KUNO - Ein Sechstel der Klaus Renft Combo feiert Geburtstag
Eine schwarze Seele hat der KUNO ganz bestimmt nicht, sonst hĂ€tte er nie dieses ergreifende âChilenische Metallâ gesungen und spĂ€ter auch den Stones-Klassiker âBackstreet Girlâ mit einem faszinierenden deutschen Text (âHinterhof-Görâ). Aber er ist einer, der diesen schwarzen Humor, wenn er denn gut drauf war oder ist, genĂŒsslich von der BĂŒhne herunter auswalzen kann.
Im vergangenen Jahr erlebte ich ihn im Dresdner Stadtmuseum, wo er ĂŒber Nischen und Hinterhöfe der DDR fabulierte, in denen sich die inoffizielle RockânâRoll-Kultur austobte. Ungemein bildhaft besprach er zum Beispiel, was Musiker und Fans gleichermaĂen, insbesondere die âRĂ€nft-BĂ€ndâ, damals an alkoholischen GetrĂ€nken vernichteten und fĂŒgte hinten an: âVon wegen, das Koma-Saufen wĂ€re eine Erfindung der heutigen Jugend!â
Der ehemalige Thomaner war die glockenhelle Stimme der Klaus Renft Combo, die zum Beispiel stellvertretend Neil Young und âHelplessâ, wieder mit einem eigenen deutschen Text, auf die Live-BĂŒhnen brachte. Er sang die âGelbe StraĂenbahnballadeâ, spielte eine ĂŒberdurchschnittlich geile Gitarre und drĂŒckte das Intro der âRoseâ in die Keyboards.
Seine Freundschaft zu Gerulf Pannach verhalf der âRĂ€nft-BĂ€ndâ, so noch heute seine Formulierung, zu immer bissiger werdenden Texten, die letztlich in der Moritat vom âKleinen Ottoâ gipfelten. Gemeinsam mit Pannach musste er dann die Konsequenzen im Knast aussitzen, ohne dass sie seinen Charakter zu brechen vermochten. Nach der Abschiebung in den Westen machten beide erfolgreich als Pannach & Kunert weiter und bereicherten auf diese Weise den Fundus modernen deutschen Liedgutes.
Er stand nach CĂSARâs 30. BĂŒhnenjubilĂ€um wieder gemeinsam mit der Klaus Renft Combo auf der BĂŒhne.
Kuno musste erleben, wie sein Freund Gerulf vom Krebs besiegt wurde und wie diese heimtĂŒckische Krankheit sich, wie einem bösen Fluch folgend, nacheinander auch Pjotr, Jenni und CĂ€sar holte. Auch den Unfalltod von Heinz musste er verarbeiten und die Tatsache, dass die âRĂ€nft BĂ€ndâ jetzt eine andere ist. Dies alles zusammen und vielleicht auch die brachiale Lebensweise des Musikers hatten den Verlust des Hörvermögens zur Folge â aus die Maus!
Wenn Christian âKUNOâ Kunert heute seinen 58. Geburtstag begeht, folgen meine eigenen Gedanken noch einmal der Spur der Klaus Renft Combo, denke ich an die, die fĂŒr mich die âRĂ€nft-BĂ€ndâ waren, Kuno eingeschlossen.
Als ich ihn im vergangenen Jahr beim âGitarrenhungerâ in Leipzig erlebte, da wusste ich, auĂer seinem Gehör ist bei ihm alles andere noch in Ordnung. Der verbale Biss, das Lachen und die Finger fĂŒr die Gitarrensaiten. So möge es auch noch ganz lange bleiben und ab und an wĂŒnsche ich uns, er möge es tun, denn es klingt noch immer wie KUNO, nur ein wenig anders.
Alles Gute zum heutigen Geburtstag, lieber Kuno!