#1

Das KULTURHAUS PLESSA wird 50 und lebt wieder!

in Off-Topic 12.10.2010 18:21
von HH aus EE (gelöscht)
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Das Kulturhaus Plessa wird 50 und lebt wieder

Ende der 50er Jahre wurde in dem kleinen Ort Plessa, das vom Ackerbau und einem Kohlekraftwerk lebte, der Grundstein für ein ambitioniertes Kulturobjekt gelegt und wenn man der Chronik glauben darf, stand das fertige Kulturhaus im Jahre 1960 in der Dorfmitte des Ortes friedlich in Nachbarschaft zur Kirche und Kneipe direkt an der Hauptstraße.
Das sozialistische Kulturmonument, wie sie damals Kraft eines ZK-Beschlusses landesweit im Dutzend aus den Ortsmitten gestampft wurden, wird also 2010 runde 50 Jahre alt und könnte, wenn die alten Steine dazu in der Lage wären, eine Menge von Kultur und Kunst in diesem Landstrich der Lausitz erzählen.

Von einem Orchester der Bergarbeiter zum Beispiel, das beinahe ebenso alt ist, von den alljährlich wiederkehrenden Faschingsfeten, vom Dorfklub und manch anderen volkskünstlerischen Aktivitäten in der Gemeinde. Von den regelmäßigen Anrechts- und Schulkonzerten des Orchesters vom Theater der Bergarbeiter Senftenberg unter Kurt Natusch wäre zu berichten, von Theater- und Opernaufführungen des gleichen Theaters, von Gastspielen Dresdner Klangkörper und natürlich auch von „bunten“ Schlager - Veranstaltungen der Konzert- und Gastspiel Direktionen (KGD).
Im großen Saal tobte sich an den Wochenenden die Dorfjugend aus, tanzte und lauschte den frühen Beat-Klängen der Theo-Schumann-Combo, von Uve Schikora und den Ur-Puhdys. Hier gab es legendäre Konzerte mit den Klosterbrüdern und der Bürkholz-Formation und gemeinsam mit Freunden hatte ich in diesem Haus die Chance, mit Transit, Prinzip, Lift oder Possenspiel weitere Konzerte in den 80ern durchzuführen.
In der gemütlichen Kneipe hat so mancher manchmal ein Bier über den Durst getrunken und gutes, preiswertes Essen gab es hier auch. Es war beinahe alles in bester Ordnung mit der Kultur und der Volkskunst auf dem Lande.

Die alten Mauern würden aber auch davon erzählen, wie ein langer, schlanker und einfacher Mann aus Würdenhain über viele, viele Jahre die Geschicke des Hauses lenkte und immer dann, wenn andere meinten NEIN sagen zu müssen, doch noch einen Weg fand, etwas möglich zu machen. Einen besseren und einsatzfreudigeren Chef des Hauses als WALTER KOTTE hätte man nicht finden können und eigentlich hätte man dem einfachen Mann aus dem Volke ein Denkmal setzen oder nach ihm eine Straße benennen sollen. Doch es gehen meist die falschen Namen in die Analen der Geschichte ein, denn Helmut Kohl hatte auch nicht die Wende herbei geführt, die dann auch in Plessa spürbar wurde.

Als der raue Wind einer anderen (Kultur)Politik durch die Lausitz und die Dorfstraßen von Plessa wehte, war der Jahrzehnte alte Glanz des Hauses nicht mehr wichtig und gefragt auch nicht mehr. Der Kneiper warf irgendwann das Handtuch und das Kultur- und Kunstinteresse wurde mobil, so wie die Dorfbewohner auch. Man fuhr zu den Idolen aus dem Westen, um dann doch irgendwann festzustellen, dass die auch nur ins Mikro sangen, dafür wohl aber mehr Knete beanspruchten, als die Stars zuvor.
Nur der Karnevalsverein blieb trotzig und verbissen am alten Kulturhaus kleben und wollte eine Schließung oder gar drohenden Abriss nicht hinnehmen. Deswegen steht der alte Kulturklotz noch immer und deswegen konnte in diesen Tagen der 50. Geburtstag des Kulturhauses in Plessa gefeiert werden. Schade nur, dass WALTER KOTTE den 50. Geburtstag seines Hauses nicht mehr miterleben konnte und Helmut Kohl auch nichts davon wusste.

