#1

AufSturz 0.5 am 08.09.12 bei "Querformat" e.V. Dresden

in Konzertberichte Ostrock allgemein 10.09.2012 20:37
von Kundi (gelöscht)
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Seit ich in diesem Forum mein Unwesen treibe, taucht immer wieder mal die Band AufSturz (www.aufsturz-die-band.de) aus Magdeburg hier auf. Das war so, das ist so und das wird wohl auch, solange ich hier schreibe, so bleiben Auch wenn diese Kapelle vom Admin. sicher nicht das Prädikat "Topact der Menschheit" verliehen bekommt, für mich ist AufSturz eine ganz, ganz wichtige Band. Die Jungs spielen eigene Titel mit sehr tiefsinnigen Texten und sie covern live auch noch ausgiebig Gerhard GUNDERMANN sowie ausgewählte Lieder von Keimzeit, Rio Reiser, Stoppok und anderen.
Inzwischen haben auch andere Mitglieder unserer Foren-Gemeinde AufSturz für sich entdeckt, das macht mich schon ein wenig stolz.

Auch über die engagierten Leute um Manuela und Lutz Stein vom Dresdner Verein "Querformat" (www.prohlis-online.de/querformat/index.htm) habe ich mich im Forum schon ausführlich ausgelassen.

Am vergangenen Sonnabend spielten die AufSturz'ler Marko Schmidt und Uwe "Vize" Reibold wieder mal in Dresden. Praktischerweise kann man diese Kleinbesetzung auch AufSturz light oder AufSturz 0.5 (die komplette Band besteht ja aus 4 Leuten) nennen. Das Konzert wurde vom Verein "Querformat" ausgerichtet.

Demnächst werde ich sicher etwas ausführlicher berichten.

Hörproben von AufSturz gibt es bei you tube oder hier: Klick mich


Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
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zuletzt bearbeitet 10.09.2012 21:05 | nach oben springen

#2

RE: AufSturz 0.5 am 08.09.12 bei "Querformat" e.V. Dresden

in Konzertberichte Ostrock allgemein 12.09.2012 21:24
von wir 2 (gelöscht)
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Es war ein sehr schöner Abend mit AufSturz 0,5 in Dresden

Angefügte Bilder:
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#3

RE: AufSturz 0.5 am 08.09.12 bei "Querformat" e.V. Dresden

in Konzertberichte Ostrock allgemein 12.09.2012 21:30
von Kundi (gelöscht)
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Nein, ich werde heute keinen ausgefeilten Konzert-Roman schreiben. Dazu bin ich momentan zeitlich und mental nicht in der Lage. Schließlich habe ich auch noch ein ganz normales berufliches und privates Leben mit allen Facetten wie Terminen, Sorgen, Nöten, Freude und Leid. Aber ein paar Sätze möchte ich trotzdem zum Konzert und vor allem dem Drumherum schreiben, weil ich mir auch vielleicht etwas Frust und Wut von der Seele schreiben möchte. Es geht um den Querformat e.V. Dresden, einem Selbsthilfeverein für sozial und finanziell Benachteiligte in Dresden-Prohlis und ich halte es für sehr wichtig, diesen Verein und seine aktuellen Probleme in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken Ich möchte jetzt aber auch nicht beim "Ur-Schleim" anfangen und deshalb verweise ich mal auf einen Beitrag, den ich am 08.09.2011 um 21.31 Uhr anlässlich eines Soli-Konzertes für Querformat e.V. schrieb oder besser gesagt ich zitiere mich jetzt einfach mal selbst. Klickt dazu bitte den Spoiler an:

Zitat
Eigentlich bin ich ein friedvoller und harmoniebedürftiger Mensch, aber manchmal platzt auch mir die Hutschnur, kalte Wut steigt in mir auf und dann muss ich mich irgendwo auskotzen. Das wird in diesem Konzertbericht gleich geschehen. Deshalb stelle ich zunächst eine Warnung an den Anfang meiner heutigen Ausführungen: wer nichts von meinen Gedanken zu sozialen Brennpunkten, Hartz IV, Niedriglöhnen, Rettungsschirmen und anderen Problemen wissen möchte, sollte die nachfolgenden Zeilen also nicht lesen. Ich kann einfach nicht nur über Friede, Freude, Eierkuchen schreiben, wenn es mich innerlich zerfetzt.

