#1

BARRY GIBB von den Bee Gees zum 65. Geburtstag

in Off-Topic 01.09.2011 15:54
von HH aus EE (gelöscht)
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Barry Gibb zum 65. Geburtstag

Was macht es aus, dass man über Jahrzehnte musikalisch neben Größen wie den Beatles, Rolling Stones, Deep Purple, Led Zeppelin oder Genesis bestehen kann?
Die Antwort ist so einfach, wie beinahe unmöglich zu realisieren – Musik wie die der BEE GEES zu schreiben und zu machen.

In meinen wilden Penne-Jahren war Beat-Musik, neben dieser oder jener Freundin, eines der Hauptthemen unter uns Jugendlichen. Alles drehte sich um die Rolling Stones, die Beatles sowieso, ich war Fan der Who und Small Faces und mein Kumpel mochte die Kinks. Auf diese Weise könnte ich noch heute im Nachhinein die ganze Schulklasse durchdeklinieren. In diese wilden und immer wieder neuen Sound-Matrizen hinein erklang eines Tages eine stille und faszinierende Melodie, beinahe a capella gesungen, die irgendwie anders war. „New York Mining Disaster 1941“ hatte etwas, das unter die Haut ging und mal wieder mit einer dieser überraschenden Melodiewendungen aufwartete. Doch ehe man sich recht damit angefreundet hatte, folgten „Spicks And Specks“, „To Love Somebody“, „Holiday“ und „I Can’ See Nobody“. Wie aus einem unversiegbaren Quell, dem Paar Lennon / McCartney nicht unähnlich, schöpften vor allem die Brüder Barry & Maurice Gibb aus einem ergiebigen Schatz von Inspirationen.
Noch heute, vier Jahrzehnte später, assoziiere ich die BEE GEES eher mit den frühen Schöpfungen der Platten bis zum opulent aufgemachten Doppel-Album „Odessa“, als mit denen der Disco Ära von „Saturday Night Fever“, über „Spirits Having Flown“ bis hin zu „Stayin’ Alive“. Letztere waren zwar ausnahmslos perfekt und aufwendig produziert, ließen aber bereits die ungestüme Einfachheit der unschuldigen Frühjahre vermissen.

BARRY GIBB ist einer der drei Brüder, der diese unendlich schöne und kreative Musik mit den beiden anderen gemeinsam verzapft und zu verantworten hat. Der Streit der drei Musikerbrüder, ihre Trennungen, die Solo- und Duo - Projekte und schließlich die Wiedervereinigung konnten daran nichts ändern, sondern verstärkten, auch wieder beinahe wie bei den Beatles, diesen Effekt. Erst der viel zu frühe Tod von Maurice im 53. Lebensjahr 2003 ging wie ein Riss zwischen die brüderlichen Bande, die seither zwar als Duo weiter existieren, aber nicht mehr musikalisch – schöpferisch aktiv wurden. Bereits 1988 war Andy Gibb, der jüngste der vier Gibb-Brüder, an einer Erkrankung des Herzens verstorben.

Heute gilt BARRY gemeinsam mit seinen Brüdern quasi als „Erfinder“ der Disco-Music und hat deshalb irgendwie auch die „Disco-Welle“ mit auf ihren erfolgreichen Weg gebracht. Mir persönlich gefiel dieses „Gequäke“ eher nicht, aber es passte irgendwie in die Zeit der Künstlichkeit, zu dem Habitus, zur Mode, den Life-Style und in die Musik perfekt hinein und hat so ganz nebenbei viele andere reich und berühmt gemacht, allen voran John Travolta. Der für die BEE GEES der 70er Jahre unverkennbare dreistimmige Falsettgesang, ihr Spiel mit den Kopfstimmen, wurde ihr Markenzeichen und versetzt noch heute die Disco-Junkies in Trance.

BARRY war bei den BEE GEES der Gitarrist und eigentlich der Lead-Sänger. Mit seiner warmen Stimme prägte er den Sound der frühen Hits ebenso, wie er mit seiner hohen Kopfstimme den Disco-Sound der 70er Jahre übertönte. Ich selbst mag ihn noch heute lieber seine Balladen singen hören. So das unvergleichliche „Guilty“ und „What A Kind Of Fool“, das er 1980 gemeinsam mit Barbra Streisand sang. Für Dolly Parton & Kenny Rodgers schrieb er den Million-Seller „Islands In The Stream“, der trotzdem am besten klingt, wenn er live von BARRY gesungen wird. Diese Reihe ließe sich beliebig fortsetzen und man müsste dabei Künstler wie Diana Ross und Celine Dion nennen.

