#1

In Erinnerung an einen Deutschen LORD - LORD ULLI

in Off-Topic 12.10.2008 10:56
von HH aus EE (gelöscht)
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In Erinnerung an einen Deutschen Lord

Wir hatten zwar einen Fernseher zu Hause, aber Westfernsehen war uns damals nicht möglich. Es gab aber Schulfreunde, die erzählten da von einer Sendung, in der man sonnabends Beatgruppen live erleben könne.
Eine meiner frühesten Erinnerungen an den Beat-Club sind diese fünf Herren mit der Prinz-Eisenherz-Frisur und den schwarzen Anzügen mit Rüschenhemden. Die wirbelten zu Ihrer Musik die Beine wie beim Cancan. Nur, daß es eben kein Cancan war, sondern Beat aus deutschen Landen und die Nummer hieß „Poor Boy“.

Wer diese Zeit in den 60ern miterlebt hat, weiß, was ich meine. „Poor Boy“ war so etwas wie ein Gassenhauer, den jeder mitsingen konnte, auch wenn er den Text nicht verstand und die Melodie nie gehört hatte. Mal ganz davon abgesehen, daß wir dazu wunderbar „rumhotten“ konnten und wahrscheinlich ist in diesen Stunden auch die Luftgitarre erfunden worden – und zwar von uns allen.
Lord Ulli war der Sänger der LORDS und das Mikro konnte er immer so schön von einer Hand in die andere werfen. Auf diese Weise entstand der Eindruck, es würde vor dem Sänger in der Luft schweben.

Die LORDS haben all die Wirren, Modemätzchen und Schubläden des Business überstanden. Selbst Punk, New Wave und Neue Deutsche Welle konnten ihnen nichts anhaben. Sie überlebten Tiefschläge in Form eines Autounfalls und stilistische Wechsel von „Greensleeves“ über „And At Night“ bis hin zu „Stormy“, ihrer sicher besten ganzheitlichen LP-Einspielung von 1989 mit dem Puhdys-Cover „1992“ („Doch die Gitter schweigen“).

Im Juni 1996 habe ich die LORDS zum ersten und einzigen Mal live erlebt. Das war in Annaburg, anläßlich des jährlichen Heimatfestes des kleinen Städtchens. Der Veranstalter hatte die Band als Höhepunkt gebucht.
Als ich vor dem Konzert mit Freunden über den Schloßhof schlenderte, bemerkte ich die fünf Herren, die in ihrer „Bühnengarderobe“ quer über das Veranstaltungsgelände zielsicher in Richtung Bierstand liefen. Ich habe mich damals einfach daneben gestellt , Lord Ulli angesprochen und von meiner Jugend- und Pennezeit mit der Schul-Combo und der Musik der 60er erzählt. Gemeinsam haben wir unser Bier getrunken und über die „alten Zeiten“ geredet , während ich den Idolen meiner Jugendzeit in die vom Musikantenleben gestalteten Gesichter sehen konnte.
Natürlich haben sie alle ihre Unterschriften auf das Cover einer meiner LORDS-LP’s geschrieben. Dieses Heiligtum hat seit Jahren einen besonderen Stellenwert in meiner Sammlung.
Diese Selbstverständlichkeit, sich einfach unter’s „Volk“ zu begeben, Kontakte zu ermöglichen und auch zuzulassen, sind die besonderen Höhepunkte eines Fanlebens. Leider erlebt man so etwas heute immer seltener.

Das Konzert war der Hammer! Ich fühlte mich in Beat-Club-Zeiten zurückversetzt und habe all die Gassenhauer und Rock’n’Roll-Klassiker („Gloryland“, „Have A Drink On Me“, „Shakin’ All Over“, „Poison Ivy“) mit einem Bier in der Hand mitgegröhlt.
Lord Ulli sagte damals, daß die Band wohl bis zum Ende ihrer Tage auf der Bühne stehen werde. Am besten wäre es wohl, so Lord Ulli fast wörtlich, auf den Bühnenbrettern einfach umzufallen und das wär’s dann…………

Im Verlauf ihrer Tour „40 Jahre Lords“ spielte die Band drei Jahre später am 9. Oktober 1999 in Potsdam. Auf der Bühne erleidet Lord Ulli einen Schwächeanfall und stürzt so unglücklich auf die Bühne, daß er sich eine Schädelfraktur zuzieht. Am 13. Oktober verstirbt der Leader und Sänger der LORDS an deren Folgen im Potsdamer Krankenhaus. Es ist nahezu genau das eingetreten, was er öfter mal auf der Bühne ausgesprochen hatte…

