#1

"Russische Lieder" - CZESLAW NIEMEN zum 5. Todestag

in Ostrock allgemein 29.01.2009 14:59
von HH aus EE (gelöscht)
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„Russische Lieder“ - NIEMEN zum 5. Todestag

CZESLAW NIEMEN wurde in einem kleinen Russischen Dorf nahe dem Fluß NIEMEN geboren. Die Begegnung mit Russischer Folklore, mit Musik und der Denkweise der einfachen Menschen ist ihm sinnbildlich mit in die Wiege gelegt worden.

NIEMEN wurde in Polen einer der ersten Pop-Stars und später ein Gleichnis für Rockmusik in Verbindung mit Rockpoesie auf allerhöchstem Niveau. Der Künstler schuf nicht nur einmalig schöne und selten widerborstige Musik, er blieb auch bis zu seinem viel zu frühen Tod ein Paradiesvogel der besonderen Art.

In seiner musikalischen Karriere gab es ständig Überraschungen und immer wieder Brüche, Aufbruch und Suche nach neuen Ufern, nach Wahrhaftigkeit.
Es wundert also auch überhaupt nicht, daß NIEMEN’s Erinnerungen an die schöne Kindheit im Dorf, an den Fluß und die Weiten der Russischen Landschaft ihren Widerhall auf einer Platte finden mußten. Im Jahre 1973 veröffentliche er bei CBS seine „Russischen Lieder“.

Die Platte, zunächst nur im Westen veröffentlicht, hinterließ beim Käufer und der Musikfachwelt wohl eher Schulterzucken. Zu groß war der Spagat von der gerade in Englisch veröffentlichen „Ode To Venus“ zu den einfach Volksliedern Russischen Ursprungs. Wer allerdings den Zufall einer DDR-Schulkarriere hinter sich hatte, konnte ob seiner angebüffelten Russischkenntnisse eine Menge mit den Liedern anfangen – vorausgesetzt, er war glücklicher Besitzer der Scheibe.

Ich kann mich Dank eines engagierten Russischlehrers sehr gut an die besungenen Weiten Russischer Steppe („Stepj Da Stepj Krugom“) sowie an die Schönheit des unendlichen Baikal („Slawnoje More…“) erinnern. Es hat auch was, diese zeitlose Folklore zusammen mit anderen in einem großen Chor zu singen. Mein nachträglicher Dank gilt Horst Paulick und Renate Trimolt, zwei Ausnahmepädagogen.

NIEMEN entführt uns mit der Platte in die Gefühlswelt des fernen Russischen Landes („Sabajkal“) und läßt den Hörer an den Freuden der Menschen teilhaben („Das Glöckchen klingt leise“). Man kann NIEMEN spartanisch von einer Gitarre begleitet singen hören („Kolokoltschik“) und spürt die Sehnsucht, die aus der einmaligen Stimme strahlt. Man hört ihn von Lebensfreude singen („Jolotschki, Sosjonotschki“) und stellt verwundert fest, daß die bekannten Lieder diesmal ganz anders klingen. Nichts da von Sentimentalitäten, die sich sonst immer einstellen, wenn man an Russische Volksweisen denkt.
NIEMEN hat den Blues, den Russischen Blues und tief drinnen eine ebensolche Seele – „Soul po Russki“ -, wer versteht, was ich meine . Er gibt jedem dieser Folklore-Perlen mit seiner einzigartigen Stimme einen ganz besonderen Glanz und der gräbt sich noch immer tief in mein Herz ein, wenn ich allein für mich, vielleicht mit einer großen brennenden Kerze auf dem Boden, die Scheibe genieße.

Mich überkommt eine besondere Freude, diesen Mann live in Dresden erlebt zu haben.
Ich spüre eine leise Wehmut, wie erst kürzlich bei CÄSAR – was hätten beide uns noch alles schenken können!

