#1

JIMI HENDRIX - zum 40. Todestag einer Legende

in Off-Topic 18.09.2010 10:40
von HH aus EE (gelöscht)
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Hey Jimi, where did you gone (with that guitar in your hand)?

Er war einer meiner Stars - vor 40 Jahren starb Jimi Hendrix.

Dieses Jahr 1970 hat sich in meiner Erinnerung fest eingebrannt. Im Frühjahr wurde ich nach 18 Monaten aus den Diensten der NVA entlassen und im Herbst starb JIMI HENDRIX. Es war der 18. September 1970. Da war er noch nicht mal 28 und hatte gerade mit seinem Gitarrenspiel die Rockmusik für die Zukunft fit gemacht.
Gemeinsam mit Janis Joplin (4.10.1970) und Jim Morrison (3.07.1971) entstand der „Club 27“, dem viele Jahre später auch Kurt Cobain (5.04.1994) beitreten sollte.

Ich mochte von ihm eher die Sachen, die er „so nebenbei“ auf seinen Platten versteckt hatte. So das explosive „I Don’t Live Today“ oder „May This Be Love“, das er sich regelrecht abtrotzte, so als wolle ihm ein anderer die Töne klauen. Die zog und jagte er durch sein Klang-Universum und wenn man meinte, sie endlich erwischt zu haben, waren sie schon wieder weg. Beim Hören der Songs von seinen ersten beiden Alben kommt man selbst heute noch nicht aus dem Staunen raus und man will gar nicht glauben, dass sie so jung klingen und dennoch vier Jahrzehnte auf dem Buckel haben.
Und dann kam 1968 „Electric Ladyland“ mit dem von Dylan geschriebenen „All Along The Watchtower“ und dem überirdischen „Voodoo Chile“. Für mein Gefühl begann damit eine völlig neue Ära in der populären Musik und noch heute bin ich der festen Überzeugung, dass dies eine der besten je aufgenommenen Rock-Scheiben überhaupt ist.

Im aktuellen Jahr 2010 habe ich das erste Mal in meinem Leben dieses „Voodoo Chile“ live erleben dürfen. Auf der Bühne saß hinter der Hammond-Orgel, so wie damals bei den Aufnahmen im Studio, STEVE WINWOOD. Er verlieh dem Stück mit seinem typischen Spiel und seiner expressiven Stimme eine ganz besondere Note und dazu spielte ERIC CLAPTON eine Gitarre, die gar nicht erst versuchte, wie die von JIMI zu klingen. Diese Minuten waren wohl eines meiner schönsten Live-Erlebnisse und das Gefühl, JIMI müsste jeden Moment die Bühne betreten, war schon ziemlich stark.

Was ist nicht alles über diesen Mann geschrieben worden und welche Legenden ranken sich um ihn und seine Musik. Was wurden nach seinem Tode für Aufnahmen ausgegraben und als „Vermächtnis“ auf die Märkte geschmissen. Dabei reicht es doch schon aus, sich eine seiner regulären Platten aufzulegen, ganz gleich ob eine mit der EXPERIENCE oder mit der BAND OF GYPSYS. Wenn ich es tu’, dann kann ich in dieser Musik versinken und mich emotional zu Hause fühlen, auch noch 40 Jahre nach seinem Tod.

Seine Bedeutung im Heute zu formulieren fällt mir schwer, denn die Musik des Linkshänders war Teil meines Lebensgefühls – schwankend zwischen Liebe, Aufmüpfigkeit, Expressivität und Sehnsucht nach Harmonie. Nicht schöner Glanz nach außen war wichtig, sondern die Botschaft und der Wille, danach das Leben neu zu gestalten. Dies ist auch das Gefühl, das ich in den Klängen zwischen „Hey Joe“ und dem „Stars Spangled Banner“ hörte, als er der Welt auf der Bühne von Woodstock vor die Nase hielt, was die Amis mit unschuldigen Frauen und Kindern in Vietnam machten, als er die Amerikanische Nationalhymne musikalisch zerriss und mit den Gitarrencollagen von Flugzeugen und abgeworfenen Bomben auf Vietnam dem Aggressor die Maske vom Gesicht fetzte. Wer kann und macht so etwas von den großen Stars noch heute, um die Macher hinter den Toden von Afghanistan und den Hungersnöten in Afrika zu entlarven?

Mit JIMI HENDRIX starb im September 1970 ein Teil dessen, was Rockmusik so völlig anders gemacht hatte. Weitere Ikonen folgten und immer, wenn einer ging, war der Schrecken und die Verwunderung groß, denn ich glaubte, Rockmusik muss jung bleiben und sich auch so geben. Inzwischen habe ich selbst schon sechs Jahrzehnte auf dem Buckel und die Frage, wie alt ein Rock-Hero sein darf, hat sich für mich schon lange in Belanglosigkeit aufgelöst.

Vierzig Jahre nach 1970 ist alles ganz anders und doch auch irgendwie gleich, nur nicht mehr so furchtbar naiv, jungfräulich und hilflos ehrlich, will mir scheinen. So mancher Rocker ist zu’ner Zicke mutiert und nicht jeder, der eine Fender in der Hand hält, kann sie auch wirklich spielen.

Ich will mir lieber erst gar nicht vorstellen, wie ein knapp 70jähriger und sicher grauhaariger Wuschelkopf heute Musik machen würde. Die rühmlichen Ausnahmen sind rar gesät und was mit Ritchie Blackmore passiert ist, reicht als schreckliche Warnung für alle Rock-Jünger völlig aus. Als Trost kann ich mir ja heute eine Live-DVD von einem der digitalisierten Live-Auftritte von Jimi einlegen und dazu eine Mischung aus Wodka und Cola trinken. Allein in meinem Zimmer werde ich trotzig eine geile Luftgitarre spielend mitsingen: „Hey Joe, where you’re going with that gun in your hand?“.

Angefügte Bilder:
J.Hendrix 1.jpg
J.Hendrix 2.jpg
J.Hendrix - Ladyland.jpg
J.Hendrix 3.jpg
J.Hendrix 4.jpg
J.Hendrix 5.jpg
zuletzt bearbeitet 18.09.2010 10:41 | nach oben springen

#2

RE: JIMI HENDRIX - zum 40. Todestag einer Legende

in Off-Topic 19.09.2010 13:05
von Mescha | 51 Beiträge | 51 Punkte
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#3

RE: JIMI HENDRIX - zum 40. Todestag einer Legende

in Off-Topic 25.09.2010 22:07
von Falk aus DD
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Warum schreibt denn niemand etwas zu diesem großartigen Bericht von "HH aus EE"? Hab' mich sehr gefreut über Hartmut's Zeilen. Als ich am 18. September d.J. früh das Radio einschaltete, lief gerade "Purple Haze". Der Moderator des Senders "MDR-Figaro" fragte die Zuhörer, wo denn das letzte öffentliche Konzert von Jimi Hendrix stattfand. Ein Hörer aus den alten Bundesländern (jedoch aus den neuen BL "zugewandert") rief an und hatte die richtige Antwort parat: ... auf der Insel Fehmarn. Ein paar Tage vor dem 18. September kam auch ein interessanter Beitrag zum 40. Todestag von Jimi Hendrix auf arte.

Bin froh, dass es dieses Forum gibt, auch wenn ich nur als "Gast" schreibe und lese. Vielen Dank an alle, die das Forum am Leben erhalten und mit Leben erfüllen, insbesondere an Bernd.

Ein schönes Wochenende (und besseres Wetter) wünscht

Falk aus DD

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