Ich fuhr also am vergangenen Sonnabend zu einem Konzert nach Dresden-Prohlis. Das tat ich in der Vergangenheit schon öfter und ich habe hier auch von den verschiedenen Muggen sowie von den veranstaltenden Vereinen und deren engagierten Bürgern berichtet.
In den Plattenbauten von Prohlis wohnen viele Menschen, die nicht auf der Sonnenseite leben. Der Anteil an Arbeitslosen(über 20 %) und Hartz IV-Empfängern (über 30 % der Einwohner) ist im Vergleich zu anderen Stadtteilen der sächsischen Landeshauptstadt überdurchschnittlich hoch. Diese Zahlen machen betroffen Wer es sich leisten kann, zieht weg aus Prohlis. Auf Grund der preiswerteren Mieten für Wohnraum bleiben die einkommensschwachen Mitmenschen zurück und dieses Wohngebiet wird in der Gegenwart als sozialer Brennpunkt eingestuft. Mitte der 80er Jahre lebten hier fast 30000 Menschen. Heute wohnen weniger als 15000 Leute in diesem Stadtteil. Davon sind mehr als ein Drittel Rentner.

In unserem Grundgesetz kann man nachlesen, dass die Würde des Menschen unantastbar ist(Artikel 1 Absatz 1) und dass sich das deutsche Volk auch zu den Menschenrechten bekennt (Artikel 1 Absatz 2). Auch das Sozialstaatsprinzip ist im Grundgesetz (Artikel 20 Absatz 1 sozialer Bundesstaat) festgeschrieben. Bei der Hartz IV-Gesetzgebung und ihrer Anwendung habe ich da so meine persönlichen Zweifel. Die Menschen werden meiner bescheidenen Meinung nach diskriminiert, entwürdigt, und vom gesellschaftlichen Leben nahezu ausgeschlossen. Das Allerschlimmste daran ist, dass auch noch Kinder von Hartz IV betroffen sind. Was hat die ganze "Hartzerei" gebracht? Man hat einen Keil in die Bevölkerung getrieben und den sozialen Frieden gefährdet in dem man eine Neiddebatte zwischen Arbeitnehmern und Leistungsempfängern entfachte. Es wurde nichts erreicht, außer dass der Niedriglohn-Sektor und geringfügige Beschäftigungsverhältnisse ansteigen. Das allgemeine Lohngefüge sinkt und viele Geringverdiener leben in ständiger Angst auch das Wenige noch zu verlieren. Wer davon profitiert dürfte klar sein. Die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander. Da werden in Berlin von der Politik komfortable Rettungsschirme für Banken und den Euro geknüpft, doch die bedürftigen Menschen unserer Gesellschaft lässt man an einem höchst unzureichenden, mehrfach notdürftig geflickten Fallschirm fast ungebremst ins soziale Loch fallen. Da könnte ich schon kotzen.

Ich hole heute gedanklich mal weiter aus und trotzdem weiche ich gar nicht mal so weit vom Thema ab, denn die von mir besuchte Veranstaltung war ein Soli-Konzert für den Verein Querformat e.V., einem Selbsthilfeverein für sozial und finanziell Benachteiligte.
Prohlis mag zwar ein sozialer Brennpunkt sein, aber es gibt dort eben auch die Menschen, die die Schnauze voll davon haben alles klag- und tatenlos hinzunehmen oder nur an sich selbst zu denken. Es sind zum großen Teil Leute, die selbst von Billigjobs, Arbeitsplatzverlust, Hartz IV und damit im Zusammenhang stehenden Problemen betroffen sind oder waren. Trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer eigenen Erfahrungen haben sie für sich und andere Betroffene durch die Vereinsarbeit Wege aus der Einsamkeit, der Hoffnungslosigkeit sowie Isolation durch Armut und/oder Krankheit gesucht und gefunden. Manche dieser Frauen und Männer hatten vorher kein Selbstvertrauen und keinen Lebensmut mehr. Sie hatten mit sich und der Umwelt abgeschlossen. Im Verein konnten sie sich gegenseitig Kraft geben und voneinander lernen. Manches heutige Hilfsangebot der Vereinsleute klingt für Außenstehende sicher sehr unspektakulär, aber für Betroffene und Hilfesuchende ist ein Beratungsgespräch oder die Begleitung zu Ämtern und Behörden vielleicht der letzte Rettungsanker oder der erste Schritt zurück in ein menschenwürdiges Leben. Die Hilfs- und Unterstützungsangebote von Querformat e.V. wurden und werden ständig erweitert. Sie reichen von der Vermittlung gemeinnütziger Ehrenamtstätigkeiten, über Hilfe bei der alternativen Berufswegeplaung, über Breitensportangebote bis hin zu Entspannungs- Motivations- oder Kommunikationstrainings. Auch soziokulturelle Veranstaltungen werden angeboten, um Rückzugs- und Isolationstendenzen entgegenzuwirken. Über den Kunst- und Kulturverein IDEE 01239 e.V. habe ich in der Vergangenheit
schon berichtet. Beide Vereine arbeiten sehr gut zusammen, organisieren gemeinsame Veranstaltungen und nutzen im Stadtteilforum auch gemeinsame Räume. Sie verstehen sich nicht als konkurrierende Vereine sondern als Partner. Für mich als Außenstehenden sind die Übergänge fließend.