CZESLAW NIEMEN starb am 17. Januar 2004 im Alter von 65 Jahren still und von der internationalen Rockwelt, der er so unendlich viel besonderes geschenkt hat, eher unbeachtet und ungewürdigt.
In seiner Heimat Polen ist er noch heute eine verehrte Persönlichkeit. Uns, die wir mit seiner Musik aufgewachsen sind und denen er bis heute Kult ist, wird er in den Herzen und Erinnerungen bleiben als eine kreative Musikerpersönlichkeit, als ein Ausnahmekünstler, dem musikalischer Inhalt und textlicher Anspruch stets vor Kommerz und zweifelhaften Charterfolgen gingen.

Wer also fernab vom aktuellen Trend mal wieder eine CD kaufen möchte, kann sich auf ein echtes „Abenteuer“ einlassen. Der bestelle sich im Handel oder bei Amazon die „Russischen Lieder“ oder werde bei Ebay fündig. Es lohnt allemal, entweder der Erinnerungen wegen oder als musikalische Entdeckungsreise in Sachen Weltmusik.



Angefügte Bilder:
Cz.Niemen_Russ.Lieder_800x565.jpg
Niemen_-_Neues_Leben_800x1129.jpg
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#2

RE: "Russische Lieder" - CZESLAW NIEMEN zum 5. Todestag

in Ostrock allgemein 29.01.2009 15:09
von Bernd (gelöscht)
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Ich habe lange überlegt, was C.N. eigentlich mit der russischen Sprache verbindet. Ich habe ihn - dem Namen nach - immer für einen Polen gehalten. Nun bringt Hartmut uns Licht ins Dunkel und klärt auch diese Frage.
Dank Wodka konnten wir ja eine Hörproben genießen. Ich muss sagen, daß es musikalisch nicht mein Fall war (mag eben Jazz, Blues und Soul ni so), aber wohlweislich darüber, daß dieser Musiker über Russland hinaus - besonders in Polen - als legendärer Musiker galt und gefeiert wurde. Seine Einfachheit, abseits des Kommerzstreams sich gegenüber der heutigen Musiklandschaft bedeutend abhob.
Danke Hartmut , für diese Zeilen und Einblicke !

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#3

RE: "Russische Lieder" - CZESLAW NIEMEN zum 5. Todestag

in Ostrock allgemein 29.01.2009 18:02
von Mary (gelöscht)
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Wieder einer dieser für mich wertvollen Berichte, die ich immer sehnlichst erwarte und regelrecht verschlinge...
Kann ich doch dadurch nachholen, lernen und wenigstens teilweise verstehen, was mir in jungen Jahren "verloren ging", einfach weil mein wirkliches Interesse an Musik, besonders am Ostrock, viel später begann. Sicher habe ich diese Musik gehört, manche geliebt, auf den unmöglichsten Aufnahmegeräten in schlechtester Qualität aufgenommen..., aber über Ursprung und Zusammenhänge machte ich mir keinerlei Gedanken. Das begann viel später.
Die LP`s von Czeslaw Niemen wurden damals auch bei mir zu Hause regelmäßig "angeschleppt" und "aufgelegt", so dass ich am Hören nicht vorbei kam. Nein, ich wurde dadurch kein Czeslaw Niemen Fan, heute würde ich sagen, ich war "nicht reif genug" dafür.
Nun will ich keinesfalls behaupten, dass ich das heute bin , aber ich bin auf der Suche, am Aufarbeiten, da komme ich an ihm nicht vorbei...
Danke Hartmut für einen weiteren wertvollen "Mosaikstein zu meinem Ostrockbild".

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#4

RE: "Russische Lieder" - CZESLAW NIEMEN zum 5. Todestag

in Ostrock allgemein 29.01.2009 18:40
von Kundi (gelöscht)
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Klasse, das war wieder Musikgeschichte zum Anfassen.
DANKE!!

LG Kundi

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