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XX.Songfestival - Die Liedertour 2010 mit D.Zöllner, M.Maurenbrecher, J.Kokott, F.D.D.String u.a.18.08.2010 Kunsthofgohlis

in Konzertberichte Ostrock allgemein 21.08.2010 10:41
von Mary (gelöscht)
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Endlich komme ich dazu, auch hier wenigstens erst einmal ein paar Fotos zu laden...

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zuletzt bearbeitet 21.08.2010 10:44 | nach oben springen

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RE: XX.Songfestival - Die Liedertour 2010 mit D.Zöllner, M.Maurenbrecher, J.Kokott, F.D.D.String u.a.18.08.2010 Kunsthofgohlis

in Konzertberichte Ostrock allgemein 22.08.2010 16:44
von Mary (gelöscht)
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19.08.2010, 3:00 Uhr, unermüdlich tutet der Wecker…, bis sich meine Hand endlich zum „Aus-Knopf“ bewegt. Die Nacht vorbei? Das kann nicht sein, sträubt sich mein Körper…, 10 Minuten später energisches Klingeln… Gnadenlos schreit Wecker Nummer 2, den ich vorsorglich weit entfernt aufgestellt hatte. Ich muss aufsteh’n, um dieses furchtbare Geräusch abzustellen. Als ich dann im Bad „mein Gegenüber“ im Spiegel sehe, fallen mir spontan ein paar Liedzeilen der Puhdys ein: „Spuren der Nacht in deinem Gesicht, so hab ich dich nie gesehn…“, kaltes Wasser klatsche ich literweise gegen meine müden Augen, langsam erwachen die Lebensgeister… Meine Erinnerungen gehen zurück zu einem wirklich gelungenen Konzertabend. Nein, ich bereue keine Sekunde, dass ich deshalb mit 1,5 Nachtschlafstunden auskommen musste.

„XX. Songfestival – Die Liedertour 2010“ hieß es im Kunsthofgohlis in Dresden. Dirk Zöllner, Manfred Maurenbrecher, Jörg Kokott, Francis D.D. String… u. v. a. standen auf dem Plakat. Sicher, es war im wahrsten Sinne des Wortes „mitten in der Woche“, aber dieses Aufgebot an Musikern konnte und wollte ich mir nicht entgehen lassen. Und da es die 20. Liedertour war, wurde es auch Zeit, dieses Event einmal zu besuchen. Fast schäme ich mich, dass ich davon bisher nichts „mitbekommen“ habe. Das Wetter war „friedlich“ und so machte ich mich auf zu einer meiner liebsten Veranstaltungsstätten, dem Kunsthof in Dresden/Gohlis. Die Anwohner hier machen es dem Betreiberpaar nicht gerade leicht.
Man beschwert sich oft wegen Lärm und ruft nur wenige Minuten nach „Zapfenstreich“, wenn noch Musik aus dem Kunsthof klingt, die Ordnungshüter. Neuerdings stören die parkenden Autos der Konzertbesucher…, wie ich auf einem Zettel, mit der Bitte „woanders“ zu parken, am Tor zum Kunsthof las. Es ist schade, dass sich die Menschen scheinbar immer weniger für „Live-Kultur-Erlebnisse“ interessieren, sich lieber in der Fernsehwelt von "DSDS" und diversen „Soap’s“ verkriechen, sich „einmauern“ in ihrer kleinen „heilen“ Welt und anderen auch noch die Freizeitfreuden vermiesen.
Meine Welt ist anders – zum Glück!

Die Musiker waren gerade beim Soundcheck, als ich durch die riesige Glastür trat. „Die Tür ist heute noch offen, Mary!“, rief man mir entgegen und ich musste lachen. Jeder kann sich zu diesen Worten denken, was er mag… Ich gehe nicht näher darauf ein, aber ich wusste wieder einmal, so manches Abenteuer habe ich hier schon erlebt, ich fühle mich im Kunsthof irgendwie „Zuhause“ – ein schönes Gefühl.
Dirk „Scholle“ Zöllners Gesicht verzog sich ein wenig bei der Begrüßung. Er hatte sich hier in „meinem“ Sachsen vor ein paar Stunden ein neues Tattoo stechen lassen, das noch ziemlich schmerzte. Ob ich wohl davon ein Foto machen könnte? „Nach dem Konzert…“, mit diesen Worten wurde meine schelmische Frage überraschend bejaht. Ich glaubte nicht wirklich daran, aber ich sollte mich irren. Das ist eben „Scholle“…!
Es war noch viel Zeit, bis Frank Oberhof, der an diesem Abend bei einigen Titeln sein Akkordeon zum Klingen brachte, die kleine Bühne betrat und den Liederabend eröffnete.

