#1

Ostrock - Werbung allgemein

in Werbung für Ostrock-Konzerte, - Veranstaltungen 08.05.2008 20:53
von Mary (gelöscht)
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Zum Thema Werbung für Ostrock habe ich bereits einige negative Erfahrungen gemacht. Damit meine ich nicht die Werbung für Konzerte der PUHDYS oder Werbung für "Ostrock Klassik". Ich meine eher die "kleineren" Sachen, die man nur erfährt, wenn man die Homepage der betreffenden Künstler aufsucht. So findet jetzt z.B. in Dresden im Bärenzwinger ein Konzert mit Zöllner und Gensicke statt. Ich habe in der Öffentlichkeit dazu nicht einen Hinweis gefunden. Gut, vielleicht ist es nur für den kleineren Rahmen gedacht. Aber auch größere Sachen gehen manchmal einfach unter.
Am deutlichsten ist mir ein Konzert von Karat (damals noch K...!) und Ute Freudenberg in Erinnerung, das in Meißen stattfand. Also, wenn dort 150 Leute waren, war das viel! Die Künstler taten mir einfach nur leid. Hatten sie das wirklich verdient?! Zu diesem Konzert war außer einige Plakate direkt in Meißen nichts an Werbung zu finden. Sicher, Werbung kostet Geld, aber wenn so nahe von Dresden ein Konzert dieser Art stattfindet, sollte man in Dresden auf jeden Fall auch dafür werben! Wie gesagt, das Ereignis liegt länger zurück, aber es ist mir nachhaltig in Erinnerung geblieben.
Ich weiß nicht, mir fällt nun mal auf, Hansi Hinterseer, Helene Fischer, Andrea Berg... lachen einen von jeder Litfasssäule an. Aber wo sind UNSERE doch wirklich guten Musiker? Vom "Club der toten Dichter" gibt es so wunderschöne Handzettel, aber die liegen eben fast ausschließlich in Konzertkassen aus. Warum nicht an Schulen, in Betrieben, in Kaufhäusern...? Ich weiß nicht, ob das helfen könnte, dass "unsere" Musiker endlich den westlichen gleichgestellt würden, aber eine Chance mehr Interesse an "Ost-Musik" zu wecken, wäre es vielleicht.
In den Tageszeitungen findet man meist etwas Werbung auch zu Konzerten der Ostrocker, aber seien wir mal ehrlich, wieviele Menschen lesen denn wirklich noch regelmäßig eine Tageszeitung?! Meine Erfahrung im Bekannten- und Freundeskreis ist die, es lesen in der Regel ältere Semester und die gehen nicht unbedingt zu Ostrockkonzerten...
Ich weiß kein Rezept, aber es ist nun mal leider so, wer sich gut verkaufen kann, hat größere Chancen.

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#2

RE: Ostrock - Werbung allgemein

in Werbung für Ostrock-Konzerte, - Veranstaltungen 09.05.2008 20:25
von Wodka (gelöscht)
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Ich weiß nicht so recht!!!

Einiges an diesem Beitrag stösst mir auf! In der Regel lesen ältere Semester die Tageszeitung und die gehen nicht zu Ostrockkonzerten zum Beispiel! Nun ich denke, ich gehöre zu diesen Semestern, aber ich fahre, so es irgend geht 100-terte km zu einer Mugge! Und ich nehme wenn möglich meinen Buben und auch dessen Mutter mit! Soll ich mal eine Rechnung aufmachen? Im Schnitt 3 x 156 Euro für die Fahrt, Hotelzimmer, Taxi, ich kann nicht mehr so gut vom Fleck, Eintritt ... Ach ja, und meist treffe ich da die "älteren" Semester ...

Aber da war etwas anderes im Hintergrund, Kosten ... Gut alles will verdienen, viele schnell reich werden, aber wenn ich die Eintrittsgelder in die Höhe treibe, kommen viele nicht, weil sie einfach nicht können ...

....editiert durch Admin am 4.6.08


Wir sind die Grössten ... Vor langer Zeit, ich will die hier nicht heraufbeschwören, bei Leibe nicht, da wurden Konzerttermine von Hand zu Hand, von Mund zu Mund, weitergegeben! Ich hatte immer so ein kleines blaues Muttiheft dabei, wo ich alles, was zu erfahren war, fein "säuberlich" notierte und dann weitergab an die "Kutten". Und daraus entstanden dann die Tramptouren der nächsten Zeit. Ach ja, die Säle waren voll! Gut oft war es den Herren Künstler gar nicht so recht, wenn die "Kutten" erschienen ...

