4. Juli 2009 Rocknacht Neustadt schrien zahlreiche Plakate, Flyer und Werbezettel, wohin man auch sah…
Ich habe Schöbels Schlager im Ohr, höre ihn singen: „die Fans sind eine Macht, wer keine hat gut’ Nacht…“ Nein, „gut’ Nacht“ brauchten Monokel Kraftblues und Renft nicht sagen. Hier in Langburkersdorf bei Neustadt/Sa. wurde bewiesen, es gibt sie noch, die Fans! Und manch einer betreibt sein „Fansein“ mit unendlich viel Mut zum Risiko, danke Axel und Tina!
Eine gemütliche Busfahrt wurde mein Auftakt zur Rocknacht. Ich wollte diesmal alles entspannt angeh’n, hatte eine Übernachtung gebucht, die ich dank des freundlichen Herrn vom „Cafe am Schlosspark“ auch ohne Irrungen erreichte. Dort angekommen begann es zu regnen. Ich hatte noch genügend Zeit etwas zu relaxen, sozusagen den Frühdienst, den ich ja auch an dem Tag bewältigen musste, zu verdauen. Dann hielt mich nichts mehr in der Unterkunft, ich war neugierig und wollte bekannte Gesichter seh’n. Es gibt Wunder, langsam glaub ich dran, denn als ich zur Kulturscheune aufbrach, klärte sich der Himmel, der Regen versiegte nach und nach. Wenn das kein gutes Omen war!
In der Kulturscheune, einem wunderschönen rustikalen Gebäude (ideal für derartige Events, wie ich finde), herrschte noch reges Treiben, als ich eintraf. Axel, Tina wirbelten mit zahlreichen Helfern herum und waren sichtlich aufgeregt. Es war ihr Event! Sie hatten diese Rocknacht ins Leben gerufen und wir, einige Freunde, haben versucht, sie dabei durch „diverse“ Werbeaktionen zu unterstützen.
Der Soundcheck war in vollem Gange, ansonsten nur vereinzelt bekannte Gesichter…, schade, die Vorfreude konnte ich also nicht sofort teilen.
Dann nach und nach trafen sie ein, die Freunde, mit denen ich schon so viele Konzerterlebnisse teile, mit denen ich mehr als einen Daumen drückte für ein gutes Gelingen der Rocknacht, die Fans mit Herz eben, Kundi, Lissi, Tina, Melli, Alex, Petra… und viele mehr und sogar Wodka mit Sohn Martin. Die beiden hatten eindeutig den weitesten Weg auf sich genommen.
Paddys Bluesband, für mich bisher völlig unbekannt, eröffnete den Konzertabend, wärmten die Herzen vor, heizte mit gut gespieltem Blues die Anwesenden langsam an. Patrick Wendler zuständig für Gesang und „Mundi“ schien unermüdlich in seinem Bewegungsdrang, sprang spielend von der Bühne, durchkreuzte die Halle und kletterte bis in die Dachbalken der Scheune. So etwas hat das alte Gemäuer sicher noch nicht erlebt. Sein Animationstalent ist enorm, sicher auch ein Grund dafür, dass er nach dem Auftritt weiter durch den Konzertabend führte. Sie spielten eine gute Mischung von „International“ bis „Ostblues“, ließen Titel von Monokel und Renft an jenem Abend allerdings aus, die sollten ja dann im Original erklingen. Paddy’s Bluesband sind „normalerweise“ 7 Musiker, wie ich auf der Homepage las, traten hier in „abgespeckter“ Form auf, mit Gitarre, Bass, Mundi und Gesang… und dazu Patrick Wendlers Sohn, zuständig für den Rhythmus an jenem Abend.
