Wenn einer in der Lausitz dem Volk aufs Maul geschaut hat und aus seinen Beobachtungen Lieder mit bildhaften Texten voller Poesie und Gedankenvielfalt geschaffen hat, war es Gundi.
Dabei legte er den Finger auch in so manche persönliche und / oder gesellschaftliche Wunde.
Zu recht galt und gilt Gundi als eine der wichtigsten Stimmen des Ostens.In seinen Liedern kann man sich wiederfinden, sie geben Stoff zum Nachdenken und sie geben auch Kraft für den Alltag. Von Gundi stammt auch das Zitat "Musik ist ein Bohrer. Du kannst damit Löcher machen in menschliche Herzen. Wo `n Loch ist, kann was rein. Oder raus." Auch in mein Herz hat er solche Löcher gebohrt, diese bleiben lebenslang unheilbar und das ist auch gut so.
Dabei führte Gundermann ein Leben auf der Überholspur, immer zwischen Familie, Tagebau(später Tischlerei) und der Musik pendelnd. Sein viel zu frühes Ende war für viele schmerzhaft und ein Schock. Das ist jetzt fast 12 Jahre her. Heute wäre Gerhard Rüdiger Gundermann 55 Jahre alt geworden und wir konnten gestern zünftig in Gundi’s Geburtstag reinfeiern.Der Verein Gundermanns Seilschaft e.V. veranstaltete zu diesem Zwecke mal wieder eine Gundermann – Party und das sogar noch in Hoyerswerda, der Stadt, die für mich untrennbar mit dem Namen Gerhard Gundermanns verbunden ist. Ich habe ja schon die eine oder andere dieser Partys in der Vergangenheit besucht und habe dabei immer erinnerungswürdige Abende erlebt.Den Weg zur KUFA finden Lissi und ich mittlerweile fast im Schlaf.Das war nicht immer so und jedesmal, wenn wir dorthin fahren, erinnern wir uns lächelnd an unsere erste nun schon ein paar Jahre zurückliegende Irrfahrt. In der KUFA herrschte schon ein reges Treiben. Aus dem Saal waren noch die letzten Töne des Soundchecks zu vernehmen. In einem anderen Raum waren seit 19.00 Uhr Dokumentarfilme zu sehen. Wie fast immer in Hoywoy trafen wir bei der Veranstaltung viele Freunde und Bekannte. Auch ein kurzes Willkommensgespräch mit dem von Petra „Basskletterer“ getauften Ex-Monokel - und jetzt Polkaholix – Bassisten Christoph Frenz war noch drin. Der Junge hatte sich extrafein gemacht und war kurz zuvor noch beim Friseur gewesen.Mit so einem pefekten Haarschnitt wäre ich früher bei meinem Hauptfeldwebel sicher das beste Beispiel für die gesamte Kompanie gewesen*g*;-). Nach und nach trafen auch Petra sowie unsere reisefreudige Erzgebirgs-Fraktion am Ort des Geschehens ein. Übrigens wurden wir bis zum Konzertbeginn dezent mit wirklich guter Musik(Wenzel, Rio, Silly, Paul Bartsch usw.) von der Konserve beschallt.
Kurz nach 21.00 Uhr kam ein langhaariger und bärtiger Typ auf die Bühne, schnappte seine Gitarre und legte gleich mit seinem Gundi – Programm „Lieder der Revolution“ los. Es handelte sich um Sebastian Bandt(ehemals Birr), der für mich bis dato ein unbeschriebenes Blatt war. Im weltweiten Netz war auch nicht so viel über ihn zu finden. Immerhin erfuhr ich, dass er bei dem Liederfestival Hoyschrecke mal Preisträger war.Wow, was für eine Stimme, dachte ich mir, als der Typ zu singen anfing. Ungefähr eine Stunde spielte und sang er Gundermann – Songs und würzte das Ganze auch noch mit Zitaten von Rosa Luxemburg bis Mao Tse – tung. Ein leichtes Grinsen schlich mir bei manchem Zitat schon ins Gesicht, aber der Junge hatte was.Er spielte die Lieder auch auf eine angenehme, eigene Weise. Ganz zaghaft begannen die Leute mitzusingen und zum Ende hin bei „Gras“ vereinten sich Sebastian Bandt und das Publikum zu einem besinnlichen Chor.Klar, dass der junge Mann nicht ohne Zugaben von der Bühne gelassen wurde. Den Schlusspunkt setzte er mit einem Lied aus eigener Feder. „Plastikherz“ hieß es und es zeichnete sich auch durch einen starken Text aus.
