Bericht Teil 1:
Es war kein Zufall, dass ich schon den ganzen Tag ein bestimmtes Lied auf den Lippen hatte. Mein Unterbewusstsein hat mich wieder einmal sanft auf den Abend einstimmen wollen und so summte ich und sang zeitweise ein wahres Volkslied Es war ein relativ altes Lied, denn es erschien bereits erstmals 1988 auf Langspielplatte. Liebe Kinder, Langspielplatten das waren die schwarzen Scheiben aus Vinyl mit denen wir früher Musik gehört haben. Sie waren beidseitig bespielt und liefen mit 33 Umdrehungen pro Minute auf einem Abspielgerät, welches Schallplattenspieler hieß. Wenn man so will waren diese Scheiben nichts anderes als ein analoger Datenspeicher für bestimmte Schallsignale in diesem Fall war es Musik. Lasst euch bitte von euren Eltern mal erklären, wie vorsichtig man mit diesen Scheiben umgehen musste, wenn es euch interessiert. Jedenfalls im Jahre 1988 erschien in der DDR eine solche Langrille mit dem Titel „Männer, Frauen und Maschinen“. Es war das erste Album des Lausitzer Liedermachers Gerhard Rüdiger Gundermann und auf diesem Stück Vinyl befand sich dieses Lied, welches mir im Kopf herumschwirrte. „Hoywoy, dir sind wir treu, du blasse Blume auf Sand. Heiß, laut, staubig und verbaut, du schönste Stadt hier im Land.“ Es ist ein schönes, liebevolles Lied, teilweise sogar etwas frech für die damalige Zeit. Es erzählt von der Stadt Hoyerswerda und seinen Menschen. Für mich ist dieser Titel immer noch ein kostbarer Schatz. Vom Glanz der ehemaligen Kreisstadt ist nicht viel geblieben. Rund 70 000 Einwohner hatte Hoywoy in den Achtzigern. Heutzutage wohnen hier nur noch etwas über 37000 Menschen und ein Ende des Aderlasses ist nicht abzusehen. Die Abrißbagger haben schon manchen Wohnblock platt gemacht und es werden sicher noch einige folgen. Hab ich jetzt mein Thema verfehlt?? Ich hoffe nicht, denn ich liebe diese Stadt und ihre Menschen trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Probleme heutiger Zeit. In Hoywoy habe ich schon unzählige Stunden verbracht, viele interessante Menschen kennen gelernt, viele neue Freunde gefunden und genau hier in Gundi’s Stadt begegnete ich am 06.Oktober 2007 erstmals der Band KLARtext. Das alles gehört für mich in diesen Konzertbericht. Egoistisch, wie ich bin, schreibe ich nämlich seit vielen Monden auch zu dem Zwecke meine Erlebnisse und Gedanken bei den ganzen Muggen für mich selbst festzuhalten. Sie für mich irgendwie zu konservieren. Damit ich mich in ein paar Jahren noch besser an die vielen Nächte auf Tour erinnern kann. Durchaus möglich, dass das ganze Drumherum heute länger wird wie der musikalische Teil.
Hoyerswerda empfing mich mal wieder mit abendlicher Dunkelheit. In den Wohnblöcken der Neustadt waren viele Zimmer erhellt. Es war ja Wochenende, genauer gesagt es war der Abend des 15. Januar 2011. Dieser Tag war ein Sonnabend und sicher nutzten viele Leute diese freien Stunden um zu feiern oder sich einfach mal von den Plagen des Tagwerks zu erholen. Ich ließ die beleuchteten Häuser rechts liegen und fuhr weiter. Die Kulturfabrik auf der Alten Berliner Straße war mein Ziel. HAASE & Band spielten an diesem Abend in der KUFA und das Vorprogramm sollte KLARtext bestreiten. Doch es sollte sogar noch besser werden, denn im Saal der KUFA traf ich sehr viele Freunde und Bekannte aus Hoyerswerda, aber auch aus Dresden, aus Freiberg, aus dem Erzgebirge, und sogar aus NRW. Das setzte dem Abend schon mal die Krone auf noch bevor die Veranstaltung offiziell anfing. Eifrig wurden in den folgenden Minuten Neuigkeiten ausgetauscht und auch neue Pläne geschmiedet.
