Donnerstag, 24. Februar 2011
(Sächsische Zeitung)
„Ich werde weniger Konzerte geben“
Der Sänger IC Falkenberg tauscht seinen Wohnort Berlin gegen Halle, rückt einen Tick von der Musik ab und tritt dieses Jahr in Dresden nur einmal auf.
IC Falkenberg beim Bummel in der Dresdner Innenstadt. Der Sänger tritt am 5. März in der Lukaskirche auf. Karten für 20 Euro gibt es an allen Vorverkaufsstellen und unter 0341 2118425.
Mit zehn Jahren stand Ralf Schmidt zum ersten Mal auf einer Bühne. Da ahnte er noch nicht, dass er bald die Oper gegen Rockklubs eintauschen, als Sänger der DDR-Band Stern Meißen Konzerthallen füllen und sich später IC Falkenberg nennen würde. Bei diesem Namen ist er geblieben. Gerade war er in Dresden, besuchte Freunde und plauderte unter anderem darüber, warum 2011 nur ein einziges Konzert in der Elbestadt in seinem Kalender steht. Ende vergangenen Jahres feierte Falkenberg seinen 50. Geburtstag – eine wichtige Zäsur in seinem Leben.
Herr Falkenberg, wie haben sich die jüngsten Monate der zweiten Hälfte Ihres ersten Jahrhunderts angefühlt?
Ich wollte dem 50. Geburtstag ja gar keine so große Bedeutung geben und ihn auch nicht besonders feiern. Jubiläen und große Partys zu Weihnachten und Silvester hasse ich. Doch dann ergab sich ein Konzert in Halle, das nur zufällig auf dieses Datum fiel und ein tolles Erlebnis wurde. Danach hatte ich ein paar Momente Ruhe, da ist mir ein Licht aufgegangen. Ich dachte: 40 Jahre auf der Bühne, das ist ‘ne Menge. Ich habe mir meinen Traum erfüllt, stehe vor Publikum, mache Songs, die Menschen berühren. Ich sollte aufhören, mich dauernd unter Druck zu setzen und zu hasten. Und genau von dieser Erkenntnis waren die folgenden Wochen und Monate geprägt.
Was haben Sie anders gemacht?
Ich habe mich entschlossen, die Musik ein wenig zurückzustellen, nicht mehr 80 bis 100 Konzerte pro Jahr zu geben, sondern etwas jenseits des Singens und Komponierens zu machen. Das nächste Album ist zwar nach wie vor geplant, so etwas entsteht ja fließend. Doch auftreten werde ich weniger. So kommt es, dass es nur das eine Konzert am 5. März in der Lukaskirche geben wird.
Jenseits der Musik, was könnte das sein?
Über ungelegte Eier will ich nicht sprechen, aber es hat mit etwas zu tun, womit ich mich schon länger beschäftige.
Fotografie?
Wenn man Ansagen macht, die später haltlos werden, weil sich die Dinge anders entwickeln, gerät man in Erklärungsnot. Das möchte ich nicht.
Gehen wir 20 Jahre zurück: Wendejahre und Sie als 30-jähriger Musiker im vollen Lauf. Wie haben Sie die Zeit erlebt?
Anfangs schien alles ganz leicht. Wir waren Popstars der 80er-Jahre in der DDR. Das kann man mit der heutigen Inflation dieses Begriffs nicht vergleichen. Produktionsfirmen drängten in den Osten, die dachten, dass sich unser Erfolg im Westen einfach vervielfältigen lassen würde. Doch dann liefen die nächsten Alben eben nicht gut, und selbst bestimmen durften wir über unsere Arbeit auch nicht. Ich habe schließlich gekündigt. Dass man die neue Freiheit auch nutzen lernen muss, die Erkenntnis kam halt erst nach und nach.
Welche Rolle spielt heute noch der Schulterschluss zu früheren Musikerkollegen?
Wenn man für ein Projekt ein bestimmtes Instrument braucht und weiß, wer es super gut beherrscht, dann kennt man in diesem Kreis natürlich seine Leute. Gerade mit den Jungs von Stern Meißen verbindet mich ganz viel gelebte Zeit, das sind Freundschaften. Wir verlieren uns nie ganz aus den Augen. Aber im Grunde bin ich Einzelkämpfer.
Wo genau kämpfen Sie denn?
Ich habe mein eigenes Studio und weiß das sehr zu schätzen. Gerade sitze ich auf gepackten Kartons und ziehe von Berlin, wo ich 30 Jahre lang gelebt habe, nach Halle in meine alte Heimat.
Wie kommts?
Der Wunsch, mal den Wohnort zu wechseln, ist älter. Lange habe ich mit Hamburg geliebäugelt, weil ich das Meer und Hafenstädte mag. Aber nach dem Geburtstagskonzert im vergangenen September dachte ich: Warum nicht Halle? Die Stadt bietet eine spannende Subkultur, ist sehr lebendig. Jetzt habe ich dort eine tolle Wohnung gefunden, Maisonette, kein Nachbar stört sich an meiner Musik.
Haben Sie einen festen Arbeitsrhythmus?
Nein, ich bin ein Nachtmensch und bin oft bis drei Uhr im Studio. Entsprechend spät beginnt mein Tag – mit einer Tasse Kaffee am Laptop, um die Mails und Portale zu checken, dann gehts ins Studio.
Was gibt es außer der Musik?
Ganz viel. Zwar kaum Sport, aber die ganze Bandbreite der Kunst interessiert mich. Zurzeit lese ich eine Biografie nach der anderen, von Charley Chaplin bis Heiner Müller, und in jeder finde ich Impulse und Verkopplungen zu weiteren Persönlichkeiten.
Planen Sie, Ihre eigene Biografie zu schreiben?
Wenn ich an all die großen Leute denke, über die ich lese, sage ich mir: Oh, du bist so unbedeutend! Doch eine Musikerbiografie, die in zwei Systemen spielt, könnte schon interessant sein. Noch fühle ich mich aber zu jung dafür.
Das Gespräch führte Nadja Laske.