Ach ja, Meißen, ist auch kein "Pflaster" für eine "Schrammelband"! Man gehe nur mal im Juni auf die Freilichtbühne, wenn 40 + x läuft, da sieht man das Gegenteil, leider schrammelt es da ja nun auch! -grins-

Wer sich gut verkaufen kann, hat größere Chancen!? Na Mensch, das war auch früher so! Entweder man hatte seinen Stamm, oder man buhlte um die Leute! Das war übrigens damals viel ausgeprägter als heute, die Musikuse lebten in der Regel von den Liveauftritten! Das Ganze fing bekanntlich damit an, dass der, der am besten, reinsten, nachspielte, die vollen Säle hatte ... Erst später formten sich dann Gruppierungen, die zu den Konzerten fuhren weil sie die Musik liebten, weil sie Kumpels trafen, weil etwas los war ...

Die Künstler taten mir einfach nur leid! Nein, die wirklich guten treten auch vor 150 Leuten auf! Selbst vor noch viel wenigeren tuen sie ihren "Job" mit Freude und Hingabe. Es ist richtig, schwer ist das, und reich kann man nicht werden ... Aber wer die wirklichen Größen im kleinen Clubrahmen mit Freude und Hingabe spielen erlebt hat, der weiß, was ich meine ...

Für die Werbung für ein Konzert ist in erster Linie der Veranstalter zu ständig! Er will einen vollen Saal um zu verdienen. Nur die angeblich so Großen des Geschäftes nehmen sich Agenturen ... Wen wundert es da, wenn immer wieder feste Termine gecanncelt werden, weil der Vorverkauf nicht lief? Der "Saalbesitzer" verlässt sich auf die Agentur, die sitzt weit weg und die "Saalbesitzer" sollen sich kümmern ... Die so "Kleinen" machen das "Geschäft" mit den Veranstaltern selbst, spielen nicht nur da, wo Agenturen denken Geld zu verdienen, spielen in kleinen Clubs, wo der Veranstalter, um weitermachen zu können, selbst ein Interesse daran hat die Termine unter die Leute zu bringen ...

Richtig ist es, dass "Ostrock" (sicher kann man darüber stundenlang reden, was ist das eigentlich? -lächel-) in den "Medien" sehr schlecht wegkommt!!! Aber bitte, in Andeutung des Klammervermerkes, "Ostrock" ist doch auch gekennzeichnet durch Texte, die in einer "anderen Welt" entstanden! Die Umgebung dafür ist weggebrochen, die "Feinheiten" z.B. von vielen Balladen werden heute nicht mehr verstanden ... Musik alleine ist es nicht, englische Titel klingen da besser, auch wenn man die inhaltlich auch kaum erfassen kann! -lächel- Wenn man die Augen nicht verschliest muss man erkennen, "Ostrock" ist eine aussterbende Spezies, nur wir können für ihren Erhalt etwas tun! Wir können dieses Feeling unseren Kindern, oder denen der Nachbarn -grins-, nahe bringen, damit auch in Zukunft Leute zu solchen Konzerten gehen.

Und eine letzte Bemerkung noch einmal zum sich am besten verkaufen, heute wird verkauft! Der hansi und die Andrea sind eine Ware, die unter die Leute gebracht wird! Und so sieht man sie auf den Litfasssäulen, neben der Werbung für den neuen kostenlosen (na fast -gröhl-) Handytarif, und nur deswegen!

So, nun haut mal richtig drauf, auf den ollen hans!!! Hauptsache ihr denkt vorher über das Geschriebene nach!

-grins-
zuletzt bearbeitet 04.06.2008 01:01 | nach oben springen

#3

RE: Ostrock - Werbung allgemein

in Werbung für Ostrock-Konzerte, - Veranstaltungen 09.05.2008 21:57
von Bernd (gelöscht)
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Was soll man zu diesen Worten von Wodka noch sagen ?
Es ist einfach treffend und auf dem Punkt gebracht !
Danke für diese wirklich sehr aufschlussreichen Zeilen von Dir.

