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Zu Gast bei SIGGI's "Grauen Nachbarn" an der ELBE - mein Herrentag

in Konzertberichte Ostrock allgemein 14.05.2010 15:26
von HH aus EE (gelöscht)
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Zu Gast bei „Grauen Nachbarn“ - Herrentag in Skopi’s Elbgarten

Männertag, Himmelfahrt, Fahrradtour und Bier trinken – für so manchen Zeitgenossen ist dies eine logische Kette und dieser eine Tag im Jahr läuft dann auch genau so ab. So weit ich selbst zurückdenken kann, war das immer so, vor allem aber vor der großen Zeitenwende. Allerdings nicht bei mir, von einer einzigen Ausnahme abgesehen.

Ich kann mich erinnern, mit Freunden Anfang der 80er mal die Fahrräder geschnappt zu haben, um damit in den Zug nach Falkenberg/Elster zu steigen. Von da aus sind wir dann die knapp 50 Kilometer über die Dörfer zurück in Richtung Heimatstadt gefahren. Wie früher die Postkutsche, so haben wir an jeder Dorfkneipe eine kurze Rast für ein einziges Bier eingelegt. Es gab damals noch viele Dorfkneipen in den Dörfern und so etwas wie Durst hatten wir bald nicht mehr.
Heute würde ich auf der gleichen Strecke wahrscheinlich eher verdursten, als eine Kneipe mit einem Ausschank zu finden - “the times they are a-changing“ – Dylan hatte recht, nur konnte er nicht wissen, dass besser gleichzeitig auch weniger bedeutet.

Es wurde ein sehr langer Nachmittag und hinter Bad Liebenwerda war der Durst endgültig weg, die Beine schwer und das Koordinationsvermögen eingeschränkt, wohlwollend gesprochen. Die Orte Zeischa und Haida haben wir auch noch geschafft und es war trotzdem schön, wie ich mich erinnern kann, aber seither hat auch nie wieder eine solche Tour mit mir stattgefunden. Außerdem sind mir heutzutage die Biergläser viel zu groß und für den Preis von dreien dieser Sorte könnte ich glattweg einen ganzen Kasten Bier im Keller stehen haben.

Also hab’ ich gestern das Wort BIER aus meinem Wortschatz gestrichen und es durch FANTA ersetzt und statt mich auf den harten Sattel meines verstaubten Drahtesels zu setzen, hatte ich plötzlich das Lenkrad meines Autos vor mir. Die Fahrt nach Radebeul an die Elbe war angenehm. „Skopi’s Elbgarten“ zu finden hätte sich allerdings sehr schnell zu einem Glücksspiel entwickeln können, wenn man sich nicht auskennt. Ich hatte das Navi nicht aktiv, doch meine alte Kiste ist das Gefährt eines Außendienstlers und hat ihre eigene Spürnase. Von Kollegen habe ich ähnliches auch schon gehört und so stand ich plötzlich vor dem Riesenschild des Elbgartens. Dort machten die „grauen Nachbarn“ schon mächtig Stimmung und, welch Wunder, allein war ich auch nicht.

Von außen nicht zu erkennen, liegt „Skopi’s Elbgarten“ wildromantisch mitten im Grünen, versteckt hinter einem großen Gewerbegebiet, direkt oberhalb der Elbe. Eine von Bäumen eingerahmte Fläche ist voller Menschen und kleine Buden und Stände laden zum Speisen und Trinken ein. Hurra, ich bin in einer Oase abseits der Zivilisation angekommen! Der einzige, den ich hier kenne, sitzt hinter einem Schlagzeug und gibt den Takt für „Stumblin’ In“ an, dazu singt er den Part von Chris Norman und eine junge Dame namens JULE mimt die Suzie Quatro. Im Elbgarten herrscht Partystimmung und Bierseeligkeit, Männerfahrt am Himmeltag oder so ähnlich.

