#1

Flucht aus der Großstadt in die Natur... und Reise in die Vergangenheit...

in Off-Topic 22.10.2010 18:45
von Mary (gelöscht)
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Dem "Stamm" hier im Forum fällt auf, wenn einer vom "Stamm" sich mal für paar Tage "ausklinkt"...
Ich habe das für eine knappe Woche getan, ohne mich riesig zu verabschieden. Um ehrlich zu sein, ich konnte mir nicht recht vorstellen, wie es sein mag, ganz und gar ohne PC, ohne Internet - schob diese Gedanken ein wenig vor mir her..., denn bewusst blieben diese Utensilien daheim...
Irgendwie sagte mir mein Nervenkostüm, Du musst einfach mal abschalten, mal alles "technische" außen vor lassen und versuchen, einfach nur zu genießen, was Du in "natura" siehst.
Ich bin kein "Weltenbummler", wenn ich ehrlich bin, ich mag verreisen eigentlich gar nicht. Das habe ich wohl von meinem Papa geerbt, dem es ähnlich geht. Als Großstädter bin ich reges Leben um mich herum gewohnt. Aber vor vielen Jahren kam ich als "Landei" zur Welt, hin und wieder erinnert sich mein Körper an diese Wurzeln, sehnt sich nach diesem Ursprung. Ein paar Tage frei waren der ideale Ausgangspunkt, wieder einmal zurück zu schauen, die Seele baumeln zu lassen, Natur zu genießen. Sachsen, meine wunderschöne Heimat bietet "Reisemuffeln" wie mir ideale Plätze zum Abschalten. Ich muss also nicht erst ins Flugzeug steigen - Gott sei Dank...
Eine Ferienwohnung in der Sächsischen Schweiz war schnell gefunden, für "Faule" sogar mit "Nahrungsanschluss". Man lockt inzwischen auch hier mit allerlei Angeboten. So "schenkte" man uns, da wir mehr als 4 Tage bleiben wollten, das tägliche Abendessen...
Essen gehört zum Leben, ist aber für mich nicht der Dreh- und Angelpunkt des Tages. Ich wollte in die Natur und das konnte ich auch zur Genüge...
Das Wetter war die ersten Tage herbstlich, aber sonnig. Zahlreiche Wanderungen führten uns quer durch die Landschaft der Sächsischen Schweiz. Und ich stellte beruhigt fest, ich bin noch in der Lage, die "wahre Natur" zu genießen. Erkannte wieder einmal, wie wunderschön dieser Zipfel Erde ist, wo ich lebe.
Nur einen Tag machten wir "in Kultur", Königstein, die Festung sollte es sein.
Dort holte uns das Leben ein, Menschenmassen wälzten sich der Festung entgegen...
Kinderlachen klingt eigentlich herrlich, auch wenn man die Ruhe sucht, doch hinterlassen diese kleinen Menschen eine Spur aus "Mamba- und Knoppers-Papier" und die lieben Eltern nehmen dies einfach zur Kenntnis, stellen sich meine Nackenhaare auf...
Ich will zurück.., einfach zurück in den Wald..., irgendwohin, wo kein anderer Mensch unseren Weg kreuzt! Das taten wir dann auch, für den Rest der Zeit wanderten wir wieder auf wenig besuchten Wegen, fanden eine wunderschöne Herbstidylle, die kein PC und kein Fernseher zaubern kann, mag die Technik noch so weit fortschreiten. Natur ist Natur - einfach unersetzlich!