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#4

RE: Ostrock - Werbung allgemein

in Werbung für Ostrock-Konzerte, - Veranstaltungen 09.05.2008 21:59
von HH aus EE (gelöscht)
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Mein Hans, wie er leibt, lebt und diesmal auch schreibt. Wir kennen uns sooo lange noch nicht, sind trotzdem vom gleichen Schrot und Korn, weil wir das gleiche gelebt haben. Stimmt's??

Ich will Dir jetzt nicht Honig um's Maul schmieren, weil Du recht hast. Will aber sagen, daß ich mich wahnsinnig freue, Dich jetzt auch hier zu haben. Wir retten zwar nicht den "Ostrock", aber wenn wir gut sind - und das sind wir ALLE in diesem Forum! - dann retten wir unsere Kinder vor schlechtem Geschmack und schlechter Werbung! Na, wenn das nichts ist??

Keep on rockin' AWopBopaLooBopALopBamBoom !
zuletzt bearbeitet 09.05.2008 22:05 | nach oben springen

#5

RE: Ostrock - Werbung allgemein

in Werbung für Ostrock-Konzerte, - Veranstaltungen 09.05.2008 22:40
von PM | 4.235 Beiträge | 5060 Punkte

Siehste Mary - da haste aber was angesprochen - das liegt allen hier vielen am Herzen. Wir können hier Artenschutz für den Ostrock fordern, wie wir wollen - es wird nur die wenigsten Veranstalter interessieren. Entscheidend ist, ob es sich rechnet.
Aber hier im Forum können wir auf jeden Fall Tipps zu interessanten Sachen weitergeben. Und einige von uns haben es schon verstanden, ihre Begeisterung für ihre Lieblingskünstler auf Veranstalter überspringen zu lassen und so einen Auftritt angeschoben. Kundi und seinen Freunden ist es mit ihrer Hartnäckigkeit gelungen, Klartext auf den Hutberg zu bringen. Viel Glück morgen für die Band.


Klick mal druff hier:

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#6

RE: Ostrock - Werbung allgemein

in Werbung für Ostrock-Konzerte, - Veranstaltungen 09.05.2008 23:05
von Mary (gelöscht)
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Nee, ich hau nicht drauf..., bin eher für sachlichen Austausch !

In einigem hast Du sicher recht, z.B. was die Managerin von Karat angeht...(wenn es stimmt, was Du da schreibst!). Auch, dass wirkliche Musiker ebenso vor kleinen bis sehr kleinen Zuschauergruppen spielen und zwar mit vollem Einsatz ist richtig, nur habe ich das auch nicht bestritten, im Gegenteil, das habe ich erlebt!

Aber man kann "Gestern" nicht mehr mit "Heute" vergleichen! Ein Muttiheft und Mund zu Mund Propaganda reicht nicht mehr aus, um Konzerte bekannt zu machen. So wie Du Werben verstehst, kommen dann immer wieder die gleichen Konzertbesucher zu den Ostrock-Konzerten. Es sollen aber auch neue, junge Menschen herangeführt werden. Es ist lobenswert, wenn Musiker vor einem Publikum mit sehr geringer Personenzahl spielen. Denn die sind nun mal gekommen, um die Musik zu hören. Musiker leben aber in den meisten Fällen von Live-Auftritten. CDs bringen kaum noch Gewinn. Denkst Du auch mal daran, Wodka? Musik machen, ist ihr Beruf, davon sollten man leben. Viele haben sich ein zweites Standbein aufgebaut, z.B. Aust von Electra, Reznicek von Silly, weil es anders nicht mehr geht..., jammern bringt nix.

Ich bin nicht der Meinung, dass der Ostrock aussterben muss, mit Deinen Worten eine aussterbende Spezies ist, wenn die letzten "Zeitzeugen" verschwunden sind. Gerade weil "unsere Musik" anders ist, könnte sie doch interessant sein für Leute, die sie noch nicht kennen. Du fragst nach, was Ostrock eigentlich ist. Was ist es denn für Dich??? Für mich ist es eine ganz eigene Art Musik zu machen, die einfach aus dem Mangel an Technik, aus meist hervorragender musikalischer Ausbildung und wenig Kontakt mit der "weiten Welt" entstanden ist. Ich finde, "Ostrock" muss jeder für sich interpretieren, denn jeder empfindet ihn anders. Und noch was, wer sagt denn, dass es nichts NEUES auf dem Markt der "Ostmusiker" gibt? Es gibt viele, die Neues wagen, neue CDs herausbringen. Nimm die Puhdys, leben die nur von ihren alten Ostrocktiteln?! Oder IC, der mischt in seinen Konzerten immer alt UND neu. Auch neue Titel "unserer Musiker" werden aber immer die "Spur Ostrock" erkennen lassen, denn sonst müssten sie ihren Stil komplett ändern. Ostrock als heimliches(!) politisches Sprachrohr, ja, den wird es nicht mehr geben, einfach weil er so nicht mehr gebraucht wird. Aber die Musik an sich soll und muss nicht aussterben!!! Auch aus dem Grund, weil Ostrock DEUTSCHE LIEDTEXTE hat! Und dafür BRAUCHT man Werbung!