„Wachholder“, die Band ist mir noch gut bekannt. 2008 gingen sie zum 30. Jahrestag ihrer „Geburt“ noch einmal auf Tour, auf Abschiedstour. Hier im Kunsthof stand Jörg „KO“ Kokott solo auf der Bühne und ich erinnerte mich auf einmal an einen Auftritt von Dirk Zöllner, Jörg Kokott und Manfred Maurenbrecher. Ich glaube, es war im Rahmen von „EVA“, diesem evangelischen Jugendfestival, als sie 2008 im Dresdner Bärenzwinger gemeinsam auf einer Bühne standen. Die Liedertour verbindet diese 3 Namen wieder, mit Erfolg, wie ich nach diesem Abend weiß.
Kokott machte seinen ersten Titel „Melanie“ zum „Namens-Quiz“, weil er darin eigentlich so gar nichts von Melanie singt. Er musste das Rätsel selbst lösen. Resümee, wenn der Titel „Melanie“ feststeht, kann das Ändern von Textzeilen etwas „Verwirrung“ stiften. Kokott entpuppte sich als aufmerksamer Beobachter und Kritiker. Plötzlich wird eine harmlose Volksliedmelodie zum versteckten „Antikriegssong“ – das Lachen blieb mir regelrecht im Hals stecken bei „Patrone Bavaria“. „Im Brunnen vor dem Tore“, kurz und dabei witzig auf den Punkt gebracht – Klimaerwärmung. Kokotts Akustikgitarre untermalt Titel für Titel den Gesang. „Venedig sehn und sterben“, „Sie kam aus Mecklenburg“…, die Besucher lachten herzlich. Ernst und heiter im steten Wechsel. Das Gitarrensolo „Mischepoche“ (angekündigt durch eine witzige Entstehungsgeschichte – manchmal sind Reporter hilfreich) war mein Highlite des abendlichen Kokott-Teils.

M.M., das erinnert mich an „Muster Messe“, auch an diese bunte, süße, „westliche“ Nascherei und… an Manfred Maurenbrecher. Maurenbrecher, begegnet man ihm auf der Straße, sieht man ihm nicht an, dass er einer der besten Liedermacher Deutschlands ist, was diverse Auszeichnungen belegen. Auch in diesem Jahr wird er geehrt, am 19.11. wird er den „Deutschen Liederpreis“ erhalten. Manfred Maurenbrecher füllte den 2. Teil des Programms und das Publikum hier im kleinen Kunsthof feierte ihn angemessen. Schon als die ersten Töne des Klaviers erklangen herrschte uneingeschränkte Aufmerksamkeit, was in einer Veranstaltungsstätte mit Getränkeausschank nicht unbedingt üblich ist. Ich habe schon Auftritte an anderen Orten erlebt, in denen die Unterhaltung des Publikums, den Gesang übertönt. Hier ist das anders. Man ist da, weil man hören „will“. Maurenbrecher erzählte kurze Geschichten zu seinen Titeln. Mancher Lachmuskel wurde strapaziert, als er eine kleine Story zu „Arbeit“ zum Besten gab. Er hatte während einer Taxifahrt dem Fahrer erklärt, er sei Musiker, worauf der Berliner Taxifahrers abschließend feststellte: „So was muss es „och“ geben, Menschen, die gar nicht arbeiten müssen“. Lachen begleitete die ersten Textzeilen: “Vielleicht ist heute ja der Tag, an dem ich selber zu mir sag, komm an die Arbeit…“ Egal, was Maurenbrecher besang, sei es einfach das Leben, Politik oder die kleinen und großen Schwächen der Menschen, jeder Song ist hervorragend umgesetzt. Die Textzeilen sind geradezu „bildlich“ zu erkennen. So sah ich die riesigen Fahrzeuge regelrecht vor mir, als er den Land Rover im Stau besang. Er erzählte kleine Familiengeschichten, nahm die Finanzkrise aufs Korn und nicht zuletzt sogar sich selbst. Singt von Hoffnung wie vom Resignieren. Als er endete, meint man geradezu, es gibt nichts, woraus Maurenbrecher nicht ein Lied zaubern könnte. Zöllners Ansage zum Schluss, als alle vereint auf der Bühne standen: „Gottvater of Liedermaching“, scheint wirklich passend für Maurenbrecher. Im Mai diesen Jahres feierte er seinen 60. Geburtstag. Zu diesem Anlass entstand eine CD Box auf der, 62 Künstler, 62 Maurenbrecher-Songs interpretieren. Nie habe ich eine witzigere Werbung zum Kauf einer CD gehört, als hier im Kunsthof von Manfred Maurenbrecher selbst, als er seinen Konzertteil beendete. Wenn es möglich wäre, wünschte ich ihm nochmals 60 Jahre Schaffen, um all die kleinen Details des Lebens musikalisch festzuhalten.

