Sterne funkeln in einer kalten Winternacht
Bei so frostigen Temperaturen gehe ich nicht allzu gerne aus dem Haus. Aber diesmal trieb mich die Neugierde, sowie die freundliche Einladung einer jungen Ostrockfreundin hier aus unserem Forum nach Munzig.
Wenn ich ehrlich bin, ich hatte nicht mal Plan, wo der Zielort Munzig liegt. Zu meiner großen Überraschung fand mein Navi das Nest gleich bei mir um die Ecke, es waren tatsächlich nur 28 km.
Vom Kulturhaus Munzig hatte ich natürlich schon in so manchem Konzertbericht hier gelesen und es stellte sich live raus: Kleiner Ort mit großem Kulturhaus und einer bodenständigen, preiswerten Küche.
Spätestens in der gemütlichen Gaststube wurde mir klar, hier ist der Ostrock zu hause. An den Wänden hingen die Bilder aus vergangenen und gegenwärtigen Tagen von verschiedenen Bands, in denen die Besitzerin des Kulturhauses als Schlagzeugerin spielte oder noch spielt.
Ich habe lange überlegt, ob ich nach dem für mich traurigen Personalwechsel, wieder zur Stern Combo gehe. Die Liebe zu den alten und auch neuen Titeln machte mir diese Entscheidung leichter.
Wie auch so manch anderer bin ich mit dem guten Vorsatz dorthin gegangen, die neue Besetzung und besonders den neuen Sänger Manuel Schmid erst mal doof zu finden.
Hatte ihn mir natürlich in Internet angeschaut und befunden, der Junge, der da in Unterhosen durch das Netz flitzt, (ich weiß, es gehörte zur Handlung seines Werbeclips) ist nicht unbedingt qualifiziert, bei der Stern Combo zu singen.
War aber echt gespannt, wie sich das Konzert in Munzig entwickelt.
Bei der „Sage“ fühlte ich mich noch in meinen Vorurteilen bestätigt. Da brachte er für meine Begriffe nicht das rüber, was seine vielen Vorgänger mit Bravour gemeistert hatten und Tina und ich sahen uns über die Brille bedeutungsvoll an.
Aber Manuel wurde im Laufe des Konzerts immer lockerer.
Spätestens bei „Stundenschlag“, war es mir klar, was die Glocke bei Stern geschlagen hat. Dieser Titel ist dem jungen Frontmann wie auf den Leib geschrieben und er machte was draus. Gefiel mir auch, wie er auf der Bühne agiert, er versteht es, die drei Generationen dort zusammen zu halten.
Er drängt sich nicht in den Vordergrund, lässt die „Alten“ machen und ist damit gut beraten.
Ein richtiges Highlight wurde für mich „Die Zeder von Jerusalem“ die Manuel und Martin gemeinsam dar boten. Das ist mein aktueller Lieblingstitel bei der Stern Combo. Habe ihn noch nie so klasse gehört wie gestern Abend. Überhaupt war auch der Sound für meine unfachmännischen Begriffe sehr gut.
Erstaunlich, dass sich vom Programm her nicht nur auf den Klassikern ausgeruht wurde, sehr viele Titel stammten vom neuen Album „Lebensuhr“ und genau diese Titel passen prima zum Neuling in der Band. Die Lebensuhr selbst brachte er sehr frisch rüber und zerstreute damit bei mir die letzten Zweifel. Genau so war es mit dem Raimund S.
Viel Mut bewiesen sie auch, in dem Ausschnitte aus dem „Weißen Gold“ gespielt wurden. Hier war ich noch nicht ganz überzeugt, aber dranbleiben, das wird noch und ich bin begeistert, dass dieser Klassiker zu den Konzerten weiter leben darf.
„Steig empor, dunkler Tag…“ als dies der junge Frontmann schmetterte, hatte ich Gänsehaut. Ganz genial und hier konnte er zeigen, was er drauf hat.
Martin Schreier sang dann noch seinen eigenen Titel „Reiter in der Nacht“ und dieses Lied berührt mich immer ganz besonders.
Zum Schluss gab es noch die 80ziger Jahre Titel aus der IC Falkenberg Zeit, die Manuel singen durfte. Die Interaktion mit dem Publikum klappte noch nicht ganz, aber es war erst das 4. Konzert und der junge Frontmann wird ins Sachen Moderation und Umgang mit den Ostrock Alten noch dazu lernen.
Hatte überhaupt den Eindruck, es lief sehr rund in der Band und die beiden Rückkehrer Sebastian Düwelt und Axel Schäfer spielten sich gut die Bälle zu und leisteten auch Manuel gern mal Schützenhilfe wenn es um die Show an sich ging.
Mopsfideler Ostrock, das ist das Motto meiner Seite bei YouTube und hier bei einer der dienstältesten Bands im Osten sollte ich tatsächlich noch eine Überraschung erleben, mit der ich so nicht gerechnet hatte.
Von Musik an sich verstehe ich wenig, deshalb können diese Zeilen nur das wiedergeben, was ich zu einem Konzert fühle. Die Experten werden das sicher alles ganz anders einschätzen, aber damit kann ich gut leben.
Als ich mich weit nach Mitternacht auf den Rückweg in mein Dorf machte, zeigte das Thermometer -17 Grad. Aber mir war warm, wenn auch nicht unbedingt die Hände am kalten Lenkrad, eher warm ums Herz.
Hier der Stundenschlag in bewegten Bildern:
http://www.youtube.com/watch?v=hQ3ksNpsWSU