Natürlich falle ich mit meiner Fanta auf und natürlich denken einige, ich bin auch so ein „grauer Nachbar“. Die covern inzwischen die „Kühle Lady“ der Altrocker PUHDYS und weil das mit dem Mitsingen schon ganz gut klappt, schieben die Musiker von ACHIM REICHEL noch „Aloha Heja He“ hinterher, diese herrliche Nummer aus dem Album „Melancholie und Sturmflut“. Die passt wunderbar zum Bier und zur Bratwurst, wenn man, wie in Hamburg, die Elbe im Rücken hat und am Nachbartisch schon kräftig mitgesungen wird. Prost Fanta!

Den GREY NEIGHBOURS merkt man den Spaß an der Musik an, allen voran unser SIGGI aus dem Puhdys-Forum, der sich mit dem Lehrer am Bass die Spaßbälle zuwirft und Lacher provoziert. Das Repertoire ist bunt gemischt, die Vorliebe für Rockmusik aber ist nicht zu überhören. Bei „Peter Gunn“, diesem Steinalt-Klassiker, werden die Bandmitglieder vorgestellt und spätestens jetzt sollte dem Eingeweihten bei dem Namen KARL-HEINZ RINGEL an den Tasten ein Licht aufgehen. Richtig, der Mann war einst Mitbegründer der Dresdner ELECTRA COMBO, sein Orgelspiel prägte den frühen Sound der Band („Wie sich Mühlen dreh’n im Wind“, „Sie liebten sich beide“, „Weiden am Ufer“) in gleicher Weise, wie der Gesang von „Mampe“ Ludewig.
Die Keyboards klingen heute noch immer so wie einst und das muss wohl an einer sehr typischen Spielweise des Tastenmannes liegen, der inzwischen den Vorruhestand genießt.
Ich hatte so ein steinaltes Foto der ELECTRA COMBO aus meinen Jugendjahren mit und darüber sind wir dann, erst wir beide und dann alle anderen auch, ins Schwärmen geraten. Die 60er waren doch die schönsten Jahre unseres Lebens!

Ich erinnerte mich bei „The Letter“ an die BOX TOPS und natürlich an die großartige Version von JOE COCKER. „Skinny Minnie“ ist noch älter und in Penne-Zeiten haben wir dabei immer kräftig mit den Füßen getrampelt. Bei „Sagen meine Tanten“ von SCIROCCO fällt mir meine zweite Jugendliebe ein – Hallo Dorothea! - und bei „Samba Pa Ti“ bemerkte ich, daß ich CARLOS SANTANA noch immer nicht live erlebt habe. Nur bei „Lady In Black“ konnte ich sagen, das Original URIAH HEEP schon gesehen zu haben.

Wenn ich es mir richtig überlege, ist „Grauer Nachbar“ eigentlich ein geiler Titel und gar nicht irgendwie falsch zu verstehen. Ich hab’ mich für die Zeit in „Skopi’s Elbgarten“ wie zu Hause gefühlt und das nicht nur, weil dort ein schönes Plätzchen ist, sondern auch, weil „Graue Nachbarn“ so ziemlich das Beste sind, was einem grauhaarigen „Alt-Hippie“ an so einem Tage geschehen kann. Man(n) versteht sich auf Anhieb. Schade nur, dass ich mit der Herrenrunde am Herrentag kein herrliches Bierchen trinken konnte. Das hätte mir mein herrlich altes Gefährt nicht verziehen, aber herrlich wäre es trotzdem gewesen!

Danach meinte mein Blechgefährt noch nach Dresden fahren zu müssen, denn im „Alten Schlachthof“ war eine Dixieland-Nacht angekündigt. Angesichts eines fetten Ticketpreises ist mir die Entscheidung nicht schwer gefallen, den Abend doch wieder mit den angenehmen Seiten des Lebens ausklingen zu lassen – na dann zum Wohle, meine (grauen) Herren!


http://www.grey-neighbours.com
http://www.gaertnerwirt.skopi.de

Angefügte Bilder:
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zuletzt bearbeitet 14.05.2010 15:30 | nach oben springen

#2

RE: Zu Gast bei SIGGI's "Grauen Nachbarn" an der ELBE - mein Herrentag

in Konzertberichte Ostrock allgemein 14.05.2010 15:43
von Sonny | 1.752 Beiträge | 2059 Punkte

Das ist wieder so ein typischer HH-Beitrag: kurzweilig, informativ, spannend und eben lesenswert.
Danke schön für Deine Ausführungen *Daumen hoch


*
Doch die Zeiten ändern sich. Ob wirs mögen oder nicht. Alles hat seine Zeit.