Dass die Texte heute nicht mehr verstanden werden, glaube ich nicht. Ich würde sagen, sie werden nicht mehr SO VERSTANDEN, WIE WIR DIE TEXTE INTERPRETIERTEN. Ich würde Konzertbesuchern, die Ostrockkonzerte erst seit kurzer Zeit besuchen, nicht absprechen wollen, dass sie die Texte nicht verstehen. Sie interpretieren sie auf ihre Art, genau wie wir damals. Und wer von uns "alten Konzertbesuchern" kann schon von sich behaupten, dass er die Texte wirklich so verstanden hat, wie sie die Musiker gemeint haben??? Jeder hat sich seinen eigenen Reim drauf gemacht, außer es war so deutlich wie z.B. bei Renft...

Noch was, Du bist mit Sicherheit nicht das, was ich unter älterem Semester verstehe, wenn ich lese, Du nimmst Deinen Buben und dessen Mutter mit zu Konzerten... Die, die ich meine, gehen höchstens noch zu Schlager und Volksmusik, sind nämlich Rentner! Ich bestreite nicht, dass EINIGE von anderen Altersgruppen noch Tageszeitungen lesen, aber die Mehrzahl der Leser sind sie nicht.

Ich bin kein Musikfachmann, ich kann hier nur meine Empfindungen kundtun.

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#7

RE: Ostrock - Werbung allgemein

in Werbung für Ostrock-Konzerte, - Veranstaltungen 09.05.2008 23:14
von schattenreiter
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Es ist ja nicht nur die Werbung für den Ostrock. Auch die lokalen Radiosender (bei uns zb. Radio SAW) wollen für die Leute aus der Region Programm machen. aber wenn man länger zuhört weiss man oft schon was kommt. Immer die selbe Leier und wenn es hoch kommt einmal in der Woche den "Baum" oder "Am Fenster" Muss ich Hans Recht geben. Kulturverfall in Reinkultur. Den Musikredakteuren könnte man jegliches musikalisches Augenmass absprechen. Es ist leider so, dass im Radio Musik gespielt wird die am meisten Geld bringt. (in Werbung verpackt)

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#8

RE: Ostrock - Werbung allgemein

in Werbung für Ostrock-Konzerte, - Veranstaltungen 11.05.2008 17:00
von Wodka (gelöscht)
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Vielleicht setze ich mich irgendwann einmal hin und schreibe einen „Vorstellungsbeitrag“? Wer mich nicht kennt kann dann vielleicht ein wenig besser meine Gedankengänge erfassen und man weiß welch Vogel ich eigentlich bin?!

So und nun mal los, weiter geht es mit sachlichem Austausch, der jedoch auch Spaß machen muss, will heißen, man muss auch mal draufhauen!

Mary hat interessante Aspekte hinzugefügt, die wohl einer Diskussion bedürfen. Es ist ja so, dass wir hier fast alle unsere „Empfindungen“ kund tun, wären wir Musikfachleute würden wir ja für die SuperIllu schreiben! –grins-

Ich vergleiche in der Werbung sicher nicht das „Gestern“ mit dem „Heute“. Das war einfach der Hinweis auf Fakten, die auch heute noch eine Rolle spielen. Gut, das Muttiheft ist ersetzt durch das WEB, die sorgfältigen Einträge in dieses durch Foren, Webseiten u.a., und die „Kutten“ gibt es so nicht mehr.

Was es heißt, von Live-Auftritten zu leben, nun so ganz unbeleckt bin ich da wohl nicht! –lächel- Es gab mal eine Zeit, da habe ich das auch versucht. (Und nicht schlecht gelebt davon, zugeben, sieht man davon ab, dass die Schulden für die Anlage abgestottert werden mussten!) Das war in „alter“ Zeit die Regel, dass die Musikanten von Ihren Gagen lebten. Ganz deutlich wurde das im Jahr 1982. Ein Herr Namens Peter Meyer –lächel- schrieb damals an den Minister für Kultur.

