Preisfrage: Was fällt euch zu den Begriffen Tante Ju und Monokel ein? Wer jetzt eventuell an einen Monokel tragenden Piloten am Steuerknüppel einer JU 52 denkt, sollte jetzt noch mal ganz langsam die Überschrift des Themas lesen, in sich gehen und intensiv nachdenken. Ich denke aber, dass den meisten Lesern auf Anhieb die Kraftblues-Brigade MONOKEL und der Liveclub Tante JU in Dresdens Industriegebiet einfällt. Schließlich wurde hier schon oft sowohl über Konzerte von MONOKEL und auch über Muggen im Tante Ju erinnern. Ich kann mich sogar erinnern, dass hier von den Gastspielen der genannten Band in besagten Club auch schon mehrmals berichtet wurde. Wer die Preisfrage richtig beantwortet hat, darf als Belohnung diesen Artikel weiterlesen. Die einzelnen Leser die bei der Beantwortung ihre Schwierigkeiten hatten, müssen zur Strafe den Bericht bis zum Ende durchschmökern *g*.
Vergangenen Freitag war es endlich wieder mal soweit, MONOKEL gastierte im Tante Ju.
Ich hatte die Band seit 5 Monaten nicht mehr live gesehen und ich spürte schon seit Wochen so etwas wie Entzugserscheinungen. Da war es sicher nur zu verständlich, dass ich diesem Abend regelrecht entgegen fieberte. Don Quijote hatte seine Rosinante als Transportmittel, Kapitän Nemo seine Nautilus, Harry holte für Stefan Derrick immer den BMW und ich habe meine silberne Kalesche. Zuverlässig und pünktlich brachten mich meine 125 fernöstlichen Pferdestärken nach Dresden. Rechtzeitiges Erscheinen sichert bekanntlich auch gute Plätze. Das galt für mein Gefährt und mich gleichermaßen. Mit dem Unterschied, dass ich drinnen in Bühnennähe stehen wollte und die Kalesche draußen günstig in Reichweite des Eingangs stehen sollte. Getreu dem alten Grundsatz „alles über 50 Meter Fußweg ist Landstreicherei“ konnte ich mein Fahrzeug bestens vor dem Club abstellen. An der Abendkasse waren dann noch als letztes Hindernis 15 Euro Eintritt zu entrichten. Obwohl ich im Stadtgebiet von Dresden bei meiner Anreise keine Sichtwerbung in Form von Plakaten feststellen konnte, füllte sich der Laden in der nächsten Stunde doch ganz beachtlich.
Die Herren Linke, Kühnert, Grimm und Pflügler bahnten sich in gewohnter Weise zu den Klängen von „Das ist die Berliner Luft“ den Weg durch den Saal zur Bühne. Nach dem Anstöpseln verkündeten die 4 Hauptakteure des Abends musikalisch „Immer noch da“ und aus „Berlin“ zu sein. Es gehört zu den Eigenheiten eines guten MONOKEL-Gigs, dass schon nach wenigen Minuten die Luft im Saal förmlich brennt. Da schüttelt der Mittvierziger sein verbliebenes Haupthaar im Takt der Musik, neben ihn tanzt die Mittzwanzigerin den Blues. Es ist gut möglich und auch nicht ungewöhnlich bei MONOKEL, wenn da Vater und Tochter gemeinsam vor der Bühne abhotten. Seit 35 Jahren tourt das Boogiemobil schon über Land und immer noch entfachen die Musiker ein solides Feuerwerk aus kräftigen Rock und Blues in den Sälen, Clubs und auch auf diversen Festivals. MONOKEL-Musik ist zeitlos und sie hat es auch gar nicht nötig sich irgendwelchen Trends zu unterwerfen. Der Lohn für diese Beständigkeit ist die mittlerweile mehrere Generationen umfassende Fangemeinde. Die Konzerte der Band in Dresdens angesagtesten Liveclub sind da ein guter Beleg dafür. Plötzlich kam die Kraftblues-Turbine kurzzeitig ins Stocken. Lefty’s Gitarrenverstärker hatte sich verabschiedet und es wurde Ersatz herangeschafft. Das Publikum nahm es erfreulicherweise gelassen hin und die Band setzte nach der Zwangspause fast nahtlos mit dem Programm fort.