Die LORDS gibt es immer noch! Die Band und ihre Musik bestehen jetzt fast 50 Jahre und nur die amerikanischen VENTURES sowie die englischen SHADOWS haben eine ähnlich lange Historie aufzuweisen.
Die Herren ZAMULO, BAUER, TERSTAPPEN & LIETZ scheren sich einen Dreck darum, was gerade irgendwo „angesagt“ oder „Mode“ ist.
Sie machen ehrliche Musik, ohne Schnörkel und Mätzchen und sie sind noch immer dort , wo sie schon immer waren – auf den Bühnen des Landes. Nicht als ein Stück deutscher Beat- und Rockgeschichte, als lebende Rock-Fossile zum Bestaunen, sondern noch immer als Musiker und Kumpels. So hatte ich sie mir in meiner Jugend immer vorgestellt und so habe ich sie geliebt. Genau so erlebte ich sie in Annaburg und genau so werden sie bleiben, die LORDS…..“Que Sera, Sera“…..“Was sein wird, wird sein.“
Angefügte Bilder:
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zuletzt bearbeitet 12.10.2008 10:58 | nach oben springen

#2

RE: In Erinnerung an einen Deutschen LORD - LORD ULLI

in Off-Topic 12.10.2008 12:30
von Bernd (gelöscht)
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Gestern wurde die "Muck"-Sendung "Damals war´s" im MDR wiederholt. Sicher nicht zufällig gab es gerade in diesen Tagen das Jahr 1989 zu "erraten". Die LORDS mit den PUHDYS vereint auf einer Magdeburger Bühne.
Die Lords sangen das PUHDYS-Cover "Doch die Gitter schweigen", die PUHDYS coverten im Gegenzug das "Poor Boy". Maschine und seine PUHDYS vereint mit Ulli und seinen LORDS auf der Bühne. Und das sollte ja der Abschied der PUHDYS werden... Wir wissen ja nun inzwischen, daß auch sie weiter machen.

Danke an Hartmut für diese wirklich sehr inhaltsreichen Zeilen und Informationen. Einiges war auch mir unbekannt. Aber wer in den 60-ern und 70-ern "groß" wurde, kam neben BEATLES, STONES, HOLLIES auch nicht an den LORDS vorbei.

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#3

RE: In Erinnerung an einen Deutschen LORD - LORD ULLI

in Off-Topic 16.10.2008 09:38
von PUHDYSFANS Mansfelder- Land | 446 Beiträge | 446 Punkte

Die Lords auch für uns war es ein Ereignis und wir hätten uns es nie träumen lassen die Lords mal live zu sehen .Welches Jahr das war wissen wir nicht mehr genau . Aber es könnte auch so um 1996 gewesen sein . Das Konzert fand in Sangerhausen statt . Da bekam man schon etwas Gänsehaut wie Lord Ulli der leider viel zu früh verstarb solche Songs wie Poor Boy ,Poison Ivy , Greensleeve oder Gloryland sang . Und der Hammer wir saßen vorm Konzert beim Essen zwei Tische weiter als die Lords .


PS: Das Lord Ulli ein guter Freund von Maschine war das weiß ja bestimmt jeder Puhdysfan .


Warum hießen die Lords eigentich The Lords ?

Lord Ulli ( Ulli Günther ) bekam eine Melone geschenkt und er lief so auf Partys rum und sein Spitzname wurde der Lord .
Und so einfach entstanden 1959 die Lords ( damals hießen sie noch die skiffle Lords )

Da fühlt man sich gleich 30 Jahre zurückversetzt als das so in einem Alter von 14 begann sich für die Welt der Rockmusik richtig zu interessieren . Und daran wird sich auch nichts ändern bis zum letzten Tag Musik Forever



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#4

RE: In Erinnerung an einen Deutschen LORD - LORD ULLI

in Off-Topic 25.12.2008 18:47
von Mary (gelöscht)
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Mancher hat über die Feiertage nix anderes zu tun...
Habe in meinen Raritäten eine Autogrammkarte gefunden, die ich nun, wie könnte es anders sein, hier einstelle...
Angefügte Bilder:
lords.jpg
zuletzt bearbeitet 25.12.2008 18:49 | nach oben springen

#5

RE: In Erinnerung an einen Deutschen LORD - LORD ULLI

in Off-Topic 10.10.2009 18:36
von Willi
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Hallo Mary, verkaufst Du diese Autograkmmkarte?

Liebe Grüße, Willi

Zitat von Mary
Mancher hat über die Feiertage nix anderes zu tun...
Habe in meinen Raritäten eine Autogrammkarte gefunden, die ich nun, wie könnte es anders sein, hier einstelle...

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#6

RE: In Erinnerung an einen Deutschen LORD - LORD ULLI

in Off-Topic 11.10.2009 04:33
von Mary (gelöscht)
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Oh Willi, nein, niiiiiiiemals!
Das wäre erst über meine Kids möglich, wenn die mich mal beerben...

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