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ZWEIUNTERHALTER - mit Wandergitarre & Schüttel-Ei

in Off-Topic 13.10.2010 18:59
von HH aus EE (gelöscht)
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ZweiUnterhalter – mit Wandergitarre & Schüttel-Ei

Kinder, wie die Zeit vergeht! Diese Worte gingen mir durch den Kopf, als ich nach so vielen Jahren wieder den großen Saal des Kulturhauses in Plessa betrat. Hier also haben sie alle einst gespielt und hier habe auch ich mal „die Puppen tanzen lassen“. Dafür bin ich dem ehemaligen Chef, WALTER KOTTE, noch heute sehr dankbar.
Es ist das zweite Oktoberwochenende, das der Wiedereröffnung und ein 50jähriges Jubiläum für das Kulturhaus außerdem. Es wird gefeiert und unterschiedliche Veranstaltungen für alle Alters- und Zielgruppen warten auf Besucher. Meine Entscheidung heißt Rockmusik, obwohl der Name „ZweiUnterhalter“ eher auf gediegene Bar-Musik hindeutet, denn auf harte Gitarrenriffs.

Es war ein Publikum, das ich eher bei „Musik für Sie“ vermutet hätte, wenngleich die andere Hälfte von der Dorfjugend repräsentiert wurde. Aber ich fühlte mich weder der einen, noch der anderen Zielgruppe zugehörig und die neugierigen Blicke verrieten mir, dass andere auch so gedacht haben könnten. Was soll’s, inzwischen bin ich das gewöhnt und deshalb setze ich mich dann doch zielsicher an einen der Tische in Bühnennähe.

Auf der Bühne machen sich zwei Typen zu schaffen, die auch als Pat und Patachon aus der Stummfilmgeschichte durchgehen würden. Der eine groß und gewaltig in seiner Ausstrahlung, der andere klein und eher unscheinbar, um nicht scheu wirkend zu sagen. „Das kann ja heiter werden“, ging mir folgerichtig durch den Kopf und genau das, nur eben völlig anders, wurde es auch. Ich ahne nichts böses und auch nichts besonderes, als sich der Kleine an den mit Blumen und Blümchen zudekorierten Flügel setzt und in die Tasten greift. Die Töne kommen mir bekannt vor und während ich noch überlege, wo ich das einordnen soll, erlöst mich eine Stimme aus dem Grübeln, die scharf und verdammt nah an der vom GRÖHNEMEYER vorbei schrammt. „Halt mich“ klingt so verteufelt echt, dass man das Staunen im Saal meint mit den Händen greifen zu können.

Dann setzt sich dieser Kleine zum Großen auf einen Hocker und beide beginnen sie, sich als „Vor-Bänd“ zu outen und um dieses Thema herum zu blödeln. Ehe ich richtig über den Musikantenblödsinn nachdenken kann, kommen aus der kleinen und unscheinbaren Wandergitarre des großen Gitarrenriffs gedonnert. Die nächste Überraschung ist „Summer Of 69“. Jetzt kracht es richtig und so langsam beginne ich zu ahnen, was der eine für ein Gitarrenhexer und der andere für ein Stimmwunder ist. Der schließt die Augen und gibt einen Brian Adams, dass man meint, der müsse jeden Augenblick selbst erscheinen und den weiteren Gesangspart übernehmen.
Es folgen eine krachende Version von „Satisfaction“, die beiden trauen sich an „All Right Now“ von FREE und lassen die „Proud Mary“ von CCR durch den Saal schippern. Der Saal tobt und als das Riff von „T.N.T.“ aus der Wanderklampfe knallt, hat’s auch der letzte im Saal begriffen. Der Typ da oben macht den Brian Johnson der Australier mit Stimme und Mimik so täuschend echt, das haut den stärksten Neger um und das alles mit dieser einscheinbaren „Wandergitarre“! Wenn die bei denen „Vor-Bänd“ wären,…!!

Zwischen all diesen Songs, von denen man meint, sie nur mit einer Band covern zu können, wird heftig gestikuliert (Dio’s „Devil Horns“), gekonnt geblödelt (Klaviertastenputzer) und nach Stones-Manier die Zunge gezeigt. Das alles will als Situationskomik verstanden werden und man merkt, dass da so gut wie nichts einstudiert ist. Es ist einfach nur der blanke Spaß und die Lust, quer durch die Rock-Geschichte nachzuspielen, mit witzigen Ideen und vielen lustigen Gags.

Nach einer knappen Stunde als „Vor-Bänd“ gibt’s als Zugabe noch den Michael Jackson mit „Black And White“ als Duo-Version und dann lassen die beiden, Robert Carstens (der Kleine) und Jörg Zinke (der Große), den gut gefüllten großen Saal einfach staunend zurück und machen sich vom Acker. Das eigene Stück, dass ihnen das tobende Publikum noch abtrotzt, wird mit den Leuten im Saal gefeiert und dann ist nach 60 Minuten purem Rock’n’Roll endgültig Sense.

Noch ein paar Minuten bin ich sitzen geblieben, doch dann wurde mir klar, dass die „Vor-Bänd“ der eigentliche Knaller war und der nachfolgende Tanz mit einer Combo aus Sebnitz weder etwas für meine Ohren zu bieten haben, noch meinen Knochen gut tun würde. Ich mach’ mich also zufrieden davon und flüstere in Eure Ohren: Wenn ihr die „ZweiUnterhalter“ irgendwo im Netz oder auf der Straße entdeckt, dann geht auch hin und gönnt euch einen Happen Spaß mit einer Ladung toller Songs. Die beiden würden, bewaffnet mit Wandergitarre und Schüttel-Ei, sogar aus „Herzilein“ rauen ungeschliffenen Rock machen!

Angefügte Bilder:
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zuletzt bearbeitet 13.10.2010 19:00 | nach oben springen


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