Zwischen „Wie die Großen“ und „Wahrheiten“ versteckte sich mit „Little Red Rooster“ der erste internationale Klassiker. Ein paar solcher Perlen der Musikgeschichte haben die Jungs ja immer im Gepäck, obwohl sie den Abend auch locker komplett mit eigenen Titeln bestreiten könnten. Michael „Lefty“ Linke und Bernd „Kuhle“ Kühnert zelebrierten mit ihren Gitarren wieder Saitenkunst von allererster Güte. Die beiden Könner lieferten sich gegenseitig manche Vorlage, manchmal duellierten sie sich förmlich mit den Tönen um sich am Ende doch wieder musikalisch zu vereinen. Wie ein altes Ehepaar verstehen sich Kuhle und Lefty nahezu blind.
Die ganze Bandbreite von verspielten, schnörkelichen Licks bis hin zu brettharten, messerscharfen Riffs zauberten sie aus ihren Instrumenten und ihren Fingern. Ganz besonders liebe ich es, wenn Lefty sich einen Bottleneck über den Finger streift und dann diesen typischen Slide-Sound mit der Klampfe erzeugt. Das „Monster vom Schilkinsee“ hatte und hat zu allen Zeiten Saison. Gesoffen wurde schließlich schon immer. Alkohol ist eine gefährliche Droge, aber bei aller Ernsthaftigkeit des Themas kommen bei diesem Lied bei lebensälteren Konsumenten der MONOKEL-Musik wie mir auch eine Menge schöne Erinnerungen an das feucht-fröhliche Jugendleben in den Dorf- und Konzertsälen, auf Zeltplätzen oder an wilde, tagelange Partys in irgendwelchen Gärten hoch. Es war eine wilde Zeit, die ich nicht missen möchte. Wenn ich heute alte Freunde treffe, kommen manchmal auch diese Jugendsünden zur Sprache und mancher Fete von damals haftet heute der Ruf der Legende an. Na ja, alte Männer zehren auch von so was *grins*.
Vor der Pause durften wir aber alle auch mal richtig abheben. Nach dem etwa eine Minute dauernden träumerisch-verspielten Intro von Lefty setzte die gesamte Band zum „Kindertraum“ an. Das Lied gehört ohne Zweifel zu meinen persönlichen MONOKEL-Favoriten. Dieser stampfende, treibende Rhythmus von Bass und Schlagzeug, die leicht ruppigen Gitarren und Leftys Gesang ergeben eine absolut mitreißende Mischung Rockmusik der Spitzenklasse. Jeglicher Widerstand ist zwecklos, dem Stück kann man sich einfach nicht entziehen. „Kindertraum“ ist einfach ein großartiges Werk. An dieser Stelle gab es dann auch die übliche Pause. Da sich der Saal während der Mugge ziemlich aufgeheizt hatte, war diese Unerbrechung vielen sehr willkommen, um abzukühlen, zu quatschen und einen Kaffee oder ein Bier zu schlürfen.
Nach diesem Boxenstop war alles bereit für den zweiten Teil des Konzertes und in dem ließen es Lefty, Kuhle, Dicki und Pitti noch mal richtig krachen. „Glaub nur an dich allein“, Bla Bla bei Nacht“, „Kein Engel“ und die im Publikum Jubel auslösende „Schwarze Marie“ waren die Vorboten eines sich ganz langsam abzeichnenden Konzertendes.
Mit nicht nachlassender Spielfreude ging es weiter im Text. Bei „Ahaha“ wurde dem Publikum die Aufgabe gestellt, den höchst schwierigen Refrain („Ahaha Ahahe, mir tut das Herz so weh, wenn ich dich so seh…“) mitzusingen. Die Freunde instrumentaler Werke kamen bei „Misirlou“ voll auf ihre Kosten. Kaum jemand weiß noch, dass das Stück ursprünglich aus Griechenland stammt. In den sechziger Jahren entdeckte es dann Dick Dale für die Surfmusik.
Für die Gitarrenhexer Lefty und Kuhle ist das Teil natürlich ein gefundenes Fressen, um mittels der Saiten zu zaubern. Was MONOKEL dann aber aus dem Kasten holte, war Neuland für mich. „Donegan’s Gone“ von Mark Knopfler hat ja im Original eher so einen Hauch von Folkmusik und schien von daher formal gar nicht so zur Kraftblues-Brigade zu passen. Aber die Jungs drückten dem Stück mühelos ihren eigenen Stempel auf. Mit dem „Boogiemobil“ und „Bye bye Lübben City“ wollten sie dann zum Grande Finale ansetzen. Doch der Feierabend war für MONOKEL noch lange nicht in Sicht. Das Publikum forderte ausgiebig und lautstark mehr. Gegen 00.35 Uhr ging es folglich in den Zugabenteil und der dauerte ungefähr eine halbe Stunde. Der Schlusspunkt war dann erst mit „Albatross“(Peter Green/Fleetwood Mac) erreicht.
Gruß Kundi