#1

Ostern, Kulturbastion Torgau: HAMBURG BLUES BAND

in Off-Topic 04.04.2010 15:57
von HH aus EE (gelöscht)
avatar

HAMBURG BLUES BAND meets FARLOWE & CLEMPSON – Ostern 2010

Jawohl, ich hab’s noch einmal getan!
Ich gebe zu, ein Mal war mir nicht genug.

Wenn andere im Jahr mehrmals zu den PUHDYS fahren oder zu CITY rennen und es ihnen bei RENFT nie langweilig wird, dann darf ich mir die Musik einer HAMBURGER BLUES - Institution mit den Weltstars CHRIS FARLOWE und DAVE „CLEM“ CLEMPSON in ihren Reihen, auch ein zweites Mal antun. Außerdem ist ja Ostern und dies ist mein Geschenk an mich. Und mal nebenbei, wann steht man schon mal bei solchen Leuten auf einer Gästeliste ? Wieder was gelernt.

Torgau liegt quasi um die Ecke. Ich muss nicht mal nach Hamburg fahren oder gar nach London Town fliegen. Nach nur 45 Minuten fahre ich über die Brücke nach Torgau hinein und dann biege ich links ein. Dort ist sie, die Kulturbastion.

Vor dem Konzertbeginn sitze ich auf der Kante der kleinen, viel zu engen Bühne und sehe in den langen und engen Schlauch der BASTION, während so langsam die Besucher eintrudeln. Die Gedanken gehen zurück zu den beginnenden 60ern. So könnte es auch in den engen Liverpooler Klubs oder in Hamburg ausgesehen haben, als die Beat-Gruppen und Blues-Bands sich aufmachten, die Musikwelt umzukrempeln. Eine Stunde später, dann schon schwitzend und wippend vor der HAMBURG BLUES BAND, wird sich dieses Gefühl wieder einstellen.

Die Jungs um GERT LANGE spielen einen nahezu identischen Set wie in Finsterwalde Ende Februar. Nur kommt mir das alles diesmal viel grantiger und rotziger vor. Gert’s Gitarre peitscht den Blues und Boogie von der Bühne und neben ihm tobt Flinkefinger CLEM CLEMPSON bei „Rockin’ Chair“ und „Make My Day“ über die Gitarrensaiten.
CLEMPSON singt die leicht angeswingte Nummer „It Ain’t Right“, die mich auch irgendwie an die ALLMAN BROTHERS erinnert, und ADRIAN ASKEW kann zeigen, wie gut sein Tastenspiel dazu passt. In meinem Kopf macht’s CLICK, das klingt auch verdammt nach GREENSLADE. Da ist es wieder, dieses totale Abtauchen in den Sound, egal, was die anderen hinter mir denken mögen. Schließlich tragen wir alle ja nicht unser Alter als Rückennummer durch die Gegend. Ich lasse mich fallen, während mein Körper zu „Weird“ Bewegungen versucht, die ich schon längst vergessen glaubte. Anyway, for this night I got the blues again!

Nach der Pause dann der Mann, auf den die meisten gewartet hatten. Neben mir stehen zwei, die sind für „THE VOICE“ sogar von den Höhen des Vogtlandes zu uns Flachland - Jodlern herabgestiegen. Wo immer dieser Mann auf einer Bühne steht, ob mit der HAMBURG BLUES BAND oder mit COLOSSEUM, versuchen die beiden auch dabei zu sein. No comment, siehe oben!
CHRIS FARLOWE ist trotz seiner 70 (!) eine Erscheinung und ein Entertainer vor dem Herrn dazu. Er plaudert locker drauflos, macht Witze über Bier, über Ost und West und seinen unlängst gebrochenen Arm: „The best of all was the morphine injection I got!“

Der alte und weise Blues-Mann ist in allerbeste Laune und genau so rockt er seine Songs in den engen Schlauch der Bastion: „ Don't Wonna Sing The Blues“, „Easy As That“, „Shaky Ground“. Die Songs erzählen von der Liebe und aus FARLOWE’s bewegten Musikantenleben, von Jimi, Eric, Keith und den vielen „good days I got“. Dies ist einer, dem man jedes Wort glaubt. Da ist es wieder, das Erinnern und Fühlen wie einst. So nah war ich einem meiner Helden aus Jugendjahren nur selten.

Nur vom Spiel der Orgel begleitet singt FARLOWE einen seiner neueren Songs. Die einfühlsame Blues-Ballade „Don't Wonna Love You Anymore“ wird von ihm ganz leise zelebriert, in die Stille hinein, die hinter mir andächtig schweigt.
Doch dann kracht es noch einmal richtig, die Akkorde brettern gegen unsere Köpfe und die Meute singt lauthals mit bei „All Or Nothing“. Während ich die Augen schließe, meine ich den unvergessenen STEVE MARRIOTT vor mir zu hören. Der hatte auch diese Röhre, diese brachiale Urgewalt in der Stimme und den Blues in der Seele. Ganz genau wie FARLOWE.

In diesen Momenten bin ich einfach nur glücklich, spüre das Adrenalin in mir und vergesse diese bescheuerte deutsche Realität da draußen. So etwas kann nur Musik. Der Dame im offenen Bühnenausgang, deren Körper zuckt und tänzelt, scheint es ebenso zu gehen. Gemeinsam singen wir mit FARLOWE und der Band noch „Out Of Time“, brüllen uns gegenseitig den Refrain in die Gesichter, während die Lichter schon wieder das Dunkel erhellen. –

Draußen treffe ich FARLOWE wieder. Der sitzt dort ganz entspannt, schreibt Autogramme und antwortet auf die Fragen, die ihm in „broken english“ gestellt werden. Hey man, what a wonderful night!
Danach hab’ auch ich alle Unterschriften auf dem CD-Cover – was wäre dieses Leben ohne einen Spleen?
Für die neuen Songs auf diesem Silberling schrieb kein geringerer als der legendäre PETE BROWN die Lyrics, jener Mann, der schon die Worte für CREAM’s „Sunshine Of Your Love“ zu setzen wusste.

Die HAMBURG BLUES BAND werde ich wieder erleben, irgendwann. Dann wird vielleicht auch MAGGIE BELL mit auf der Bühne stehen und „Wishing Well“ singen, so wie sie es auf der aktuellen CD „Mad Dog Blues“ der HAMBURG BLUES BAND tut. Die Termine von COLOSSEUM im Herbst dieses Jahres (Erfurt, Berlin) habe ich mir auch vorgemerkt und so die Gesundheit aller Beteiligten es will, werden wir uns dann wieder sehen bei „Walking In The Park“ und „Lost Angeles“.


http://www.hamburgbluesband.de
http://www.handmadeconcerts.de
http://www.viking-music.de

Angefügte Bilder:
HBB CD-Cover_800_794.jpg
P1060695.JPG
P1060698.JPG
P1060718.JPG
P1060723.JPG
P1060730.JPG
P1060731.JPG
P1060739.JPG
P1060745.JPG
P1060748.JPG
P1060750.JPG
P1060763.JPG
P1060778.JPG
P1060779.JPG
HBB sign_800_525.jpg
zuletzt bearbeitet 04.04.2010 17:44 | nach oben springen


Besucher
0 Mitglieder und 8 Gäste sind Online

Forum Statistiken
Das Forum hat 9536 Themen und 98998 Beiträge.

Heute waren 0 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 2000 Benutzer (08.01.2015 07:34).

disconnected Foren-Chat Mitglieder Online 0