Zitat:
„Sehr geehrter Herr Minister!

Im Gefolge der uns bekannten, gesellschaftlich notwendig gewordenen ökonomischen Maßnahmen der letzten Zeit hat sich gezeigt, dass sowohl die Existenz der Rockgruppen gefährdende, drastische Einschränkungen ihrer Auftrittstätigkeit wie auch den Bestand der kulturpolitisch relevanten Befriedigung der Bedürfnisse insbesondre des jugendlichen Publikums gleichermaßen gefährdende Folgeerscheinungen immer deutlicher werden.
...
In diesem Zusammenhang auch sehen wir folgende, sich bereits jetzt anbahnende Folgeerscheinungen:
Erhebliche Minderung des Veranstaltungswesens in quantitiver und qualitiver Hinsicht, ein Minderangebot in den Massenmedien Rundfunk, Fernsehen, Schallplatte und daraus ein tendenzielles Bevorteilen westlicher Medienproduktionen, was wahrscheinlich Wiederhinwendung des Publikums zu westlichen Massenmedien und Produktionen zur Folge haben wird; negative Auswirkungen auf politisch-inhaltliche Bemühungen unserer Rockgruppen; Gefährdung der Existenz der Gruppen und Formationen, damit verbunden erhebliche soziale Unsicherheit, Gefährdung des Berufsbildes, negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Amateurszene, absehbare Verstärkung korrupter Praktiken im Veranstaltungswesen. ......“
Zitat Ende

Hier ging es einmal offen gesagt um die Pfründe der Musiker. Es gab damals eine Anordnung zur Einsparung von Kraftstoff und wer sich ein wenig in der Materie auskennt, der weiß, damals wurde nach Einstufung ein Stundenlohn, dazu Kapelleiterzulage und „Technikgeld“ gezahlt, es gab ein paar Zuschläge und der Rest, der Posten machte das erst fett, kam aus dem „km-Geld“. Und genau da musste nun gespart werden! Dazu kam eine Ausgabenbegrenzung für Kulturhäuser und andere Einrichtungen, es gab keine Verträge mehr. (Zum Thema Ausgabenbegrenzung könnte aber sicher HH mehr sagen, er dürfte davon betroffen gewesen sein.) Tatsache ist, es ging damals wirklich an die Existenz der Profis, die ansonsten nicht schlecht kassiert haben.

Natürlich muss man hierbei auch sehen, dass so ein Profigeschäft mit erheblichen Ausgaben verbunden war, hier muss ich auf die Bemerkung „Mangel an Technik“ eingehen. In meinen Augen ist es ein Irrglaube, dass damals die Profis mit schlechter Technik spielten. Da stand Dynacord neben Marshall auf der Bühne, da wurden Hammond-Orgeln bespielt, und Fender und Gibson standen in den Gitarrenständern. Und die Fans waren begeistert von Lay-Anlagen, z.B. der berühmten Lay Selektion, und keiner wusste eigentlich das diese Grunwald aus Dresden herstellte ... (Ich selbst hatte 4 Musik 130 von Tesla auf der Bühne stehen und ich sage heute noch, dieser 120 Watt Amp war der schlechteste nicht ...) Auf allen möglichen Wegen wurden diese Gerätschaften „importiert“, selten interessierte sich jemand dafür, wo das Zeug eigentlich her war. Ich weiß nur ein Beispiel, wo ein Strafbefehl mit Zollforderungen ins Haus flatterte, und das bei einem der wohl besten Gitarristen Europas ... Das Problem war eher, dass diese Teile zu Wucherpreisen gehandelt wurden ... Aber Technik allein ist es nicht gewesen, Kerth z.B. spielt seit 40 Jahren eine Gitarre aus Markneukirchen, eine MIGMA. Aber genug dazu ...

