„Frisch“ war ich nicht an jenem Samstag, kein Wunder…, ich hatte wieder einmal zu wenig Schlaf.
Trotzdem entschied ich für mich, auf zu Renft!
Doch bevor ich mich auf den Weg machen konnte, musste ich erst mal das Internet befragen, wo sich denn besagter Veranstaltungsort „Vereinshaus“ in Neusörnewitz befindet. Es sah ganz einfach aus…, nicht weit von der S-Bahnstation. Also in den Zug gesetzt und los…
Bei der Ankunft studierte ich noch die Abfahrtszeiten, notierte mir eifrig die letzte S-Bahn Richtung Heimat und stiefelte los…
Ich lief und lief…, seltsam weit erschien mir der Weg.
Es sah doch, verdammt noch mal, so einfach aus daheim auf dem Bildschirm!
Irgendwann meine Vermutung, es muss die falsche Richtung sein.
Also, wenden und den Weg zurück.
Längst war es dunkel und kein Straßenschild trug den Namen, den ich suchte.
Frustriert zog ich in Erwägung nach Hause zu fahren.
Doch da war dieser verflixte Stolz, ich schaffe das!
Laufen, laufen…, hier schienen die Bordsteine bereits nach oben geklappt, kein Mensch weit und breit, den ich fragen könnte.
Endlich, am Straßenrand hielt nur wenig vor mir ein Auto!
Kurzes Klopfen an die Scheibe und ein freundlicher junger Mann nahm sich einer völlig geschafften „Musikverrückten“ an.
Nun ist es ja nicht so, dass sich jeder Bewohner in seinem Ort auskennt…, das Navi musste befragt werden.
Auch die moderne Technik geriet beim Suchen etwas durcheinander.
„Steigen Sie ein, ich fahre Sie hin…“ mit diesen Worten lud mich mein „Retter“ ein, neben ihm Platz zu nehmen.
Nein, ich überlegte keine Sekunde, ließ mich ins Polster plumpsen, hörte die Navi-Stimme, die wieder vom „Wenden“ sprach und irgendwann verkündete, sie haben ihr Ziel erreicht.
Völlige Dunkelheit, Menschenleere… - wo zum Teufel sollte hier Renft spielen?
Der junge Mann weigerte sich, mich hier in der „Wildnis auszusetzen“, suchte tapfer weiter nach meinem Zielort.
Dann auf dem Weg, ein einsames Plakat…, RENFT. Eine Baracke, eher mangelhaft erleuchtet, trug die Aufschrift „Vereinshaus“.
Ich war angekommen.
Danke, Du junger Retter! Ohne Dich wäre ich nie hier gelandet!
Angekommen war ich nun, doch wie gelange ich dann in tiefer Nacht zurück zum Bahnhof?
Ich weiß beim besten Willen nicht mehr, welchen Weg mein „Retter-Taxi“ gefahren ist.
Mir blieb also nichts anderes übrig, als meinen Nachhauseweg zu suchen. Also den Weg zurück Richtung Bahnhof.
Ich fand ihn sogar...
Ihr müsst mir nicht sagen, dass ich verrückt bin, ich weiß das selbst!
Nach diesem „Erkundungslauf wusste ich, grob geschätzt, musste ich für den Rückweg 20 Minuten einplanen… Alles paletti.
Erleichtert betrat ich das Vereinshaus. Der Veranstaltungsort hatte so etwas wie „Flair der 70iger“. Als störend empfand ich das nicht.
Im Gegenteil, ich fand es irgendwie lustig…, Toilettentüren trugen keine Verriegelung.
Man murmelt „besetzt“ und hält krampfhaft die Klinke fest, wenn jemand daran zieht.
Benutzte Papierhandtücher landen in einem "Plasteeimer", der einmal saure Gurken beherbergte.
Monsters entsetzter Ausruf, "Hier ist ja nich ma 'n Spiegel drin", ließ mich grinsen.
Denn einen Spiegel gab es bei den "Damen", wenn auch einen kleinen, der ziemlich hoch hing...
Die Gardinen an den Fenstern ließen den Vereinsraum eher "privat" erscheinen.
Mir kam das alles irgendwie bekannt vor, roch nach Jugenderinnerung.
Nur eins war störend, kalt war es hier drin im Veranstaltungsraum, sehr kalt.
Ich träumte bald von einem Raum voller Menschen. Dadurch würde es ja automatisch warm werden, hoffte ich.
Doch über lange Zeit fragte ich mich wo bleiben nur die anderen Konzertbesucher?
Eher schlecht beworben und ziemlich kurzfristig bekannt gegeben, wurde es eine Art „Wohnzimmer-Mugge“, klein aber fein.
Renft ohne Pitti Piatkowski, für mich schwer vorstellbar.
Doch Marco Zimmermann, der „Ersatz“ für Pitti, machte seine Sache gut, fügte sich mit Bravour in die Riege der Altrocker ein.
Ich weiß nicht, wie sich Musiker fühlen, die vor einem so kleinen Publikum spielen.
Ich weiß nur eins, ich fühlte mich rundum wohl und träumte ihn wieder, den „Apfeltraum“,
lauschte den Hits, die über all die Jahre nie aufhören in mir zu klingen.
Sang lauthals „Zwischen Liebe und Zorn“, „Gänselieschen“ und eher nachdenklich „Wer die Rose ehrt“ und klatschte Beifall als Basskran „Annette“ sang.
Nach und nach trafen noch einige Besucher ein.
„Monster“ wurde zusehens lockerer, meinte witzig, „Das ist ja richtig voll hier…“, und warnte einen dicht vor ihm tanzenden Fan „Vorsicht, ich bin verstrahlt…“
Gegenwart, du hast mich wieder…
Wer Renftkonzerte kennt, weiß, es sind „Musiker der späten Stunde“.
Der Beginn hatte sich nach hinten verschoben und mein Konzertabend hätte weit vor dem Schluss zu Ende sein müssen, Züge warten bekanntlich nicht…
Aber da gibt es ganz nette Fans, die schon mal so `ne Verrückte aufsammeln und mit Richtung Heimat nehmen.
Dafür ganz herzlich DANKE!
Dadurch konnte ich bis zum Schluss dabei sein…, als sich Monster, Delle, Basskran und Marco mit dem „Lied auf den Weg“ verabschiedeten.
So kam ein spontaner Entschluss mit Startschwierigkeiten zum glücklichen Ende...
@Axel... Die Frage, ob ich anständig nach Hause gebracht wurde, kann ich bejahen. Hätte ich denn sonst noch in der Nacht die ersten Worte und Fotos geladen...