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#3

RE: Zu Gast bei SIGGI's "Grauen Nachbarn" an der ELBE - mein Herrentag

in Konzertberichte Ostrock allgemein 14.05.2010 16:00
von PM | 4.235 Beiträge | 5060 Punkte

Da Hartmut auf meinen Beitrag zu den "Grauen Nachbarn" recht still war - dachte ich mir schon, der brütet was aus. Und so war es!
Das Kücken was hier geschlüpft ist, kann sich sehen lassen.
Mir ist es noch nicht gelungen, Sigi in Aktion zu sehen.
Es war auch nur eine neugierige Anfrage meinerseits an Jugendfreund Sigi - er ist so bescheiden, wir hätten das hier gar nicht mitgekriegt, was sich da tut.


Klick mal druff hier:

zuletzt bearbeitet 25.05.2010 20:11 | nach oben springen

#4

RE: Zu Gast bei SIGGI's "Grauen Nachbarn" an der ELBE - mein Herrentag

in Konzertberichte Ostrock allgemein 14.05.2010 16:18
von Bernd (gelöscht)
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Nun hat Hartmut uns die Erlebnisse mitgeteilt. Danke Dir dafür !
Beim Siggi fliegen die Sticks aber mächtig. Schwer einzufangen im Bild.
Und immer wieder die interessanten Hintergrundgeschichten der Bandmitglieder, ein ehemaliges Mitglied von ELECTRA und sogar ein Gründungsmitglied. Wieder eine interessante Antwort auf die Frage: "Was wurde aus...".

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#5

RE: Zu Gast bei SIGGI's "Grauen Nachbarn" an der ELBE - mein Herrentag

in Konzertberichte Ostrock allgemein 14.05.2010 17:32
von Sigi Schulze | 346 Beiträge | 570 Punkte

Ich möchte mich an dieser Stelle für diesen super Bericht unsrer Herrentagsmugge bei Hartmut bedanken. Ich dachte ich sehe nicht recht als er vor mir stand und freute mich, dass es jemand mal geschafft hat zu uns zu kommen. Wir waren an diesem Tag richtig gut drauf, das Wetter hielt und die Leute haben richtig toll mitgemacht, so wie eine Band sich das wünschen kann einfach nur top. Jetzt ist wieder Proben angesagt, denn in 14 Tagen sind wir in Coswig (Heimspiel) und da gibts paar neue Songs einzustudieren.
An dieser Stelle nochmal ein kleiner Hinweis: mehr zu den Grey Neighbours auf http://www.grey-neighbours.com.
Könnt euch ja mal in unserem Gästebuch verewigen, da würden wir uns freuen .


---------- Nächste Konzerte: Puhdys in Weinböhla am 26.12.2012 ----------

www.grey-neighbours.com
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#6

RE: Zu Gast bei SIGGI's "Grauen Nachbarn" an der ELBE - mein Herrentag

in Konzertberichte Ostrock allgemein 14.05.2010 20:50
von jolina (gelöscht)
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Hallo Siggi,

die Chancen stehen gut, dass ich euch Ende Mai endlich auch mal sehe. Aber was heißt Bühne an der Straßenbahn? Wo ist das ungefähr?

Liebe Grüße
joli

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#7

RE: Zu Gast bei SIGGI's "Grauen Nachbarn" an der ELBE - mein Herrentag

in Konzertberichte Ostrock allgemein 15.05.2010 13:09
von Sigi Schulze | 346 Beiträge | 570 Punkte

Hallo!

Also die Bühne steht, wie schon gesagt, an der Straßenbahn. Im Prinzip muss man nur die Hauptstrasse (am Wettinplatz und Takko vorbei) entlang laufen. Die Bühne ist noch vor der Coswiger Börse, eigentlich findet man uns ganz leicht, weil alle die zur Tanz- und Musikmeile wollen oder gehen an uns vorbei müssen.

Hoffe ich konnte es ein wenig beschreiben.
Sigi


---------- Nächste Konzerte: Puhdys in Weinböhla am 26.12.2012 ----------

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