Doch dann war schnelles gedankliches Umschalten angesagt, denn die Männer von KLARtext schritten zur musikalischen Tat. Nach dem einleitenden Instrumentalteil(neudeutsch auch Intro genannt) ging es mit den Titeln „Lust“ und „Jäger“ gleich in die Vollen. Frontmann Jörg „Samson“ Geidel begrüßte das Publikum zwischendurch und er sagte auch, dass sich die Musiker von KLARtext unheimlich freuen endlich mal wieder in Hoywoy zu spielen. Die Freude war nicht gespielt, denn in dieser Stadt hat die Band ihre Wurzeln. Ich glaube mich zu erinnern, dass 4 der 6 Bandmitglieder alte Hoyerswerdaer sind, hier jahrelang lebten, zur Schule gingen und hier später in den achtziger Jahren auch ihre ersten Erfahrungen als Musiker sammelten. Seit dem Jahr 2006 machen sie nun unter dem Namen KLARtext Musik.
In Hoyerswerda hat die Band in der ersten Zeit viele Konzerte gegeben und eine treue Freundes- und Fangemeinde. Auch wenn sich KT im vergangenen Jahr hier etwas rar gemacht hat, sind die Freunde und Fans auch an diesem Abend in der KUFA wieder zur Stelle. Das beflügelte die 6 Rocker natürlich besonders und gut gelaunt präsentierten sie ihre alten und neuen Lieder. Auf der Leinwand im hinteren Bereich der Bühne wurden die Songs wieder mittels Beamershow mit den Bildern von Tom Glöß illustriert. Mir fiel dabei auf, dass es wieder Veränderungen an der optischen Unterstützung gab. Tom feilt ständig an der Optimierung der Show weiter. Immer wieder kann man bei den Konzerten was Neues sehen.
Aber auch musikalisch braucht sich das gemeinsame TEROBI-Projekt (Texte, Rockmusik, Bilder) von KLARtext und Tom Glöß absolut nicht zu verstecken. Der pfiffige Herr Glöß hat auch schon Liedtexte beigesteuert. Mit „Trampen nach Süden“ hat er der Band wirklich eine schöne Vorlage geliefert, die musikalisch in eine wunderbare Ballade verpackt wurde. Natürlich fehlte das gute Stück bei diesem Auftritt auch nicht. Ich mag das Lied. Es erinnert an unsere schöne Jugendzeit als wir noch am Straßenrand standen, den Daumen rausstreckten und irgendwohin auf die Reise gingen. Wer erinnert sich nicht gerne daran?
Mit „Abseits“ und „Gipfelstürmer“ ging es aber gleich wieder mehr in die rockige Richtung.
Die Gitarren sangen ihr Lied zeitweise zweistimmig. Doch auch die Solos von Gerhard „Cäsar“ Skirl gehören zum KLARtext-Gesamtklangbild und mit einem verschmitzten Lächeln ließ Cäsar seine Gitarre singen. Stillstand gibt es im Hause KLARtext nicht und Hoyerswerda durfte sich deshalb an dem neuen Schmuckstück „Krisen“ erfreuen. An dem Lied hatten die Jungs schon eine ganze Weile herumgedoktert. Doch manche Idee muss halt länger reifen. Der Song wurde neu arrangiert und um eine weitere Strophe erweitert. Samson, der Frontmann des musikalischen Sechsers aus der Lausitz sagte Krisen“ mit sehr persönlichen Worten an und im Publikum hatte da nicht nur seine „bessere Hälfte“ feuchte Augen. Manche Frauen hatten bei diesem Lied dann auch Gänsehaut. KLARtext wollte mit „Grüß Gott“ und „Der Rock’n Roll bleibt“ eigentlich die Segel streichen. Das Publikum ließ sie aber natürlich nicht ohne Nachschlag ziehen. Auch wenn sie als Vorband nur 10 oder 11 Lieder gespielt haben, ändert das nichts am starken und in sich stimmigen Gesamtauftritt von Samson (Gesang), Lakki (Gitarre, Gesang), Cäsar (Gitarre, Gesang) Enni (Schlagzeug), Ronny (Tasteninstrumente und Gelli (Bass).
---wird fortgesetzt---
Gruß Kundi