#1

Das besondere Konzert: SBB am 31.5. in Berlin

in Ostrock allgemein 14.05.2008 19:05
von HH aus EE (gelöscht)
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„ SUCHEN, BRECHEN, BAUEN „ – das sind die drei Synonyme, die für SSB stehen – Search, Break, Build.
Die drei Herren Skrzek (keyboards), Piotrowski (drums) & der Grieche Anthimos (guitar) waren in den frühes 70ern die Begleitband des legendären Czeslaw Niemen. Dieser hatte deren Talente erkannt, um sie für seine ureigene Musik nutzbar zu machen. So standen sie auch 1973 für ein Konzert auf der Bühne des Dresdner Kulturpalastes und ich hatte das Glück, dieses Ereignis live und in Farbe zu erleben ( http://www.ostmusik.de - Niemen ).

Doch schon schnell fühlten sich die drei Individualisten bei Niemen eingeengt und so war die Trennung ein folgerichtiger Schritt. Fortan sollten die drei Ausnahmemusiker, die sich bis heute der Einordnung in irgendeine Schublade entziehen, als SBB ihren musikalischen Weg gehen.

Die Musik war eine Melange aus übereinander gebauten Keyboard-Kaskaden- und Klanggeweben, die sich auf einem Rhythmischteppich nicht selten zu überlangen Rocksuiten ausweiteten. Dabei benutzten die Musiker quasi alles, was sich bei dieser fremdartigen Fusion aus Rock, Swing, Jazz sowie Griechischen und Südlichen Klängen miteinander zu einer neuen Synthese verweben ließ. Das klang bei jedem Konzert anders, wie auch jede neue LP einer anderen Inspiration folgte.

Der so entstandenen Sound war kompakt und so dicht, dass es noch heute schwer fällt, die instrumentalen Finessen und stilistischen Vielfältigkeiten aller Instrumente herauszuhören und für sich selbst zu genießen. Anders formuliert - SBB waren, ebenso wie Niemen, ihre Zeit um Längen voraus.

SBB sind wieder da!
SBB werden am 31. Mai im Berliner Columbiaclub ein Konzert geben!

Wer immer etwas besonderes hören und erleben möchte, wer hinterher sagen können will: „ Ich war dabei. „ - der sollte nicht lange überlegen. Dies wird mit Sicherheit eines der absoluten Konzert-Highlights dieses Jahres ( und ich werde wegen eines selbst eingerührten Klassentreffens nicht dabei - Mist! ).


...... und hier mein Beitrag damals zu Czeslaw Niemen bei Ostmusik.de:


Zum 4. Todestag von CZESLAW NIEMEN

Es war der 19. Mai 1973 und ich knackige 24 Jahre jung. An jenem Tag hatte ich das Glück, einen Künstler live zu erleben, der damals schon Kult war: Czeslaw Niemen.

Der war in diesen Jahren eine Leitfigur nicht nur Polnischer Rockmusik oder solcher aus dem Osten. Seine Platten standen weltweit gleichberechtigt neben denen von Blood, Sweat & Tears, Deep Purple und Pink Floyd . Die LP „ Enigmatic „ – die mit dem berühmten Kerzencover - hatte ich damals im Haus der Polnischen Kultur in Berlin gekauft.

Eines Tages waren ganz neue und andere Töne bei DT64 ( für Uneingeweihte: Der Jugendsender der DDR ) zu hören. Da legte einer so wahnsinnig viel Seele, Herz, Gefühl und Poesie in seine Musik, dass einem schwindlig vom Hinhören wurde – und – der machte das in Polnisch! Das war ungewöhnlich, erstaunlich und fremd; das war unerhört!

