Die Stiftung Konzerttest hatte mich in geheimer Mission losgeschickt, wieder mal ein Konzertereignis aus der Rubrik „Ostrock kostenlos, doch niemals umsonst“ zu testen.
Aber man kann noch so unschuldig tun, erwischt wird man immer, wie die Bilder von Martin beweisen.
Als Testobjekt hatte ich mir das Bergstadtfest in Freiberg ausgesucht und zwar das Abschlusskonzert auf dem Obermarkt. Nach dem die Kollegen in Freiberg die letzten zwei Jahre fast ostrockfrei so schlecht und recht über die Runden gekommen sind, besann man sich diesmal doch auf die „alten Werte“.
Die Tina und der Uwe haben ja schon schöne Eindrücke von Silbermond hier reingestellt.
Der Moderator sprach davon, dass am Sonnabend bei Silbermond 7000 Menschen da gewesen sind, wegen hoffnungsloser Überfüllung haben sie dann die Gassen zum Obermarkt abgeriegelt, wie im Radio zu hören war.
Auch am Sonntag war der wunderschöne Konzertplatz dicht gefüllt mit Menschenmassen.
Ich glaube Mittweida mit dem „Tag der Sachsen“ muss sich warm anziehen, wenn sie das toppen wollen.
Petra Zieger hatte ich nur als unvermeidliches Vorprogramm auf meinem privaten Programmzettel notiert.
Das erste Mal begann ich mich schon zu wundern, dass die Erste-Reihe – Fans schon drei Stunden vor Beginn dort anstanden. Sie waren unschwer als Petra Zieger Fans auszumachen.
Als Petra pünktlich um 19.30 Uhr die Bühne betrat, war der Platz schon ziemlich voll.
Ohne sich groß bei der Vorrede aufzuhalten, ging sie mit der Aufforderung „Nimm mich“ – mit der sie geschickt auf ihre neue CD hinwies, in die Offensive.
Des Abfackelns eines Minifeuerwerks hätte es gar nicht bedurft, die Frau ist schon explosiv genug.
Unglaublich aber wahr, von der ersten Minute an ging das Publikum in Freiberg begeistert mit.
Petra Zieger ist in den Medien wenig präsent, also muss der Wiedererkennungsfaktor schon immens sein. Die alten Hits, wie „Traumzeit“ und „Katzen bei Nacht“ wurden begeistert mitgesungen.
Am besten gefiel mir dann doch ihr alter Hit „Der Himmel schwieg“.
Auch die neuen Lieder wie „Nimm mich“ oder „Mitten durch die Stürme“ entpuppten sich als Ohrwürmer.
Die 50jährige mit einer Figur, von der manch 17jährige nur träumen kann, zeigt auf der Bühne ungeheure Ausstrahlung. Sie hat sicher eine Tanzausbildung und Kondition ohne Ende. Die Sprunghöhe ist fantastisch. Ich hätte nie geglaubt, dass sie eine derartige Show bieten kann und sich selbst so gekonnt in Szene setzt.
Wirklich überzeugt hat sie mich aber erst in dem Moment, wo sie direkt vor uns auf die Absperrung gestiegen ist und charmant mit dem Publikum geflirtet hat.
Für mich gehörte Petra Zieger eigentlich in die Schlagerkiste, zu der ich bekanntermaßen ein gestörtes Verhältnis habe.
Angekündigt wurde sie als Rock Lady, und ihre Band spielt auch schön rockig und sie gibt auch gekonnt die Rockerbraut.
Ist ja eigentlich auch egal, in welche Schublade sie gehört, die Freiberger hat sie jedenfalls begeistert. Was mir persönlich nicht so gefällt, sind die thematisch einseitigen und wenig anspruchsvollen Texte.
Vielleicht fällt ihr da mal in den nächsten Jahren was Besseres ein, denn die Frauen jenseits der 50 haben sicher noch viel Interessantes zu sagen.