#1

Einer der besonderen Abende in meinem Leben

in Off-Topic 18.03.2009 21:02
von Wodka (gelöscht)
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Wenn man älter wird, nun Einiges verschwindet da in den unerforschten Abgründen der Masse im Kopf die als Gehirn bezeichnet wird. Echt man kann sich an manches nicht mehr so erinnern ....

So geht es mir auch mit den „Helden“ meiner Jugend, nicht denen aus dem Osten, das waren wohl zu wenig, aber mit den anderen, damals sagte man wohl aus dem nichtsozialistischen Währungsgebiet. Betroffen davon war auch eine Gruppe, die war tatsächlich aus der Erinnerung.

Wie ich nun vor einiger Zeit mal wieder schaue was es so im Colos Saal in Aschaffenburg gibt fiel mir ein Namen in die Augen, Mensch die kennst Du doch ... Also erst einmal die Musiksammlung durchwühlt, oh 29 LP/CD haste von denen, laut offizieller Discografie alle!? Da habe ich mich dann doch gewundert und erste Erinnerungen kamen wieder. Nazareth!

Seit Sonntag ging es mir im Kopf herum, wird die Gesundheit mitspielen Dir am Dienstag, also mitten in der Woche nach einem harten Tag im Büro, das anhören zu können? Und der Dienstag kam und es ging mir mal wieder, na sagen wir, nicht so gut. Trotzdem fuhr ich eine Stunde eher vom Büro nach Hause und hörte noch ein wenig Musik. Und dann stand es fest, Kluft an, natürlich eines der 5 existierenden Fissler-Leibchen angezogen, Reini hätte das sicher auch gern erlebt, noch einen Schluck aus der Flasche und los zum Colos-Saal.

Für Vorkasse 22 Euro, Abendkasse 25 Euro sollte ich hier also die wohl bekannteste Gruppe Schottlands, na vielleicht neben den Simple Minds, erleben. Also bezog ich meinen Stammplatz unmittelbar an der Theke. Nach einiger Zeit ging es aber los mit den Schmerzen und ich fragte mich, was machst du eigentlich hier ... Und genau da erschien neben mir einer, der reckte 10 Finger in die Luft, bekam daraufhin 10 Bügelflaschen des guten Schlappeseppel und verschwand glücklich hinter der Bühne. Da wusste ich, ich bin richtig ...

20.15 Uhr liefen dann ein paar Herren an mir vorbei und ich begann einzuordnen: Dan McCafferty, der legendäre Sänger schritt voran, dann folgte Bassist Pete Agnew, die beiden Gründungsmitglieder aus dem Jahr 1968. Danach kam der Sohn von Pete Lee Agnew, der heute am Schlagzeug sitzt und Jimmy Murrison, der Gittarist. Und von der Bühne klangen schottische Dudelsacktöne ... Und dann ging ein wahres Feuerwerk los! Unglaublich McCaffertys Stimme hat nichts von seiner Faszination verloren. Und so folgte Titel auf Titel ... Ich habe einmal gehört, die Spielfreude einer Gruppe erkennt man am besten am Basser ... Der machte echt Stimmung, und Dan und Pete versuchten auch immer wieder das Publikum einzubeziehen, das man im Colos da nicht lange bitten muss.

Ja und dann kam für mich ein Aha-Erlebnis der besonderen Art! Es wurde einmal berichtet, das bei einem von der Popgeneration hoch bejubeltem Konzert dem Möchte-gern-Ich-Bin-der-Grösste eine Gitarrensaite riss und er mehr als hilflos herumstand und nicht so recht wusste, was man da wohl macht! Genau das passierte da auf der Bühne Pete Agnew und nun zeigte sich wahre Professionalität. Der Titel wurde leicht verkürzt zu Ende gespielt, das Licht auf der Bühne ging aus, die Musiker verschwanden ... Von meinem Platz aus konnte ich sehen, wie ein Techniker einen anderen Bass kurz nach stimmte, ich dachte, da kannst Du Dir ja in Ruhe ein Bierchen zapfen lassen .... Aber ich hatte kaum dem Mann hinter der Theke ein entsprechendes Zeichen gemacht, waren es 2, 3 Minuten?, da erschienen die Herren wieder auf der Bühne, Pete lies sich den neuen Bass anlegen, das Licht ging an und es ging weiter im bunten Reigen der Titel. Ich konnte sehen, wie der Techniker eine neue Saite aufzog, den Bass neu stimmte und bereits beim nächsten Titel hatte Pete sein angestammtes Instrument wieder. Kurz 3 Läufe Probe und weiter ging es, als ob nichts gewesen sei ...

Inzwischen hatte ich mir am Einlass meinen Barhocker geholt, ich konnte nicht mehr stehen, und nun im hocken konnte ich das Ganze noch etwas entspannter auf mich wirken lassen. Aber leider, der schönste Abend geht einmal zu Ende, und so auch dieser. Noch stark beeinflusst von der Leistung dieser teilweise doch schon älteren Herren hatte ich noch die Gelegenheit, wenn jemand von der Bühne in die Garderobe will muss er genau an diesem, meinem Stammplatz vorbei, ihnen einen extra Beifall zu spenden und Dan und Pete dankbar die Hand zu drücken. Dann verlies ich das Colos und ging trunken, aber nicht vom Bier, nein von der Musik, nach Hause.


Hans
den sie Wodka nennen



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#2

RE: Einer der besonderen Abende in meinem Leben

in Off-Topic 19.03.2009 08:08
von Lissi (gelöscht)
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Danke Wodka für Deine immer wieder lesenswerten Eindrücke. Ehrlich gesagt ich bin ein bissel neidisch, hätte ich auch gerne gesehen...

LG lissi

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#3

RE: Einer der besonderen Abende in meinem Leben

in Off-Topic 19.03.2009 09:02
von Sonny | 1.740 Beiträge | 2031 Punkte

Ohja, Wodka, ich ahne, wie Dir zumute war und ist, auch wenn ich Nazareth nicht kenne.
Ich gratuliere Dir zum Finden der Sammlung. Davon würde ich gern mal was hören.
Deine Worte machen mich besinnlich.
Das ist der andre Wodka, der da seine Befindlichkeiten aufschrieb, der, den ich lieber mag.
Liebe GRüße von Sonny


*
Doch die Zeiten ändern sich. Ob wirs mögen oder nicht. Alles hat seine Zeit.

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#4

RE: Einer der besonderen Abende in meinem Leben

in Off-Topic 19.03.2009 11:15
von Mary (gelöscht)
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Zwei Herren hier im Forum sind immer auf der Suche nach dem "Besonderen" im doch sehr zahlreichen Musikangebot...
HH aus EE, der unermütliche Schreiber und wunderbare Berichterstatter und... Wodka.
Nazareth ist so etwas Besonderes, vor allem für die "älteren Semester", zu denen ich mich ja auch zähle. Nicht einmal 20 Konzerte gibt die Band 2009 in Deutschland. Den Osten sparen sie in ihrem Tourprogramm völlig aus. Vielleicht sind sie sich nicht sicher, ob man sie hier kennt... Dabei wären sicher viele gespannt auf dieses Konzerterlebnis, mich eingeschlossen. Hoffen wir auf 2010...
Hans hatte das Glück, in Aschaffenburg dabei zu sein und lässt uns hier teilhaben an seinen Eindrücken. Danke Wodka.
Da seine Berichte eher Seltenheitswert haben, reihe ich mich ein in die Damenriege der "Bauchmiezler"..., wer weiß, vielleicht kann man dann wieder etwas mehr von ihm lesen...

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