Diese „abgespeckte Form“ einer Band setzte sich fort bei Monokel Kraftblues. Nach einer Pause, die angefüllt war mir Gesprächen, Essen Trinken und herzlichem Lachen, betraten „Lefty“, „Kuhle“ und „Dicki“ die Bühne, altbewährt erklang dazu „Berliner Luft“…, nur waren die drei an diesem Abend um vieles aufgeregter als sonst. Sie mussten ohne Pitti am Bass auftreten. Dieser wurde „ersetzt“ von Kuhle. Dadurch fehlte im Sound eine Gitarre und Dickis Herz „flatterte“ zusätzlich, weil er nicht an den eigenen Drums sitzen konnte. Er benutzte Delles und benötigte dafür sicher mehr als ein Kissen *g*. Doch „Monokler“ sind Vollblutmusiker, die den Blues in Leib und Seele haben und sie haben Fans (besonders in der ersten Reihe), die sie niemals im Stich lassen. Titel um Titel von „Berlin“, „Immer noch da“… bis „Lübben City“ erklangen und begeisterten die Fans, die auch an diesem Abend die Arme ausbreiteten und kräftig mitsangen, „… wir wollten fliegen, fliegen jede Nacht…“ Monokel, die Kraftblueser sind geflogen an jenem Abend, auch zu dritt hoben sie regelrecht ab und ließen die Fans tanzen. Das schafft nur Blues.
Eine Pause schloss sich an und die benötigte man auch, um die erhitzten Gemüter etwas abzukühlen, bevor Patrick Wendler von Paddy’s Bluesband, Renft ankündigte. Renft, Urgesteine des Ostens, die Band, die wie keine andere von „Verlusten“ gebeutelt wurde und trotz vieler „Abschiede weitergeht“. Heute hatten sie sich für einige Titel „Tastenverstärkung“ geholt, Gohlis am Keyboard. Ich hörte an jenem Abend „Die Flut“ zum ersten Mal live von der Bühne, kenne das Stück bisher nur von CD. Ich konnte mich der Begeisterung nicht entziehen…, Monster hat seinen Namen vor vielen Jahren zu Recht bekommen, gesanglich, mimisch… reißt er die Zuhörer mit, monstermäßig eben. Marcus, der „Basskran“ strahlt neben ihm reine Gelassenheit aus. Natürlich fehlten die Kulttitel wie "Gänselieschen" und "Der Apfeltraum" nicht..., beide wurden vom Publikum mitgesungen, das "Gänselieschen" euphorisch, den "Apfeltraum" träumte jeder auf seine Weise..., viele etwas stiller. Eine kleine Pause trennte den Auftritt der Band in zwei Sets und am Bühnenrand entdeckte ich endlich auch Axel, entspannt und Bier trinkend… *g*, das Publikum schrie nach Zugaben, die bereitwillig gegeben wurden. Monster, Delle, Basskran und Pitti ließen die Scheune beben. Ca. 500 Besucher genossen diese Rocknacht und waren beim Renftauftritt näher zusammengerückt.
Mich persönlich freut, auch dieser Abend verging nicht ohne ein paar gedenkende Worte. Monster tut das in einer Art, die ein Gedenken zulässt, ohne in ein tiefes Loch zu fallen. Ich nahm für kurze Augenblicke meinen Kettenanhänger in die Hand, schickte „meinen“ Gruß „nach da oben“. Nichts wird sein, wie es war, aber es geht weiter…, muss weiter geh’n.
Ich weiß nicht mehr, wie lange Renft spielte, den Blick auf die Uhr habe ich mir bei Live-Veranstaltungen längst abgewöhnt, nehme einfach keinen dieser „nervigen Zeitanzeiger“ mehr mit. Genieße einfach.
Patrick Wendler schickte die Besucher in die Nacht, beendete die 1. Rocknacht in Neustadt. Ich wurde hellhörig, auf die erste folgt bekanntlich die zweite und wie ich von Axel erfuhr, die Musiker sind nicht abgeneigt, das Event zu wiederholen. Allen, die nicht dabei waren, kann ich nur empfehlen, macht euch auf, wenn es heißt, „2. Rocknacht in Neustadt“. Es lohnt sich!
Bis weit in den Morgen saßen wir plaudernd zusammen, genossen auch Renft-Bier, welches in dicken bauchigen Flaschen als Souvenir verkauft wurde, bis sich nach und nach die letzten Gäste verabschiedeten und endlich auch Axel und Tina zur kurzen Ruhe fanden. Ein Taxi brachte mich zur Unterkunft, der Schlaf war kurz. Etwas „neben mir“ saß ich danach in der Pension beim Frühstück, machte mich mehr müde als munter vor der Abfahrt noch mal auf zur Kulturscheune, wo ich tatsächlich Axel und Tina schon beim Aufräumen fand, konnte nochmals danke sagen, denn ohne den Mut der beiden hätte es diese „Rocknacht“ nicht gegeben.