Querformat e.V. geht aktiv in die Öffentlichkeit. Beispielsweise gibt es ein Beratungsbüro, Mietertreffs sowie Kaffee- und Selbsthilfetreffs. Jeden Donnerstag wird auch ein Sozialmenue gekocht und für einen symbolischen Euro angeboten. Für manchen Bedürftigen ist das die einzige ordentliche Mittagsmahlzeit. Das Logo von Querformat ist der StehaufMensch, eine Anlehnung an das Stehaufmännchen aus der Kinderzeit. Ich denke, dieses Sinnbild vom immer wieder Aufstehen und sich nicht Unterkriegen lassen ist zugleich Programm. Übrigens war auch das Solidaritätskonzert für mich so ein Zeichen. Dem Verein wurden von der Stadt notwendige finanzielle Mittel nicht gewährt bzw. wurden diese gekürzt, aber die Leute steckten den Kopf nicht in den Sand, sondern sie suchten einen alternativen Weg. Statt eines geplanten Festivals mit acht lokalen Bands führten sie nun dieses Benefizkonzert durch. Muss ich an dieser Stelle eigentlich betonen, dass ich der Meinung bin, dass die Stadtoberen in dieser Angelegenheit in meinen Augen gänzlich versagt haben? So einem Verein kürzt man doch nicht die Geldmittel, sondern unterstützt diesen doch lieber zum Vorteil für die Stadt und für die Menschen. Wenn das Geld knapp ist, kauft man die neue Büroeinrichtung inklusive Ledercouch für den Amtsleiter X. oder den neuen Dienstwagen für den Bürgermeister Y. eben ein Jahr später und dann ein paar Nummern kleiner ein.

Bei nächster Gelegenheit klopfen diese Leute sich in der Öffentlichkeit selbst auf die Schulter, weil sie „klug“ Haushaltsmittel einsparen oder halten Sonntagsreden in denen sie mehr bürgerschaftliches Engagement und Eigeninitiative einfordern und selbstverständlich ihre Unterstützung dabei anbieten. Bei so vielen Worthülsen und heißer Luft bekomme ich dann regelmäßig wieder Brechreiz. Mich macht so was richtig wütend, wenn Entscheidungsträger der Verwaltung Menschen und Vereinen, die sich im Interesse der Gesellschaft für ihre Mitmenschen ehrenamtlich engagieren die finanziellen Mittel kürzen oder streichen. Meiner Meinung nach ist Steuergeld nämlich gerade in diesen Bereichen sinnvoll und richtig angelegt. Ich wollte euch mit diesen Zeilen ganz gewiss nicht langweilen, aber wenn ich über ein Solidaritätskonzert berichte, gehören meiner Meinung die Hintergründe dazu. Schließlich leben wir nicht im luftleeren Raum, sondern sind alle Teil dieser Gesellschaft. Außerdem war ich das nach meinem Gefühl den handelnden Personen wie Manuela, Lutz, Alina oder Conny und all den anderen Helfern des Vereins, den teilnehmenden Musikern und nicht zuletzt mir selbst bzw. meinem Seelenfrieden irgendwie schuldig.



Das schrieb ich also vor einem Jahr und wie sieht es heute aus? Auf keinen Fall besser, denn Querformat ist im Frühsommer auch noch unverschuldet obdachlos geworden, das heißt konkret, dass der Verein derzeit auch über keinerlei Vereinsräume verfügt. Die GAGFAH Group stellt dem Verein jetzt eine renovierungsbedürftige 3-Raum-Ladeneinheit in Prohlis auf dem Wege des Sponsorings zur Verfügung. Der Verein möchte die Räume in Eigenregie vorrichten, benötigt aber auch dazu Geld. Ebenso sind die monatlichen Betriebskosten in Höhe von 215 Euro noch aufzutreiben. Hilfe aus Politik und Verwaltung ist nicht in Aussicht. Die genaue Situation könnt ihr auf der Webseite www.querformat-dresden.de >>>> News>>>> Konzept Kontaktzentrum Querformat e.V. (26.08.2012) nachlesen.