Nach einer kurzen Umbaupause wurden alle Hebel auf Polka gestellt und wer könnte das besser machen als die Spezialisten von Polkaholix.Die Konzerte der Band sind ja eigentlich Lebensfreude pur und es kam auch richtige Partystimmung auf. Vor der Bühne wurde eifrig mitgetanzt und egal ob das von Kraftwerk bekannte „Das Model“, der Spliff-Klassiker „Heut nacht“ oder Gundi’s „Kann dich nicht mehr leiden“ alles wurde im Polkatakt gespielt.Natürlich nimmt Polkaholix bei der Zelebrierung ihres Sounds auch Anleihen beim Ska, Punk oder der Weltmusik.Appropos Sound - der Sound, betreut von Techniker Pille, war den ganzen Abend über Spitze. Übrigens spielte die Band das erste Mal in Hoyerswerda. Es wird hoffentlich auch nicht das letzte Mal gewesen sein. Vor Begeisterung schlug nach wenigen Minuten sicher auch so manches Zuhörer - Herz im Polkatakt. Polkaholix lieferten nämlich eine erstklassige Show ab. Man braucht schon flinke Augen, wenn man davon viel mitbekommen will. Ständig ist Bewegung auf der Bühne und das ist ja auch kein Wunder, denn Polka ist ja Tanzmusik. Christoph Frenz spielt seinen Kontrabass auch schon mal im Publikum stehend, wobei auch Pyrofontänen aus dem Instrument entweichen. Genauso spektakulär ist die Aktion, der er den von Petra verliehenen neuen Spitznamen Basskletterer verdankt.Frontmann Andy Wieczorek bezeichnete ihn aber liebevoll als Pyromanen.
Die Bläserfraktion um Iven Hausmann und Andreas Hillmann sowie zeitweise Andy Wieczorek kam auch sehr druckvoll daher. Für das richtige Rock’n Roll – Gefühl sorgte der Mann an der E –Gitarre. Über Mario Ferraro große Worte zu verlieren, hieße Eulen nach Hoywoy zu tragen. Schon bei den legendären Wilderern, bei der Seilschaft oder bei Cäsars Spielern war der Mann für seine Künste bekannt.
Mir ist es gestern erst gar nicht so bewußt geworden, aber Andy erinnerte in einer Ansage daran, dass gerade 4 Musiker auf der Bühne stehen, die früher mit Gundi direkt in der Seilschaft und / oder bei den Wilderern gespielt haben. Neben Andy waren das Jo Meyer(Akkordeon), Mario Ferraro(Gitarre) und Christoph Frenz(Bass). Besinnliche zu Herzen gehende Worte fand der Herr Wiczorek dann zum Ableben der Ostmusiker Franz Bartzsch und Ines Paulke.Da Mitternacht bereits vorbei war, gab es auch noch einen Geburtstagsgruß in den Musikerhimmel für Gundi.
Bei den Zugaben machte Polkaholix noch mal richtig Dampf denn „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“. Ein denkwürdiger Abend neigte sich dem Ende zu und Polkaholix hat in Hoyerswerda sicher auch wieder neue Fans gefunden.Nach ein paar Unterhaltungen im Freundeskreis machten wir uns beschwingt auf den Heimweg.