Gegen 14.30 Uhr setzte sich mein Opel erstmal in Richtung Dresden in Bewegung. Es herrschte Schneeregen und Nebel. In Dresden holte ich meinen Stiefsohn Rico ab. Auf ging’s nach Leipzig und das Wetter wurde langsam niederschlagsärmer.
Viel zu früh angekommen „genossen“ wir noch ein „Dinner“ in der letzten, vor der, zu Recht Abriss bedrohten Spelunke in der Nähe des Konzerthauses. In diesem ASIA - Imbiss, bestand Rauchverbot – komisch, dass die gesamte Bude BLAU war und das nicht nur vom Rauch sondern auch von Alkohol und wir die trinkende Bevölkerung nicht mehr verstanden haben (die sprachen alle komisches „ausländisch“) und das gg.18.00 Uhr!!! Wir spulten unsere Nudeln und das Bier rein und dann „nix wie weg hier“, als uns noch einer ein Gespräch über Fußball aufdrängen wollte. Da waren wir schon weg.
Nach zwei Jahren Wartezeit, war es endlich gestern soweit; meine liebgewonnenen Mannen von RUNRIG (Runrig (schottisch-gälisch: raon ruith), bedeutet wörtlich eine Reihe (run) von Ackerstreifen (rig), meint aber das System der Landnutzung, wie es in den Highlands praktiziert wurde – Quelle wikipedia) gaben sich in Leipzig im sehr beeindruckenden Haus Auensee (das sich derzeit im Umbau befindet) die Ehre.
Eigentlich wollte ich den Bericht mit Fotos anreichern, jedoch hatte die Security etwas gegen Spiegelreflexkameras, so dass sie Rico wieder ins Auto zurücktragen musste. Jeder andere durfte mit hochauflösenden Handys oder Digicams fotografieren. Naja.
Als Support spielte das Trio „The Chaplins“ Eine Mischung aus Swing, - Bar -und Folkmusik. Die Stimme der Sängerin erinnerte mich ein wenig an Joan Beaz. Die Frontfrau eröffnete uns ihre Deutschkenntnisse, die aus „Ich habe einen Hund.“ und „Ich habe zwei Schwestern.“ bestanden. Kurze Zeit später kam noch eine leiseres „Guten Abend“, was vom Publikum sofort honoriert wurde. Wahrscheinlich haben sich Runrig das Trio aus ihren Lieblingspub zur Tour ausgeborgt. Während ihrer halbstündigen Performance spielten sie u.a. eine sehr eigene aber gelungene Coverversion des Michael Jackson Songs „The way you make me feel“ auf ihre ganz besondere Art und Weise.
Leider wurden sie während ihres Auftrittes von dem Tontechniker sehr stiefmütterlich behandelt.
Dafür hatten sie wenigstens zwei Schwestern und einen Hund.
Nach weitern 30 min. Umbaupause begann die Show.
Los ging es mit „Stamping Groud“ Ich war kurz irritiert; sind meine Bildschirmhelden jetzt real oder virtuell?
Auffallend war die sparsame Lichtshow (dafür sehr effektiv) unterstützt von einer beeindruckenden Rückwandprojektion.
Soundtechnisch gab es leider erst mal kaum Verbesserungen, die Bassgitarre (Rory MacDonald) und Bassdrum „matschten“ und vom Percussionisten (Calum MacDonald) war fast nichts zu hören.
Bruce Guthro kam mit einer Körperhaltung auf die Bühne, die aussagte: „Jetzt muss ich schon wieder arbeiten…“, leider spiegelte das auch sein Gesicht wieder – das sollte sich aber im Laufe des Abends ändern.
Eine nette Geste des Publikums war bei „Ocean Road“ Luftballons aufzublasen und durch die Massen zu stupsen. Manchmal hatten wir eh das Gefühl, als RUNRIGGER Neulinge etwas neben der Spur zu liegen: das äußerte sich z.B. darin, dass die Massen einfach angefangen haben rhythmisch mitzuklatschen oder exakt mitzusingen und wir standen doof, wie hundert Meter Feldweg daneben.
Ich weiß nicht, woran es lag, nach dem dritten Titel funktionierte auf einmal alles.
Bruce war gut drauf, machte Witze in den Ansagen und der Sound wurde hörbar besser, wenn auch noch nicht perfekt und bei der Band kam Spielfreude auf.
Ein paar Songs später konnte der Keyboarder Brian Hurren mit seiner sehr gefühlvollen Ballade „The Greatest Flame“ die ca. 2000 Anwesenden begeistern.
Danach stellte Bruce wieder klar, wer hier der Chef im Saal war.
Plötzlich bohrten sich vier Töne in mein Ohr, die mich zu Aufschrei bewegten und meine Arme wild um mich fuchteln ließen, das Intro zu „May Morning“ (der Rest des Saales brauchte etwas länger), der „May Morning“ begann. (Es ist DER Titel, den ich als erstes hörte und in den ich mich sofort verliebte und den ich später selbst gecovert habe).
Der Gitarrist, Malcolm Jones, er spielte ausschließlich Fender Stratocaster und hat seinen eigenen Stil das Soundgefüge zu komplettieren. Für mich war auffallend, dass er die Solos fast nur mit dem Halstonabnehmer spielt, unterstützt vom „Wimmerhebel“, so dass es schön „warm und geschmeidig“ klingt. Mir hätte etwas mehr Biss besser gefallen. Dabei nimmt er eine leicht schräg nach hinten gebeugte Körperhaltung ein und spielt mit geschlossenen Augen. Er und seine Gitarre(n) verschmelzen zu einem Ganzen.
Ich erspare mir hier die Setlist abzutippen, die kann jeder googeln, der es möchte. Sie variierte eh gegenüber den Angaben, die ich vorab in diversen Foren gelesen habe. That’s live!
Insgesamt wurden meine Erwartungen an das Konzert (musikalisch) voll erfüllt, leider bleibt der Wermutstropfen der unzureichenden Klangeinstellung im Hirn kleben.
Für mich gab es dann doch noch ein Highlight, den Zugabenteil! Bei „Loch Lomand“ wollten die Zuhörer gar nicht aufhören zu singen, so dass es die die Band mit einem Akkord beenden musste.
Das letzte Lied „We will sing“ begleitete uns bis nach Haus und ist mir immer noch im Ohr.
Danke RUNRIG für diesen wunderbaren Abend, ich denke, wir sehen uns wieder.