Nun saß ich also mit Freunden im Saal des Dresdner Kulturpalastes und das Konzert begann - laut, verdammt laut!
Im zuckenden Licht der Bühnenspots konnte man die drei Musiker erkennen, die spätere Jahre als SBB Furore machen sollten. Drums, Bass & Gitarre peitschten sich gleich zu Beginn einem wahren Soundgewitter, um den Bühnenauftritt des eigentlichen Stars anzukündigen.
Niemen betrat von rechts kommend die Bühne; in giftgrüner Hose und leicht tänzelnd, die Arme in die Höhe gestreckt und die langen schwarzen Haar im Nacken - dieses Bild werde ich wohl nie vergessen und bis heute habe ich nichts vergleichbares gesehen. Hinter seiner Hammond stehend jagte er dann Akkorde in den Saal und über all dem erklang diese so einzigartige und helle Stimme, von der man manchmal nicht glauben wollte, dass sie von dem Mann da unten kam. Ich hatte die „Rhapsody für Bem“ und sein „Jednego Serza“ noch im Ohr und war dann schon ziemlich überrascht, was dann tatsächlich von der Bühne donnerte.
Der Sound war noch kompakter als das, was ich von den Platten in Erinnerung hatte. Niemen sang überraschender Weise Englisch und faszinierend fremd. Es ahnte damals wohl keiner im Saal, dass wir gerade Material aus seiner CBS-Scheibe „Ode To Venus“ zu hören bekamen. Niemen und seine Musiker zelebrierten diese neuen Songs förmlich und streckenweise hatte ich den Eindruck, dass von der Bühne eine Soundwalze in den Saal strömte, fremdartig und betörend zugleich. Musik mit dieser Wucht und Aggressivität hatte ich bis dahin live noch nicht erlebt. Es gab Momente, Niemen kippte des öfteren die Hammond nach vorn, da blieb mir förmlich das Staunen in der Kehle stecken.
Da traute sich einer, im Konzert nur neues, noch unbekanntes, Songmaterial zu spielen und dabei seine Hits einfach unten den Tisch fallen zu lassen. Da forderte einer sein Publikum zum Hinhören auf und nahm jeden einzelnen mit auf diese Reise in das ungewisse Neue.

Was für mich bleibt und noch immer ungeheuer tief in meiner Erinnerung steckt – ich hatte ein seltenes Konzertereignis miterlebt und die tatsächliche Tragweite erst viel später begriffen. Die LP „Ode To Venus“ konnte ich mir erst in der Zeit nach 1989 zulegen.
Das Autogramm von Niemen allerdings, das er mir damals hinter dem Palast auf dem Parkplatz auf die Eintrittskarte gab, habe ich noch heute und diesen kleinen Schatz und die persönliche Begegnung mit Czeslaw Niemen hüte ich, wie die Erinnerung an diesen einmaligen Abend.

Niemen starb am 17. Januar 2004 im Alter von 65 Jahren still und von der internationalen Rockwelt eher unbeachtet.
Was bleiben wird ist seine Musik und die Erinnerungen in den Herzen und Gedanken vieler Musikliebhaber an eine kreative, schöpferisch unruhige Musikerpersönlichkeit, an einen Künstler, dem musikalischer Inhalt und textlicher Anspruch stets vor Kommerz und Erfolg gingen.
Angefügte Bilder:
NIEMEN,_NL,_1979_800x1015.jpg
SBB_800x448.jpg
zuletzt bearbeitet 14.05.2008 19:34 | nach oben springen

#2

RE: Das besondere Konzert: SBB am 31.5. in Berlin

in Ostrock allgemein 16.05.2008 08:00
von Lissi (gelöscht)
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Danke Hartmut für den klasse Beitrag,denn Czeslaw Niemen ist mir ein Begriff.
Geniale Mugge kann ich nur sagen...

Lissi

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#3

RE: Das besondere Konzert: SBB am 31.5. in Berlin

in Ostrock allgemein 30.05.2008 19:32
von HH aus EE (gelöscht)
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Also Leute, und vor allem die in und um Berlin!!

Es gibt sicher an diesem Wochenende eine Menge zu erleben, keinen Zweifel. Trotzdem noch einmal mein Hinweis:

Am 31. Mai sind in der Berliner Columbiahalle/ColumbiaClub SBB zu erleben. Das ist Musik fern vom Main-Stream und weit weg von jeder Kommerzialität - einfach nur saugeiler Rock von 3 Ausnahmemusikern. Die alten Platten klingen heute noch wie gerade erst produziert und die neue, " The Rock ", gibt's morgen sicher zu kaufen und die Unterschriften der drei Herren ( ein Pole, ein Grieche, ein Ungar ) gleich noch dazu. Da bin ich mir ziemlich sicher.

Und weil ich leider, leider nicht dort sein kann, hoffe ich sehr, daß sich nach dem Konzert hier einer austobt und mir den Neid in's Gesicht treibt!
Und einer sollte mir auch eine unterschriebene Autogrammkartre mitbringen, bitte! Ich gebe einen aus .

Schönes Wochenende EUCH allen.
Ich treffe morgen meine Klassenkameraden, mit denen ich vor 40 (!!) gemeinsam das Abitur bestanden habe.

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