Deutsche Texte und das Verstehen dieser, nun so wie Du es interpretierst, war das sicher nicht gemeint! Es gibt ein sehr langes Werk aus dem Bereich „Ostrock“, wo nur 4 Zeilen Text vorkommen, über dessen Entstehen ich ein wenig weiß! Ursprünglich hatte dieser Text ein paar Seiten, es wurde zum Schluss aber nur dieser Schnipsel verwendet und es tat dem Werk gut! (Woher ich das so genau weiß, nun gut ich habe ihn damals geschrieben!) Die Frage des Textes war von einer ganz anderen Art, als man sich das heute oft vorstellt. Den der Text musste durchs Lektorat, wollte ich die Titel nicht nur Live spielen ... Und auf die Texte hatte man ein besonderes Augenmerk. Ich kann meinen Akten entnehmen, dass meine Texte, die ich zur Gitarre und auch als Gedichte nach meinem Auftrittsverbot ab und zu einmal zum Besten gab, ganz genau registriert wurden. Z.B. berichtete IM Rosi am 01.09.1975 über den Polterabend von Bummi in Freiberg am 29.08. Besonders Wert wurde dabei auf von mir vorgetragene, eigene Gedichte gelegt, und auf die Feststellung: "Ich habe in beiden keinerlei Beziehung zu Biermann oder Pannach finden können." Da hatte ich wohl noch einmal Glück ... (Leider sind meine „Werke“ nach einer heimlichen Hausdurchsuchung verschwunden und ich kann heute nach über 30 Jahren nur noch Bruchstücke rekonstruieren.) Die eigentliche Eigenheit dieser alten „Ostrocktexte“ besteht wohl darin, dass vieles wegen der Zensur verklausuliert wurde und somit im Bereich „künstlerisch wertvoll“ einzuordnen sind. Und manchmal waren es einfach schöne Balladen in die die Leute, so wie Du ja auch sagtest, sich ihren Teil hineininterpretierten ... Und es gab da, wie überall, auch Schrott, ich denke dabei z.B. an „Aus Brüsten groß und schwer, da kommt das Leben her ...“ von Demmler ursprünglich für das „Weiße Gold“ geschrieben ... –lächel- Ich habe ihn schon erwähnt, weil ich schätze und achte ihn ungemein, Kerth macht heute Texte, die sich von den damaligen kaum unterscheiden, und sie sind brandaktuell. Das „Deutsch“ an sich, nun gut, als im Osten wegen der Forderung der Partei- und Staatsführung schon lange deutsch gesungen wurde, erfand man im NSW die „Neue deutsche Welle“, und auch Hansi und Andrea äußern sich ja auf deutsch .... –lächel- Die Sprache Deutsch scheint mir aber nicht unbedingt das entscheidende Kennzeichen des „Ostrock“ zu sein ... Wo sollte ich denn da den Gott Niemen, Omega usw. hinstecken?

Absolut gekennzeichnet wird „Ostrock“ durch die Qualität der Musiker, durch Ihre Ausbildung. In aller Regel war eine Voraussetzung für die Profipappe halt ein Abschluss oder ein Studium an einer Musikhochschule ... Gut, es ging auch anders, ich habe nie studiert ... Diese solide Ausbildung gab jedoch die Grundlage, dass die Leute ihr Handwerk beherrschten Aber man denke daran, Emerson ist Professor für Musik ... –lächel- So einfach scheint es dann auch wieder nicht zu sein! Also eigentlich kenne ich Jazz, Blues, Soul, Rock usw., „Ostrock“ in dem Sinne .... (Sieht man einmal von dem ab, unter den man, so er kurz genug war, schauen konnte, aber den gabs vom VEB Jugendmode ... –grins-)

Aber es wäre sicher außerordentlich interessant eine Diskussion zum Thema „Was ist Ostrock“ aufzumachen. Na schauen wir mal ...

Liebe Mary, nun muss ich mich aber auch bedanken, dafür, dass Du mich noch nicht zu den älteren Semestern zählst! –lächel- Da schwellt Stolz die Brust, denn wenn es nach meinen Vorgesetzten gehen würde, wäre ich schon längst Rentner ... Also ganz herzlichen Dank!!!

Und zum Thema habe ich wieder nichts geschrieben, WERBUNG ... Wie üblich, zum Thema komme ich nie ...