Da steht die alte Hütte also immer noch am zugewiesenen Platz an der B 169 und pfeift auf politische Ränkespiele ebenso, wie auf das Hochwasser der Schwarzen Elster hinter ihr. Alle, die zur Feier kamen, haben jeder eine ganz persönliche Bindung an das Haus und sicher könnte auch jeder seine ganz eigene Geschichte darüber erzählen, wie ich aus Gesprächen mit dem Bürgermeister und Kumpel aus alten Zeiten, Gottfried Heinicke, weiß. Der steht außerdem mit seiner Mannschaft dafür, dass es mit und in dem Haus kulturell-künstlerisch nach vorne geht, „solange hier Kinder und Jugendliche zusammenkommen, Theater spielen, Tänze proben und Freude haben“. Unter diesen Voraussetzungen kann er mich auch für jede weitere „Schandtat“ gewinnen.
Dass sich auch Persönlichkeiten aus lokaler Politik für den Erhalt des Hauses einsetzen, halte ich für deren Aufgabe und von daher für normal, obgleich ich auch weiß, dass die Damen und Herren dieser „Berufsgilde“ bei weitem nicht alle so ticken und ganz andere Prioritäten für ihre politische Laufbahn setzen, egal, ob sie nun Helmut Kohl, Müller, Meyer oder Abgeordneter allgemein heißen, Anwesende und mir Bekannte mal ausgenommen.

Dennoch war es auch für mich ein eigenartiges Gefühl, nach so vielen Jahren wieder in dem Saal zu sein, den einst Hunderte bei „meinen“ Konzerten aufsuchten, um Bands wie PANKOW und Leuten wie DIESTELMANN zu lauschen. Wer den zwischenzeitlichen Zustand nie gesehen hat, dem musste es scheinen, als sei in den Räumen die Zeit angehalten worden. Es war irgendwie alles noch beim Alten und ich füge bei vollem Bewusstsein hinzu – zum Glück!! Der Charme des alten Kulturtempels ist erhalten geblieben und so hatte der permanente Geldmangel auch etwas Gutes. Zwar hatte ich das Gefühl, dort nicht mehr hin zu gehören, aber die Zeit, die ich an diesem Abend dort verbringen durfte, hat ein eigenartig schönes Gefühl des Glücks in mir hinterlassen. Allein dafür hat sich mein Besuch dort gelohnt und Helmut Kohl hat genau dies im Jubel zum „Jubeläum“ verpasst, wie den Friedensnobel-Preis (zum Glück) auch.

Bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass es gelingen möge, wieder regelmäßig Leben in die Bude zu bringen, die Lichter und Spots scheinen zu lassen und allen Altersgruppen ein kulturelles Zuhause zu ermöglichen. All jenen, die sich für das Haus einsetzten und engagieren muss man die nötige Portion Glück wünschen und außerdem ein großes Dankeschön sagen, es bis hierher geschafft zu haben.
Der alten Hütte wünsche ich weitere 50 Jahre, dem verstorbenen WALTER KOTTE irgendwo im Haus eine Tafel mit seinem Bild und Namenszug und wer weiß, vielleicht mache ich auf dieser Bühne auch noch mal eine Rock’n’Roll – Aktion, um die alten Steine und Ziegel fest in sich zusammen zu rütteln, damit sie die Zeiten und Politiker noch lange überstehen mögen.

Angefügte Bilder:
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Transit_3_800_552.jpg
Schubert-Band_live__800_564 a.jpg
WIR in Plessa_800_554.jpg
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zuletzt bearbeitet 12.10.2010 18:30 | nach oben springen

#2

RE: Das KULTURHAUS PLESSA wird 50 und lebt wieder!

in Off-Topic 12.10.2010 19:22
von jolina (gelöscht)
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Ja Wahnsinn Hartmut. DANKE, das ich dieses Teil dank deiner Bilder noch mal von innen sehn kann. Wow warn das noch Zeiten als ich mich da drin regelmäßig 1x im Jahr verlaufen habe.
Mit Bussen wurden die Kinder der BKK-Kumpels damals aus dem Großraum zur Weihnachtsfeier zusammen geholt.
Dann gab es Theateraufführungen, Märchen mit echten Schauspielern, viele Spiele, große Geschenke, einen echten Weihnachtsmann, ohne Larve versteht sich aber mit Bindfadenbart und lecker zu essen. Ja, das waren Zeiten, da haben die Betriebe noch in die heranwachsende Generation investiert.

