Gemütlichkeit. Die versammelten Ostrock-Klassiker sind in der Stadt.
Es ist ein bisschen wie „Ein Kessel Buntes“, nur die Parteifunktionäre in der ersten Reihe und das Fernsehballett fehlen. Die alte Garde des Ostrocks, zum Teil bereits verjüngt durch die nächste Generation der Musikerdynastien, hat sich zum gemeinsamen Schunkeln eingefunden. Das Filmorchester Babelsberg verleiht den Klassikern den nötigen Hauch Klassik.
Mit teilweise wechselnden Protagonisten ist das Projekt bereits im dritten Jahr auf Tour. Die Arrangements für den Klassikrock-Cocktail stammen immer noch und wieder aus der Feder von Rainer Oleak. Das Konzept aber leidet am selben Problem wie in den vergangenen beiden Jahren. Die Ostrock-Klassiker, die hier versammelt aufgeführt werden, sind ohnehin geprägt vom balladesken Bombast. Der Versuch, bekannten Hits noch ein Mal ein ganz anderes Gewand zu verpassen, sie neu zu interpretieren, ist da weitestgehend überflüssig. Was bleibt, ist gute Unterhaltung. Und das ist ja auch schon mal was.
Obligatorische Bluejeans
Den Anfang machen Karat, seit fünf Jahren mit Claudius Dreilich, dem Sohn des verstorbenen Sängers Herbert Dreilich am Mikrofon. Ed Swillms ist mit dabei, Keyboarder der frühen Tage von Karat und Komponist von Hits wie „Über sieben Brücken“, der sich schon vor mehr als 20 Jahren von der Bühne zurückzog, in letzter Zeit aber wieder öfter bei Karat auftaucht. Dann kommen Veronika Fischer und IC Falkenberg, letzterer mit zwei Songs aus seiner Stern-Meißen-Periode. Bei „Eine Nacht“ geht das erste Mal so etwas wie ein Ruck durchs Publikum, hat das Filmorchester Babelsberg auch im Refrain mal etwas mehr Gestaltungsspielraum.
Statt des angekündigten Bernd Wefelmeyer dirigiert der Baske Enrique Ugarte. Der ist nicht nur Dirigent, sondern auch Europameister und Vizeweltmeister im Akkordeonspielen. Seine Akkordeonfassung von Keimzeits „Kling Klang“ klingt so verspielt, wie das Original gemeint war.
City kommen ganz in Weiß auf die Bühne, nur Frontmann Toni Krahl kann sich die obligatorischen Bluejeans nicht verkneifen. Und City sind hier auch irgendwie fehl am Platze. Deren erdigen Rocksongs tut die Orchesterweichspülung gar nicht gut. Besonders schmerzhaft wird das bei der Berlin-Hymne „z.B. Susann“ deutlich. Deren Ursprungsfassung hatte zumindest noch einen Hauch Revolte. Alles weg.
Musikalische Friedenstauben
Dann kommt einer, der lässt sich nicht weichspülen. Holger Biege verzichtet für seine zwei Songs gänzlich aufs Orchester. Und das ist gut so. Hoch emotional, berührend und mit einem Hauch Bitterkeit. Nur Stimme und Piano, nicht auszudenken, was hier ein verkrampftes Durchpeitschen des Klassik-rock-Konzeptes hätte für Schäden anrichten können. Grad noch mal gutgegangen.
Ute Freudenberg ist als nächstes dran. Die „Jugendliebe“, die dafür sorgt, dass die Herzen des Publikums dahinschmelzen, jeder vermutlich in Gedanken bei seiner eigenen ganz persönlichen Jugendliebe. Und im Duett mit Claudius Dreilich „Es gibt für mich kein fremdes Leid“, eine dieser musikalischen Friedenstauben, bei der man nie ganz sicher ist, ob man es gruselig finden darf oder vielleicht doch ein wenig ergriffen sein sollte.
Dann betreten als Höhepunkt die Puhdys die Bühne, und die sind mit Verlaub wirklich grottenschlecht. Klar, die Fans mögen das nicht nachvollziehen können. Aber mal ehrlich, im Kontrast zum hochprofessionellen Babelsberger Filmorchester ist es umso peinlicher, das weder Dieter „Maschine“ Birr noch Dieter „Quaster“ Hertrampf auch nur einen Ton halten können. Die ganze Truppe macht so offensichtlich den Kasper auf der Bühne, dass es weh tut, und die friedensbewegte Hymne „Das Buch“ wird so lustlos runtergeleiert, dass man „Aufhören!“ rufen möchte. Als Finale singen alle Künstler des Abends gemeinsam „Wer die Rose ehrt“ von Renft. Komponist und Texter sind beide tot, können sich also nicht mehr dagegen wehren.
Auf dem Heimweg läuft neben mir ein älteres Paar. „Aber scheen war’s doch.“, sagt Mutti. Papa überlegt kurz, dann kommt ein trockenes: „Nu!“ Das lassen wir jetzt einfach mal so stehen.