Einen lieben Gruß in die Meute

Hans

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#9

RE: Ostrock - Werbung allgemein

in Werbung für Ostrock-Konzerte, - Veranstaltungen 14.05.2008 21:51
von Mary (gelöscht)
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Mein Gott, so ein langer Beitrag!!!
Wodka (oder doch lieber Hans?!), das Glück so tief hinter die Kulissen zu sehen, hatte ich nie. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich seit 1974 diese Art Konzerte besuche... Ich kenne also das "Drumherum" seit langem, nur der Werdegang hinter den Kulissen blieb mir verborgen. Bei all den vielen Zeilen, bleibe ich trotzdem dabei, in der Marktwirtschaft, die wir nun mal seit fast 20 Jahren haben, muss man werben. Ob uns das nun gefällt oder nicht. Darum ging es ja hier in erster Linie. Alles andere, was Du schreibst (Dir müssen die Finger glühn...), ist superinteressant gewesen für mich. Und wer weiß, vielleicht beginnst Du auch mal einen Beitrag?! Kann ja sein, dann treffen wir (zwei Neulinge im Forum) uns wieder...
Mary

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#10

RE: Ostrock - Werbung allgemein

in Werbung für Ostrock-Konzerte, - Veranstaltungen 23.05.2008 16:33
von Wodka (gelöscht)
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Stimmt, zu Werbung habe ich nichts gesagt, ich verfehle halt immer das Thema ... –grins-

Und auch diesmal muss ich wohl ein wenig tiefer einsteigen, es fiel der Begriff Marktwirtschaft ...

... also es war die Zeit vor und nach der „Wende“, der nun wieder frisch verheiratete Kohl, die neue ist 44!, erzählte den Menschen etwas über blühende Landschaften, man hatte ihm noch nicht gesagt, dass man im Osten zu Kohlköppen nicht Blumen sagt, da studierte ich an der Fachschule für Eisenbahntransporttechnologie in Gotha, Außenstelle Eisenach, fern. Um allem vorzubeugen, ich wurde einige Zeit nach der Wende geext, bekam keine Freistellungen mehr zum Besuch der Lehrveranstaltungen, extern war kein Weg drin..... Und wir hatten da einen älteren Pauker, der gab vor der „Wende“ Ökonomie des Sozialismus respektive des Kapitalismus, danach hieß es dann wohl Betriebswirtschaftslehre oder so ... Eines Tages erschien er und sagte, also Leute ich verabschiede mich dann mal von Euch, ich wurde als Dozent an die Fachschule des Bundes (da studieren die Beamtenanwärter des Bundes, wenn sie in den gehobenen oder höheren Dienst wollen) berufen, ich unterrichte dort Betriebswirtschaft. (Ist eine feine Einrichtung, ich habe da zwar nicht studiert, aber ich war einmal als Gastdozent dahin geladen!) Wir schauten erst mal doof aus der Wäsche, er aber sagte, ich brauche mich doch nicht umstellen, nur ein paar Begriffe austauschen, kann sogar meine Materialien weiter verwenden ...

Soviel dazu! –grins-

Aber nun zur Werbung! Also erstens ist Werbung einfach scheiße, ich kann gar nicht soviel wegschmeißen, wie mir von dem Zeug in den Briefkasten gesteckt wird. Und auch das ganze Spamgelumpe ist ja Werbung! Zweitens kann man mit Werbung viel Geld verdienen, man denke z.B. daran, wie sich Google finanziert, viele Zeitungen und Zeitschriften, selbst wenn Einige hier sich abends im Chat vergnügen, der ist werbefinanziert. Und nicht zum Schluss, wenn ich werben will, dann ist das teuer! Denn ich habe ja behauptet, man kann damit viel Geld machen, also wollen die Leute, die Werbung „veranstalten“ auch solches sehen, und das nicht zu knapp.

Um erst einmal zu klären, was ist Werbung eigentlich, schauen wir einmal in Art. 2 a) der Richtlinie zu irreführender und vergleichender Werbung (2006/114/EG). Diese definiert Werbung als „jede Äußerung bei der Ausübung eines Handels, Gewerbes, Handwerks oder freien Berufs mit dem Ziel, den Absatz von Waren oder die Erbringung von Dienstleistungen, einschließlich unbeweglicher Sachen, Rechte und Verpflichtungen zu fördern“. Und man müsste nun noch verschiedene Bereiche unterscheiden, aber das ginge nun wieder zu weit, bleiben wir in der Betriebswirtschaft und verkneifen uns Ausblicke auf Brautwerbung und andere feine Sachen .... –grins-

Also da soll eine Mugge stattfinden, es soll geworben werden, denn wir haben ja festgestellt, Förderung muss sein! Dem Grunde nach aber steht die Frage, was soll eigentlich gefördert werden? Sicher der Kartenverkauf, also die Teilnahme von möglichst vielen zahlenden Kunden an diesem Ereignis. Und dafür ist nun einmal der Veranstalter zuständig. Aber den Veranstalter interessiert vordergründig nicht, wer da auftritt, der will Leute reinhaben! Und dann kommt die Sache mit den Kosten für die Werbung ins Spiel!