So ganz nebenbei hat er mit seinen Brüder auch dafür gesorgt, dass ich meine Mutter mit einem Lächeln im Gesicht in Erinnerung behalten werde. Zu ihrem Geburtstag, es war der 1. Mai, hab’ ich ihr morgens als Geburtstagsständchen stets das ergreifende „First Of May“, erst vom Band und später von Platte, vorgespielt und meist sagte sie ergriffen: „Du mit deiner Beat-Musik!“ und dann lächelte sie - hallo Mom, ich weiß, dass Du’s hören kannst! -

Ich hab’ nie nachgezählt, wie viele Platten die BEE GEES gemeinsam gemacht haben und gleich gar nicht, an wie vielen BARRY GIBB als Songschreiber, Sänger oder Produzent beteiligt war. Ich weiß nur, dass neben den unzähligen großen Hits auf den Platten mit BARRY GIBB und den BEE GEES ganz viele kleine Songperlen wie das unbekannte „Harry Braff“, „Indian Gin & Whisky Dry“, „The Lord“, „Jumbo“ oder „Kitty Can“ versteckt sind und ich gestehe ungeniert ein, dass ich sie alle abgöttisch liebe, allen voran „Lamplights“, denn sie sind Teil meiner Jugend, meines Lebens geworden und jedes schenkt mir beim Hören eine andere wunderbare Assoziation. Das können nur Lieder mit bleibenden Erinnerungen und Inhalten, so wie sie BARRY GIBB gemeinsam mit seinen Brüder Robin und Maurice geschrieben und gesungen hat.

Wenn man die Lieder seiner eigenen wilden (einerseits) und romantischen (andererseits) Jahre heute hört, kommt man nicht mal ansatzweise auf die Idee, dass dies alles mehr als 40 (in Worten: vierzig!) Jahre her sein soll.
Nun wird am heutigen 1. September 2011 auch BARRY GIBB in den Adelsstand eines 65jährigen erhoben und plötzlich wird mir klar, in was für einer Ausnahmegeneration von Musikern und Künstlern, die heimischen alten Rock-Heroen inbegriffen, ich mein Leben bis zum heutigen Tag verbringen durfte. Welch ein Glück, dass mich diese handgemachte und ehrliche Musik geprägt hat und der ungenießbare Kelch der vom Unrat verwässerten Bohl-Tüten-Suppe an mir vorüber gegangen ist.

Herzlichen Dank, lieber BARRY und ebenso herzlichen Glückwunsch zum heutigen 65. Ehrentag – please „stay alive“ and „don’t forget to remember“ then „you’ll win again”.

P.S.: Übrigens haben sich auch die Herren Puhdys gern bei den Brüdern Gibb bedient und "Spick And Specks" in "Wenn ein Mensch lebt" umbenannt.

Angefügte Bilder:
01 Bee Gees Single.jpg
02 Gibb - Brüder.jpg
03 First Of May.jpg
04 Gibb, Barry.jpg
05 Bee Gees Single.jpg
06 Barry Gibb.jpg
zuletzt bearbeitet 02.09.2011 07:30 | nach oben springen

#2

RE: BARRY GIBB von den Bee Gees zum 60. Geburtstag

in Off-Topic 01.09.2011 18:09
von Fränki | 4.923 Beiträge | 9811 Punkte

Hartmut , Hut ab zu Deinen Bericht von Barry Gibb zum 60. Geburtstag.
An den Bee Gees kam doch keiner so wirklich vorbei , bei der DISCO Welle in den 70`er Jahren.
Toller Bildanhang am Ende super


MEIN LEBEN IST MAL SO UND MAL SO und wenn es mal nich so lief sag ich mir NOCHMAL
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#3

RE: BARRY GIBB von den Bee Gees zum 60. Geburtstag

in Off-Topic 01.09.2011 18:39
von Gelöschtes Mitglied
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Oh,das wußte ich zum Beispiel nicht,das sich die Puhdys auch bei den Bee Gees bedient haben!
Danke für die Info ,lieber Hartmut!
Da sieht man mal wieder,das Forum bildet!
Und als Frau muß ich sagen,Barry war doch noch der attraktivste von den Brüdern!
Natürlich hab ich die Musik auch gerne gehört!

zuletzt bearbeitet 01.09.2011 18:41 | nach oben springen

#4

RE: BARRY GIBB von den Bee Gees zum 60. Geburtstag

in Off-Topic 01.09.2011 19:50
von Bernd (gelöscht)
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BEE GEES - das australische Trio, von dem leider nur noch ein Duo am Leben ist. Wenn man liest, daß Maurice bereits 2003 von uns ging, kommt es mir vor, als wäre es gestern erst gewesen.
Ja, in den 70-ern ging es nach den "ruhigeren" Songs mal richtig im Diskosound ab. Und eben auch die PUHDYS haben sich dieser Musik bedient.

Alles Gute, Barry !

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