RE: Kritik Ostrock Klassik Dresden
in Ostrock in der Presse, in Rundfunk, Fernsehen, WWW usw. 03.08.2009 09:16von Sonny •

Ohoh!
Da hast Du was gefunden, Belinda! Und diese Zeitung wird viel gelesen. Hoffentlich haben die Puhdys einen Spiegel zum Dahinterstecken selbiger.
Muss ja nicht jeder so empfunden haben oder wenn, so krass formulieren. Die Dabeigewesenen haben sich aber schon in der Richtung geäußert.
Ein Grund mehr, sich selbst zu überzeugen. Mal sehn!
*
Doch die Zeiten ändern sich. Ob wirs mögen oder nicht. Alles hat seine Zeit.

RE: Kritik Ostrock Klassik Dresden
in Ostrock in der Presse, in Rundfunk, Fernsehen, WWW usw. 03.08.2009 09:37von Gordon •

Tja was soll man sagen es ist vielleicht etwas heftig geschrieben aber leider irgendwo auch richtig.Ich fand den Abend leider auch sehr sehr mau.Da hat sich leider zum ersten Mal die lange Anreise aus Frankfurt/Main nicht ganz gelohnt.Die Stimmung und das Musikalische hat nicht so richtig gezündet.Da es auch Open Air war,kam für mich das Orchester auch nicht so zur Geltung.Ich habe Ostrock-Klassik in Köln und München in der Halle erlebt wo man wirklich ergriffen war von den Liedern und Künstlern.Aber hier in Dresden war für mich viel zu wenig Powern zu spüren.Leider waren auch die Puhdys am Ende etwas mau und die Kritik mit dem Buch ist nicht ganz weg zuweisen.Hier fehlte Maschines Power und auch das mitsingen des gesamten Publikums wie man es aus den Puhdys Konzerten kennt.Ok es war zwar ein Ostrock.Klassik Konzert aber trotzdem hat diesmal die richtige Mischung gefehlt zumal vor mir,neben mir und hinter mir alles gesessen hat und nur starr auf die Bühne geschielt hat.
Aber da muss man als Puhdys Fan auch durch und ich freue mich wieder auf ein rockiges und festziges Konzert mit den "wahren" Puhdys Fans.
Gruss aus Frankfurt
Gordon

RE: Kritik Ostrock Klassik Dresden
in Ostrock in der Presse, in Rundfunk, Fernsehen, WWW usw. 03.08.2009 09:52von HH aus EE (gelöscht)

Als 2007 die CD "Ostrock in Klassik" erschien, habe ich sie mir gekauft, weil die Covergstaltung wirklich gelungen ist und meine Neugier reichte, um Geld locker zu machen.
Das Cover find ich noch immer gut, aber eine zweite CD mit gleichem Cover ist nicht nötig. Die Musik hat mich durchweg entäuscht, weil wirklich neue Ideen nicht auftauchen, neue Gestaltungsmöglichkeiten nicht genutzt wurden. Bei mir blieb die Frage nach dem künstlerischen WARUM. Die nach dem kommerziellen Nutzen war leicht zu beantworten.
Dies war und ist der Grund, warum ich mir bis heute keine der Live-Aufführungen, Konzert kann man das kaum nennen, angetan habe. Dieser Thomas Neumann scheint ähnlich wie ich zu empfinden. Damit ist alles gesagt, außer:
Schade, es hätte mit dem Willen zur musikalischen Innovation auch ganz anders kommen können! Schon auf der CD.

RE: Kritik Ostrock Klassik Dresden
in Ostrock in der Presse, in Rundfunk, Fernsehen, WWW usw. 06.08.2009 08:09von axel (gelöscht)

ich rede zwar nicht gerne über sachen, bei denen ich nicht anwesend war, aber hier muss ich es tun.
@ petra, wohlwollend würde ich nicht sagen, die haben sich eben auf die aufzählung des ablaufes beschränkt. die snn ist ne vergleichsweise kleine zeitung und wollte niemandem weh tun.
@ alle, es ist schon eine frechheit, diese veranstaltung als ostrock zu bezeichnen. das ist wohl eher ein schlagerfestival und tausende werfen den geldgeiern wieder die kohle in den rachen. da reden alle von kriese und bei mir im geschäft drehen sie den euro 5x um, aber dort wird es mit vollen händen rausgeworfen. ist ne schande, mehr kann ich dazu nicht sagen. in der semperoper kann ich für 30 euro wirkliche klassik erleben,

RE: Kritik Ostrock Klassik Dresden
in Ostrock in der Presse, in Rundfunk, Fernsehen, WWW usw. 06.08.2009 20:03von Bimbo (gelöscht)

Hier mal was positives aus der Presse, zum Spektakel in Dresden.
http://www.bild.de/BILD/regional/leipzig...in-dresden.html
http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2223746
http://www.superillu.de/musik/Ost-Rock_K...09_1325262.html

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