Schöne Bescherung – die City-Weihnachtstour 2009
Kleine persönliche Vorbemerkung:
Das Jahr 2009 geht für unsere Familie mit einem nicht so schönen Ereignis dem Ende entgegen. Umso wichtiger ist es, zusammenzuhalten und sich eigene Highlights zu organisieren. Deswegen hatte ich mich entschlossen, auf das Berlin-Konzert von Stern & Karussell am 19.12. zu verzichten, die Einsparungen an Zeit und die Kosten stattdessen ins Familienbudget einfließen zu lassen.
Tommy, unser Sohn, hat am Nikolaustag Geburtstag und ist trotz seiner 12 Jahre ein eingefleischter City-Fan ( von wem er das nur hat ... ), ist textsicher, hat ein eigenes signiertes City-Shirt ( von der 2003-Tour, mittlerweile passt es ihm ). Was lag also näher, als ihm in den Nikolaus-Stiefel ein Ticket für das City-Dirk-Michaelis-Konzert am 7.12. in Cottbus in den Stiefel zu stecken. Klar, er ist jeden Tag auf dem Schulweg an diesen Plakaten vorbeigefahren, aber es war ja ein Wochentag, am nächsten Tag heißt es Schule, da war für ihn klar: schlechtes Timing – fällt aus. Umso größer war seine Freude !
Momentan gibt es viele Weihnachtskonzerte jeglichen Genres in der Stadthalle – viele Jäger sind des Hasen Tod, man kann den Euro eben nur ein einziges Mal ausgeben. Vielleicht ist das der Grund, dass ebenso wie bei den Prinzen die Halle nur halb gefüllt war ( obwohl – bei Michael Hirte war alles ausverkauft ... ) ?
Egal – Tommy, stolz und sichtlich aufgeregt, sowie seine Eltern waren überpünktlich in Cottbus, Zeit also, um am City-Andenken-Stand ( herrliches Wort ) mit dem seit Jahren vertrauten Typen zu quasseln und neuen Shirts zu kaufen ( endlich gibt’s den Tamara- Stern wieder in gängigen Größen ).
Pünktlich begann das Konzert mit einer Klangcollage aller gängigen Weihnachts-Stereotypen, von Glöckchenklingeln bis zum Kinderchor, Manne legte einen Keyboardton drunter und entwickelte daraus ein mir vertrautes Motiv – nanu, dieses Lied habe ich lange nicht mehr gehört...: Manchmal wünsch ich mir die Stille – hundert Jahre Einsamkeit, Dirk Michaelis sang ( die Oberstimme ), Toni enterte etwas später die die Bühne, sang die erste Stimme, beide ergänzten sich großartig. Toni begrüßte das Publikum und freute sich auf „Dirk Michaelis, den Schlendrian der deutschen Rockmusik“. Der Rest der Band wurde ebenso frenetisch begrüßt und rockten gemeinsam „Gott in Not“ ( D.M. 2007 ) Die sarkastische „Schöne Bescherung“ ( Dein Geschenk bin ich ) kannte ich noch von der Weihnachtskonzert-Tour mit Keimzeit 2003. Es folgten „Amerika“, ein Stückchen vom „Pfefferminzhimmel“, „Sag mir wo die Blumen sind“ ( reloaded nannte Toni diese Version ) und die „Sommerherzen“.
Natürlich haben wir wieder mit Toni alte deutsche Weihnachtslieder gesungen, er spielte die 12saiter und kicherte sich immer wieder in die richtige Verfassung ;-))
Einen Weihnachtsengel gabs nicht, dafür aber die 10-jährige Mara Powileit als Musikschülerin an der Geige. ( Bei diesem Familiennamen klingelt es bei mir, ich denke spontan an Schlagzeugerin Tina – Mona Liese, Gundermann, Haase – sowie an Sänger und Gitarrist Frank – Babylon, Morgentau.... ) Die Unplugged-Version von „Am Fenster“ mit 2 Violinen, Akustik-Gitarren und statt Schlagzeug ein Cajon – ja, das war schon was. Abgesehen von der Zugabe war das allerdings der einzige Kurzauftritt von Mara – hm, naja ...
