Bericht Teil 2:
Da wir nun schon mal dabei waren, schoben die FISHe mit „Mantra“ vom aktuellen Album „Alles im Fluss“ ein weiteres Mitsing-Opus hinterher. An dieser Stelle muss ich mal etwas zu den Texten schreiben, denn was Eric FISH mit seinen Liedern verkündet, sind bei weitem keine belanglosen, oberflächigen Banalitäten. Er möchte die Zuhörer vielmehr zum eigenen Denken und zum Nachdenken anregen. Er erklärte das während des Konzertes sinngemäß so, wenn die Leute nach der Show nach Hause gehen und die eine oder andere Botschaft mitnehmen, dann hat er sein Ziel erreicht. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen sind die Lieder und vor allem auch die Konzerte von FISH & Friends natürlich auch ein Genus. Des Meisters spezielle, eigenwillige Stimme durchdringt mit seiner Intensität selbst die härteste Schale und mancher der sich mit Vorurteilen beladen an FISH heranwagte, wurde im Laufe von 3 oder 4 Stunden Konzert schon bekehrt.
Mit Gerit Hechts treibenden Pianoklängen wurde „Zwilling“ eingeleitet. Dieses Lied beleuchtet die 2 Seiten jedes Menschen. Gut und böse, schwarz und weiß, Liebe und Hass – wohnen ja in uns allen. Das Publikum begleitete den Song mit rhythmischen Klatschen.
„Nägel im Kopf“ war der nächste Glanzpunkt in der Show. Den Text dazu hat kein Geringerer als Bodenski von Subway to Sally geschrieben. Die FISHe spielten natürlich auch ein paar ihrer Lieblingslieder von anderen Künstlern. Es ist eine der ganz großen Stärken von FISH & Friends diese Songs in eigener Art und Weise zu präsentieren. Bestes Beispiel ist das von Gitarrist Reiner Michalek gesungene „Late Night Radio“ von David Gray. Bei manchem Lied berührt mich die FISH-Version mehr als das Original. Hört euch mal „I’m a Sinner Too“ von Pothead an. Das Lied ist an und für sich schon großartig, aber FISH & Friends machten in Leipzig daraus wieder ein akustisches Wunderwerk. Reiner und Eric wechselten sich hierbei beim Gesang ab und B.Deutung spielte dazu seinen Kontrabass wie eine Bassgitarre.
„Schuldig“ führte uns dann zurück in FISH-eigene Gewässer. Das Lied handelt davon, dass einer allein die Last der Welt nicht tragen kann, weil er letztendlich daran zerbricht. Der richtige Weg ist, dass jedermann (s-) einen Teil der Bürde auf sich nimmt und wenn das jeder tut, dann wird die Welt auch etwas besser. Beim letzten Lied vor der Pause griff Reiner Michalek zur Mundharmonika und er setzte mit seinem gefühlvollen und dezenten Spiel bei „Wird es sein“ ein weiteres musikalisches Glanzlicht. Die Nikotin-Junkies nutzten die etwa 15 Minuten lange Unterbrechung natürlich für eine Flucht vor das Gebäude. Bald sah man dort die Rauchschwaden aufsteigen und die Leute plauderten dabei über erste Eindrücke vom Konzert. Nach der Pause kamen uns die FISHe in einem Block von 2 Instrumentalstücken und 2 Liedern erstmal irisch. Der Meister Eric höchstselbst blies dazu zeitweise auf 2 verschiedenen Flöten. Einen dieser Songs hatte ich irgendwann mal schon von Sinead O’ Connor gehört. Die kurzgeschorene Frau war ja sonst nicht mein Fall, aber dieses traditionelle Stück sang sie damals einfach phantastisch. Dieser Titel dürfte Paddy’s Lament“ heißen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Es handelte von den Iren, die einst nach Amerika flohen und dann dort im Bürgerkrieg kämpfen mussten.
Ich könnte jetzt noch ewig über dieses Konzert schreiben, aber ich beschränke mich jetzt nur noch auf ein paar ausgewählte Lieder von den rund 30, die FISH & Friends an diesem Abend in Leipzig spielten. „Cathedral“ von Crosby, Stills & Nash leiteten FISH & Friends mit astreinen, wunderbaren A-capella-Satzgesang ein Auch an „Chikago“ durften wir uns erfreuen. „Prinzessin auf der Erbse“ und „Bildungsoffensive“ brachten wieder ordentlich Stimmung in den Saal. Die Leute standen, klatschten und sangen begeistert mit. Was folgte war eine humorvolle Einlage a la FISH & Friends. Gerit Hecht verteilte zunächst theatralisch so etwas wie eine Partitur an seine Musikerkollegen. Anschließend spielten die 5 Herren bewusst alle sehr schief. Nachdem wir bis jetzt ja mit Klängen verwöhnt wurden, schmerzten diese Misstöne besonders in den Ohren. Doch Band und Publikum amüsierten sich dabei großartig. Das offizielle Finale wurde mit „Scheißegal“ und der musikalischen TV-Abrechnung „Glotze“ vollzogen. Statt „Zugabe-Rufe“ stimmte das Publikum „Dei-dei-Gesänge an nachdem Gerit auf dem Piano ein paar Takte vorgab. Die Band kehrte dann für 2 oder 3 Titel zurück auf die Bühne. Mit dem Lied und der Botschaft „Glaub an dich“ wurden die Zuhörer in die Nacht entlassen.
Gruß Kundi