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#3

RE: Das KULTURHAUS PLESSA wird 50 und lebt wieder!

in Off-Topic 12.10.2010 19:45
von PM | 4.235 Beiträge | 5060 Punkte

Da staun ich aber. Als ich auf dem Weg zu dir mal dort vorbei gefahren bin, war mir sofort klar, was das für Bau ist. Ich dachte, dass sein inzwischen eine Ruine, wie so viele Säle in unserer Gegend.
Mich beschäftigt die Geschichte solcher alten Veranstaltungsstätten auch sehr, besonders der in unserer Gegend.
Hab eigentlich vor, mich mir der Frage mal näher zu beschäftigen. Ist bisher leider an Zeitmangel gescheitert.
Hier mal eine Puhdys Spielstätte aus ganz frühen Jahren ( 1971) der Gasthof Etzdorf (Gemeinde Striegistal) bei Rosswein. Dies war mal ein 1000 Besucher Saal.

Angefügte Bilder:
P1170929 x1.jpg
P1170924 x2.jpg
P1170921 x3.jpg

Klick mal druff hier:

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#4

RE: Das KULTURHAUS PLESSA wird 50 und lebt wieder!

in Off-Topic 12.10.2010 20:30
von axel (gelöscht)
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als ich hh vor ein paar jahren kennenlernte, da ging er nicht "mehr" auf konzerte, widtmete sich seiner familie und sprach nur ab und an über musik.
später erfuhr ich, dass er sich wohl des liedgutes noch via platten verbunden fühlte.
vor noch nicht einmal einem halben jahr konnte ich ihn nicht überreden, ein konzert zu organisieren. und nun das!
ich habe den langen text nicht vollständig gelesen, nur überflogen, aber rausgelesen, dass das fell wieder juckt.
sag niemals nie! und ich hoffe, ich krieg ne einladung.

wir sehn uns, freunde!

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#5

RE: Das KULTURHAUS PLESSA wird 50 und lebt wieder!

in Off-Topic 12.10.2010 21:09
von Mescha | 51 Beiträge | 51 Punkte

Oh ja. Das wär fein. Ich finde diese Idee, die hoffentlich nicht nur dahin geschrieben war, eine richtig tolle Idee. Ich hab ein paar recht dunkle Erinnerungen an meine Kindheit in der R.-Breitscheid-Strasse in Elsterwerda und ich kann mich sogar noch etwas lichter an die letzten schönen Tage "Der Stube" erinnern. Mein Vater war da immer in bester Gesellschaft und heute weiß ich, in seinem Element.
Ich möchte nicht zu weit gehen und behaupten, dass sich ein Traum von mir erfüllen würde. Aber ich würde es meinem "alten" jungen Herren von Herzen gönnen, dass er die Kraft hat, seinen kleinen aber feinen Traum in die Tat umzusetzen. Der alten Zeiten wegen. Und weil ich merke, wie ihn die Musik einfach nicht in Ruhe läßt. Ich bin sicher, das wär genau sein Ding. Und wenn schon nicht "Die Stube", dann laßt einfach das Kulturhaus rocken. Ich wäre GANZ SICHER einer der Gäste, wäre irre stolz auf Dad (bin ich ja jetzt schon) und ich biete mich hiermit auch höchst offiziell an, Euch den Kassenwart zu machen. Kasse kann ich. ;-)

Sodann auf, auf. Das Jahre 2011 und das Kulturhaus warten auf Ideen und alte Bands in alten Mauern vor neuem (und "alten") Publikum mit vielleicht neuen und alten Songs. Kontakte gibt´s genug, dass weiß ich. Und der Rest wird sich finden...

Mescha

zuletzt bearbeitet 12.10.2010 21:13 | nach oben springen


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