Das muss man sich mal vorstellen, in der Landeshauptstadt Dresden ist für allerlei Firlefanz Geld da und wird mit vollen Händen ausgegeben (siehe der beabsichtigte Neubau des Konzertgebäudes an Stelle des Kulturpalastes), aber für diesen Verein sind von der Stadt nicht mal 215 Euro im Monat drin um die Betriebskosten zu decken. Mich macht das unsagbar wütend!! Aber die Mannschaft um Manuela und Lutz Stein lässt sich nicht unterkriegen und das imponiert mir mächtig. Die Leute werfen die Flinte nicht ins Kornfeld, sondern kämpfen weiter. DAS nenne ich bürgerschaftliches Engagement und sich für die Mitmenschen in den Dienst einer Sache zu stellen Davon sich können die ganzen Entscheidungsträger der öffentlichen Verwaltung der Landeshauptstadt Dresden und die tatenlosen Politiker mehr als eine Scheibe abschneiden.

Dieses Konzert am 08.09.2012 war also auch mehr als "nur" ein normales Konzert. Es war auch ein Zeichen, dass der Verein "Querformat" weiterhin aktiv für die Menschen in Prohlis tätig ist. Das Stehaufmännchen ist nicht umsonst oder zufällig das Logo des Vereins.

Auch die Musiker von AufSturz haben schon lange ihr Herz für Querformat und seine rührigen Akteure entdeckt und unterstützen den Verein seit Jahren mit ihren MItteln. Den Jungs geht es nicht ums große Geld. Auch diesmal verzichteten sie auf eine Gage. Die Konzertbesucher sammelten aber unter sich freiwillig Geld, damit die Musiker wenigstens die Fahrkosten ausgleichen konnten. Magdeburg liegt ja nun auch nicht gerade vor den Haustüren von Prohlis.

Marko Schmidt und Uwe "Vize" Reibold traten als Kleinbesetzung, auch AufSturz light oder AufSturz 0.5 genannt, auf. Die komplette Band besteht ja sonst aus 4 Leuten.


.---Fortsetzung mit ein paar Sätzen zur Mugge folgt----

zuletzt bearbeitet 12.09.2012 22:10 | nach oben springen

#4

RE: AufSturz 0.5 am 08.09.12 bei "Querformat" e.V. Dresden

in Konzertberichte Ostrock allgemein 13.09.2012 19:46
von Kundi (gelöscht)
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Mit dem leisen "Brigitta" von Gerhard Gundermann eröffneten Vize und Marko den Abend. Sie spielten die vielen Menschen gar nicht bekannte längere Version des Liedes
Es ist trotzdem ein kurzes Lied, dass kaum 2 und eine halbe Minute dauert. Was Gundi in diesen kurzen Text Anfang der neunziger Jahre alles beschrieb und verarbeitete, bietet aber eigentlich Stoff für mehrere Stunden intensiven Nachdenkens. Brigitta war ein Tagebau, der damals geschlossen wurde, als die Deutschen sich anschickten wieder ein Land zu werden. Das waren schmerzhafte Zeiten, nicht nur für die Bergleute in der Lausitz. Der Freudentaumel der Vereingung beider deutscher Staaten war gerade abgeebbt und die Menschen erlebten den Wandel nun an ihren Werkbänken, Drehmaschinen oder an ihrem Tagebaubagger. Reihenweise wurden Großbetriebe geschlossen, ganze Kombinate wurden zerschlagen in denen bis dahin tausende Menschen arbeiteten. Millionen Menschen mussten sich umorientieren. Insofern entfaltet das Lied auch einen gewissen Symbolcharakter und das ohne irgendwelche Belehrungen, Schuldzuweisungen oder große Worthülsen. "Brigitta" geht deshalb sicher nicht nur mir unter die Haut.
Gundi beschrieb da einfach nur mit ein paar bildreichen Worten, was er während dieser Zeit als Bergmann fühlte:

"Ich wurde Bergmann wie mein Vater und fuhr ein,
aber mein Sohn wird hier kein Bergmann mehr sein.
Die Gleise rosten und das Förderband ist leer,
die braune Kohle von hier will jetzt keiner mehr.

Ich war 'n Bergmann, weiter hab' ich nüscht gelernt.
Ich hab' dieses Land in jedem Winter treu gewärmt.
Die Lunge ist wie 'n Sack mit Kohlebrocken voll,
im Herzen Asche in den Adern Alkohol.
Ach meine Grube Brigitta ist pleite
und die letzte Schicht lang schon verkauft.
Und mein Bagger, der stirbt in der Heide
und das Erdbeben hört endlich auf.