Ein weiterer Konzertblock brachte City-Raritäten: „Für immer und immer“, „Morgenmond“ ( Keine Angst 1990 ), „Ganz leicht „
( Rauchzeichen 1997 ), „Du bist betrunken“ ( Weihnachstour mit Keimzeit ).
Dirk Michaelis erschien wieder und es begannen die wirklichen Gänsehaut-Minuten. Sein Lied „Stilles Dorf“ von 1992 ist für mich ohnenhin textlich und musikalisch eines seiner besten – Dirk begann allein am E-Piano, Manne setzt sanfte Keyboardakzente und sang eine wundervolle zweite Stimme, und so nach und nach entwickelte die Band ein zauberhaftes Arrangement – oh das hätte nie enden dürfen, ich war gefesselt ! „Die Nacht ist mein Feind“ und „Weihnachtszeit“ folgten, ehe Dirk ans Mikrofon trat, ganz leise von seiner Aufgabe als Botschafter der Deutschen Jose-Carreras-Leukämiestiftung sprach und dabei an seinen Freund, den erkrankten Gitarristen Thomas Maser dachte. Dann begann er a-capella das „Fischlein unterm Eis „....
Für mein Gefühl hat Dirk – wahrscheinlich aus der Aufregung heraus – die ersten Töne zu hoch angesetzt... aber er sang weiter, kämpfte hörbar um jeden Ton ( und der Refrain hats in sich !! ) , brachte das Lied unter höchstem Einsatz zuende und hatte danach sichtbar mit seinen Emotionen zu tun. Das sind Momente, wo du dir als Musiker oder als Gast wünschst : halte die Zeit an. Sekundenlange Stille im Saal, dann ein Aufbrausen und völlig verdiente Standing Ovations.
Ganz kurzes Durchschnaufen, dann rockte uns City doch noch : „Vater glaubte“, „Flieg ich durch die Welt“, „Sieben Tage lang“, „Susann“. Bei „Casablanca“ war Dirk wieder mit dabei, das funktionierte gut. Natürlich gabs am Ende von jedem die Überhits mit wechselseitigem Gesang : „Als ich fortging“ und „Am Fenster“.
Ein glückliches Team verabschiedete die mittlerweile ausgelassen tanzenden Leute ins Weihnachtsfest und ins neue Jahr.
Reichliche zwei Stunden ohne Pause, City nicht in weiß, keine üblichen Geburtstagsgesänge, keine Luftballon-Nummer, keine Abfolge der Greatest-Hits.
Die Absicht, hier etwas bewusst anders zu machen, ist für mich aber nicht immer aufgegangen. Es gab vor allem in der ersten Stunde Längen. Hinter mir sagte jemand lautstark: langweilig ! So empfand ich das nicht, aber mein Sohn wünschte sich irgendwann „ mal wieder was, das ich kenne und was nicht so lahm ist“.
Nicht immer passte der Wechselgesang, Toni klang erkältet ( besonders bei „Als ich fortging“ war mir seine Stimme zu schroff ). Aber es war der Tour-Auftakt, da wird sicher noch getestet oder umgestellt.
Wie immer bei City ( und das sage ich ohne rosarote Fanbrille ) war ich mit dem Abend sehr zufrieden. Markenzeichen für City-Konzerte sind zudem der glasklare live-Sound, da können viele was von lernen ! Sparsames Licht, viele LED-Säulen, schöne Gobos, dem Charakter der Veranstaltung angemessen.
Wir drei glücklichen und heiseren Leute verließen die Stadthalle und schließen uns gern den Wünschen der Musiker an : bleibt gesund & wir sehen uns alle im Jahre 2010 wieder bei City !