„Liedertour“ nennt sich die Veranstaltungsreihe. In die Riege der auf dem Plakat angegebenen Musiker passt ein Name nicht wirklich, Dirk Zöllner. Zur Rubrik „Liedermacher“, „Songwriter“ zählt man ihn nicht. Er ist eher im Soul und Funk „zu Hause“, auch als "Jesus Christ Superstar“ spielte er sich in die Herzen der Zuschauer. Hier stand er nun mit seiner Akustikgitarre vorm Publikum und sang „Ich brauch Personal“…, irritiert schaute er immer wieder zur rechten Seite…, der Platz war leer. An dieser Stelle sollte wohl schon Francis D.D. String stehen?! Francis unterstützt Dirk während dieser Tour mit seiner Gitarre. Hier bei diesem Titel, beim Ruf nach Personal, erscheint das Fehlen des 2. Musikers eher als „gewollt“. Ich gehöre nicht zu denen, die jeden Live Auftritt nach Fehlern durchforsten. Textzeile vergessen? Einsatz verpasst? Meine Welt geht davon nicht unter. Ich genieße einfach immer dieses „live ist live Erlebnis“. Musikkritiker, die alles „zerhacken“ sind mir von jeher ein Graus. Als sich „Scholle“ und Francis musikalisch und stimmlich „gefunden“ hatten, boten die beiden eine lockere Bühnenshow, die das Lachen der Zuschauer abonniert zu haben schien. Mit Wortwitz führte Zöllner durch sein Programm, „König der Verwöhner“, von Dirk und Francis auf der Bühne förmlich „gelebt“, entlockte schon während der Ansage, das eine oder andere „ah“ der Besucher und endete nach Ende des Songs in Lachen und euphorischem Applaus. „Heute biste dran“…, „Arschgesicht“, Raum füllend erklang dazu der Ausruf: „Haarspray!" in reinstem „sächsisch“. Wortgeplänkel sorgte für Kurzweil, lockerte den Vortrag auf. „Alles oder nichts“… sang „Scholle“ und man nimmt ihm das als Lebensmotto ab. String und Zöllner sind zwei Namen, die sich auf der Bühne öfter „begegnen“ sollten, ist meine persönliche Erkenntnis des etwa 45 min dauernden Auftritts. „Sand“ war der Schlusspunkt unter „Scholles“ Programmteil. Schon dazu lud er alle Beteiligten des Abends auf die Bühne ein. Hier zupfte Jörg Kokott die Basssaiten.
Francis nannte den Abschluss des Konzertes, „unbemerktes Rutschen in den Zugabenteil“, „ungefragt“, wie Scholle einwarf, „ob ihr wollt’ oder nicht“, so String, würden jetzt alle ein paar Titel zusammen spielen. Wer sollte sich wohl gegen diesen „runden Abschluss“ wehren!?
Manfred Maurenbrecher hatte deutsche Texte zu Bob Dylan Songs geschrieben. Im ersten sangen im Refrain alle zusammen: „… ich geb’ dir ein Schlupfloch vor dem Sturm…“ Wer wünscht sich das nicht, ein Schlupfloch, wenn der Wind zu stark bläst. Die fünf Musiker, die sich hier gefunden haben, bringen soviel Zusammengehörigkeit herüber, zeigen, es gibt ein Miteinander, trotz total unterschiedlicher Charaktere und Musikrichtungen. Sie scheinen sich gegenseitig eins dieser „Schlupflöcher“ gegeben zu haben. „Noch ne Nacht“, auch nach einer Bob Dylan Melodie, schafft noch einmal gute Laune, lässt die Besucher auf ihren Stühlen wippen. Jörg „KO“ Kokott sang vom „Schnaps“…., Zöllner sein „Nie mehr“ und passend zum Konzertende erklang Maurenbrechers: „Alles geht zur Neige“…, die Zuschauer klatschten sich die Finger wund, fanden kein Ende zu applaudieren. Erst bei den Schlussworten hörte man wieder aufmerksam zu, spendete jedem vorgestellten Künstler, dem Techniker Marcel und auch den „Kunsthof Betreibern“ nochmals stürmischen Applaus und dann erklang der nun unweigerlich letzte Titel des Abends: „Any Day Now“ von Bob Dylan.
Ein rundum gelungener Abend mit einem Programm, das bunter kaum sein konnte. Schon heute weiß ich, wenn es ein Termin erlaubt, bin ich wieder dabei, wenn es heißt: „21. Songfestival – Die Liedertour 2011“.
Bevor ich nach Hause ging, durfte ich dann tatsächlich Dirk „Scholle“ Zöllners Tattoo fotografieren, Francis D.D. String stellte sich bereitwillig dazu, denn auch er nahm solch ein „Andenken“ aus Sachsen mit.
Danke Euch beiden!

Meinen Arbeitstag schaffte ich trotz völlig ungenügendem Nachtschlaf - dank dieser Konzerterinnerungen – ich würde es immer wieder tun…

Angefügte Bilder:
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zuletzt bearbeitet 22.08.2010 17:06 | nach oben springen


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