Schauen wir uns da doch einmal die Extreme an, da ist ein kleiner Kneiper, wenn er nachschiebt, da passen 150 Leute rein ... Der hängt 3 Plakate im Dorf auf, macht einen Hinweis auf seiner Webseite, so er eine hat, und verlässt sich ansonsten auf Mundpropaganda. Mehr gibt der Geldbeutel nicht her, er muss ja an dem Ganzen auch noch was verdienen .... Ähnlich sieht es auch bei Clubs aus. Aber wir wollen froh sein, dass es so etwas noch gibt!

Dagegen eine Freilichtbühne oder ein großer Saal. Da hängt dann an jedem 2. Baum im Ort ein Plakat, in den Nachbarorten auch, nur da eben an jedem 5-ten. Der Veranstalter schaltet Anzeigen in der örtlichen Presse, vielleicht auch übergreifend, lässt ein paar Spotts bei Rundfunksendern laufen und wenn er einen kennt, dann kommt auch ein Hinweis im TV ... Er will ja auch volles Haus und damit es voll wird, da muss er das Ganze bekannt machen. Und wenn dann der Vorverkauf nicht läuft, da sagt er das Ganze ab! Außer Spesen, nichts gewesen!

Nun haben sicher auch die Künstler Interesse daran das der Saal voll wird, das Management oder gar Veranstaltungsagenturen! Aber da kommt an Werbung nicht soviel rüber! Webseiten, Hinweise bei anderen Veranstaltungen, gut die Plakate liefern sie auch .... Im Gegenteil, es gab, wie schon angedeutet, auch „Manager“ die haben anderen Webseiten verboten Termine zu veröffentlichen .... Es gibt auch genügend Künstler, die pflegen persönliche Kontakte zum Publikum, da geht man dann gerne hin, fährt auch einmal ein Stück weiter, das spricht sich auch rum ... Leider scheint es so zu sein, dass je „professioneller“ sie sein wollen, dieser Aspekt immer weiter zurück tritt ...

Werbung muss sein, nun gut, dass mag ja stimmen, Veranstaltungen müssen ja erst einmal bekannt gemacht werden, sonst kann ja keiner hingehen ... Aber Werbung ist teuer und man muss damit auch die Zielgruppe erreichen! Und da kommt wohl ein weiteres Problem auf uns zu! Es wurde weiter vorn der Nachwuchs angesprochen ... Wer von den Jungen kennt denn heute noch die Musik unserer Helden? –lächel- Ausnahmen bestätigen da die Regel, damit es nicht massive Proteste hagelt! Auch schon angesprochen, Radio- und TV-Sender bringen die Musik kaum, bringt „angeblich“ nicht die Einschaltquoten, die zur Vermarktung gebraucht werden, also zahlende Werbekunden ... (Wo wir wieder bei der segensreichen Werbung wären ...) Und wenn wir ehrlich sind, bei unseren alten Säcken werden die Teens eher selten in Ohnmacht fallen, als bei gepuschten Jungstars, auch Teddybären, Plüschtiere und in extremo Schlüpfer landen da seltener auf der Bühne. Da zieht dann auch ein noch so großes Plakat nicht!

Schnell noch einmal zurück auf die Ausnahmen, damit kein falsches Bild entsteht! Ich habe selbst durch die Fisslerseiten immer wieder Kontakt auch mit jüngeren, die mir erzählen, wie sie Reini erlebt haben, wie er sie beeindruckte und eine Liebe zu dieser Musik in ihr Herz legte! Aber das sind wenige ...

Also von Betriebswirtschaft habe ich keine Ahnung, Werbung an sich mag ich nicht, ist wohl doch kein Thema für mich so richtig ...

Also Schluss damit

Hans

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#11

RE: Ostrock - Werbung allgemein

in Werbung für Ostrock-Konzerte, - Veranstaltungen 08.06.2008 15:55
von Mary (gelöscht)
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Danke fürs "Schlusswort" ;-)
Irgendwann, irgendwo werden auch wir uns mal begegnen, denn einige Gemeinsamkeiten gibt es trotz allem -
Bis dahin.
Mary

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