Ich war 'n Bergmann, langsam geh ich durchs Revier.
Die Frau will wegzieh'n, aber ich bin angebunden hier:
Gehör dazu wie auf 'm Fensterbrett der Staub,
ein jeder Baum trägt meinen Steckbrief unterm Laub."

Die letzten drei Zeilen kann man sicher auch auf viele Einwohner von Plattenbau-Wohnvierteln wie Berlin-Marzahn, Bautzen-Gesundbrunnen oder Dresden-Prohlis übertragen. Diese Betonklötze sind ihnen trotz ihrer Unattraktivität zur Heimat geworden. Mancheiner, ich auch, braucht seine Heimat, wenn er sich wohlfühlen möchte. Mit diesen Zeilen sind wir wieder in der heutigen Zeit angekommen und bei den aktuellen Problemen von "Querformat" e.V., denn nach diesem Lied begrüßte Manuela Stein die Gäste und erläuterte ihnen auch die derzeitige Lage des Vereins. Die Menschen hörten ihr sehr aufmerksam zu. Die Rede war kurz, aber knackig und für die nächsten Stunden wünschte sie allen Beteiligten einen schönen Konzertabend.

Die beiden Herren von AufSturz 0.5 durften nun richtig loslegen und sie taten das mit den eigenen Liedern "Zu Hause" und "Der Clown". Ein Kennzeichen des Repertoire's der Band ist, dass die Songs sowohl von der "lauten" Rockband als auch akustisch und auch in kleiner Besetzung gespielt werden können. Alle diese Varianten haben ihren eigenen Reiz und selbst langjährige AufSturz-Fans werden immer wieder Neues dabei entdecken. An diesem Abend kamen als Instrumente also nur Akustikgitarren und Mundharmonikas zum Einsatz. Beim Sologesang wechselten sich Marko und Vize ab. Die Jungs trugen insgesamt 27 Titel vor. Den Schwerpunkt bildeten natürlich ihre eigenen Lieder( es waren 9) und Lieder von Gerhard Gundermann (11). Inhaltlich und musikalisch liegen Gundi und Aufsturz ja auch gar nicht so weit auseinander. DIe Lieder sind alle durch die Bank weg sehr meodiebetont und haben, zumindest für mich, zu sehr großen Teilen Ohrwurm-Charaker. Die Texte sind aus dem Leben gegriffen. AUßerdem sind sie reich an sprachlichen Bildern und Methaphern.
Aber, wie versprochen möchte ich mich dieses mal etwas kurz fassen, um das Niveau nicht zu gefährden. Deshalb beschränke ich mich jetzt mehr auf Fakten.
Marko Schmidt interpretierte als Sänger Gundermann's "Kämpfen wie Männer", "Engel über den Revier", "Brunhilde" und der " 7. Samurai". Außerdem sang er "Halt mich " von AufSturz. Dass er bei "Singapur" von Keimzeit als Sänger fungierte, war für mich doppelter Grund zur Freude. Ich mag das Lied nämlich sehr und außerdem blieb mir von den Keimi's so "Kling Klang" erspart". Herzlich lachen konnten die Zuhörer als er "Der Wellensittich"(von Angela Merkel) sang. . Der bissige Humor der Monsters of Liedermaching ist ja auch einfach göttlich.

Uwe "Vize" Reibold hat natürlich fast alle AufSturz-Lieder gesungen. Sie stammen ja auch meist aus seiner Feder. "Wo ist dein Rock'n Roll" und "Weiter" waren davon die neuesten Stücke. Natürlich fehlten auch die Klassiker wie "Mein Weg", "Irgendwann", "AufSturz" und "Hände weg nicht". Unter anderem gingen Gundi's "War dein Freund", Steinland" und "Alle oder keiner" auch noch auf Vize's Konto.

Bei "Owehoweh" wurde auch das Publikum als Chor kräftig gefordert. Traumhaft fand ich auch noch Stoppok's "Aus dem Beton" und für "Komm doch mit" von Amor & und die Kids bekommen die AufSturz'ler von mir aus Prinzip die Höchstnote. Was nach meiner Meinung gar nicht ging war "Tür an Tür mir Alice". Den Schinken hätten sie ruhig weglassen und dafür lieber Rio's "Junimond" spielen dürfen. Die allerletzte Zugabe war dann das "Gänselieschen" von Renft.

Noch ein Tipp für unsere Nordlichter: Die komplette Band AufSturz spielt am 16.11.2012 in Hagenow, alte Synagoge


Gruß Kundi

Angefügte Bilder:
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zuletzt bearbeitet 13.09.2012 21:28 | nach oben springen


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