Als Kind war ich genau hier in dieser Gegend im Pionierlager… und irgendwie kamen mir seltsam sentimentale Gedanken. Ich weiß, es wird von vielen alles verteufelt, was die damalige Zeit angeht. Ich werde nicht in dieses Horn tuten, meine Kindheit war schön. Selbst die Zeit in einem Pionierlager war voller Abenteuer, Spaß und Erlebnisse.
Meine innere Stimme drängte mich, diese „Spuren meiner Kindheit“ zu suchen… Zu Fuß machten wir uns auf den Weg, ohne eigentlich wirklich zu wissen, wo genau das Lager war. Man hätte fragen können…, aber irgendwie hielt mich mein Stolz davon ab. Für Begleiter, die nicht auf Spurensuche in ihre Vergangenheit sind, ist solch eine Wanderung wohl eher Last als Lust…, tut mir leid. Nachdem ich im Ort eine „Pionierlagerstraße“ entdeckte, sie heißt tatsächlich noch so, glaubte aber auch meine „Hälfte“, dass wir irgendwie ans Ziel kommen. Bald fanden wir Hinweisschilder „Kinder- und Jugenddorf ERNA“… und irgendwann stand ich am Eingang zu meiner „Kinderferienzeit“. Man glaubt es kaum, dieses Lager, in dem ich vor Jahrzehnten einen Teil meiner Ferienzeit verbrachte, gibt es tatsächlich noch! Der Schaukasten „ERNA früher“ zog mich magisch an…, da stand auch der Name, den das Lager früher hatte "Pionierlager Klement Gottwald".
Das wusste ich nicht mehr, aber in Gedanken sah ich mich wieder…:
mit den anderen durch den Wald rennen,
schwitzen in fast fensterlosen Holzhütten, in denen wir wohnten,
ängstlich auf jedes Knistern lauschen bei der Nachtwanderung durchs Gelände…,
Ausflüge genießen, unter anderem auf die Felsenbühne Rathen,
Freundschaft schließen mit „sowjetischen“ Pionieren, da fällt mir ein,
gerade das brachte mir großen Ärger ein.
Ich hatte mein blaues Halstuch verschenkt und trug stolz das rote meines „sowjetischen“ Freundes…
Hier verstand ich zum ersten Mal die Welt nicht mehr…
Es ist lange her, man staunt, wie frisch die Erinnerungen sind, wenn man an frühere Orte zurück kommt… Die Holzhäuschen haben jetzt mehrere Fenster, die Spielplätze sind modern aufbereitet…, große Tafeln weisen auf zahlreiche Freizeitangebote hin…, alles ist bunt – fröhlich und trotzdem, ich möchte mit keinem der Kinder von heute tauschen. Ich halte meine Erinnerungen fest und bin froh, genauso mit diesen Erlebnissen gelebt zu haben.
Auf dem Heimweg ändert sich das Wetter, Wolken ziehen auf, erste Regentropfen fallen vom Himmel…, muss das sein? Wo ich doch gerade wehmütig meinen vergangenen Jahren nachtrauere…

Abends packe ich unsere Taschen, die Rückfahrt steht an. Aber ich komme nicht aus dem Grübeln heraus…, nein, ich will das Rad der Geschichte NICHT zurückdrehen, aber ich wünschte mir, dass den Kindern von heute wirkliche Werte vermittelt werden. Es zählt nicht, wer die teuerste Jeans trägt, das modernste Handy besitzt – Einfallsreichtum und Freundschaft sind so viel mehr wert. Und ich weiß, gleich nach der Ankunft daheim rufe ich meine Freundin aus Kindertagen an, mit der ich genau in jenem Pionierlager war. Die Freundschaft hat bis heute Bestand…
Dresden, meine Heimatstadt voller Lärm und Trubel hat mich wieder… Der Ausflug in die Natur und die abschließende Reise in die Vergangenheit haben mir wieder einmal gezeigt, wie wenig ein Mensch doch eigentlich wirklich braucht, um glücklich zu sein. Und wie interessant und schön ein paar Urlaubstage in der Heimat sein können, wenn man das „Sehen“ nicht verlernt hat…

Angefügte Bilder:
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zuletzt bearbeitet 22.10.2010 18:59 | nach oben springen

#2

RE: Flucht aus der Großstadt in die Natur... und Reise in die Vergangenheit...

in Off-Topic 22.10.2010 19:45
von HH aus EE (gelöscht)
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Das nenne ich Verkettung von Zufällen: Da schreibst Du hier von Deinen Erlebnissen, schickst mich mit meinen Gedanken auf die Reise und als ich fertig bin, kommt mir so eine Idee.

Ich fange also mit einem Begriff aus Deinen Zeilen an zu suchen, im Internet natürlich, und schwups, habe ich den Ort Deiner Erinnerungen gefunden und welch’ Zufall – plötzlich stecke ich mitten in meinen eigenen, genau diesen Ort betreffend. Die sind zwar gänzlich anderer Natur aber eines haben sie mit den Deinen gemeinsam. Ich möchte sie nie und nimmer gegen andere eintauschen und ganz fest dort behalten, wo sie sind – bei mir!

Was nützen uns die AP’s, Downloads und all die anderen kleinen Dingerchen, wenn wir sie nicht in unsere Gefühle, Beziehungen und Erinnerungen einbauen können, sie seelenlos bleiben?

Ich tausche meine Kindheit und Jugend auch nicht ein, gleich gar nicht gegen Kommerz und coole Gier und mir ist wieder mal klar, warum ich lieber die originale „Rose“ von Platte knistern höre, dieses „immer wieder wächst das Gras“ im Kopp habe und noch immer gern an „Yeah! Yeah! Yeah!“ denke. Da steckt mein Leben drin, egal wie viel Dateien mein PC hat.

Mercie, Madame Mary!

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#3

RE: Flucht aus der Großstadt in die Natur... und Reise in die Vergangenheit...

in Off-Topic 22.10.2010 20:30
von Mary (gelöscht)
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Hier nun kommen ein paar Fotos von der "Reise in die Vergangenheit"...
Jetzt lieber Hartmut kommt die Auflösung hier per Foto, Du warst einfach zu schnell...
Ich wollte nicht nur einfügen, was ich bei meinem letzten Besuch aufgenommen habe.
Ich habe hier stundenlang "gegraben" und gefunden, was ich suchte, wenigstens 3 meiner alten Fotos...
Die Farbfotos sind aktuelle,
die schwarz/weißen aus dem Schaukasten "ERNA früher",
die letzten drei, meine eigenen...

Schön, dass es mir nicht allein so geht, dass mich Erinnerungen einholen, die ich einfach nicht als "schlecht" einstufen kann...

Angefügte Bilder:
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zuletzt bearbeitet 22.10.2010 20:47 | nach oben springen

#4

RE: Flucht aus der Großstadt in die Natur... und Reise in die Vergangenheit...

in Off-Topic 22.10.2010 20:43
von axel (gelöscht)
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siehste, meine kleene, deshalb wohne ich auf dem lande. ich musste mich gestern durchwühlen vom elbepark bis nach bühlau über weissig nach neustadt. 2 !!! stunden. eine grauenvolle erfahrung. ich muss nicht "rausfahren" um niemanden zu sehen. mache das manchmal und gehe ganz alleine spazieren, oder pilze suchen. stundenlang keinen menschen sehen, paar rehe, ein wildschwein und schnecken zieren meinen weg..........( richtige schnecken ) . haste richtig gemacht, sowas bringt das gleichgewicht wieder.

wir sehn uns, freunde! (vielleicht mal im wald? )

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#5

RE: Flucht aus der Großstadt in die Natur... und Reise in die Vergangenheit...

in Off-Topic 22.10.2010 22:27
von Anke68 (gelöscht)
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Danke für deinen Bericht über deine Reise in die Vergangenheit. Ich selbst erinner mich auch gerne zurück an die Zeit, als wir jedes Jahr ins Ferienlager gefahren sind. Ich war einige Male in Oelsnitz, es wurde nie langweilig und dann in Dresden und Burg bei Magdeburg.Später dann, als wir zu alt fürs Ferienlager waren, gings ins Lager für Arbeit und Erholung. War auch eine interessante Erfahrung.
Das sind Erinnerungen, die einem keiner nehmen kann und das ist gut so.

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