#1

Wenn die Mutter mit der Tochter ...

in Off-Topic 01.05.2009 17:21
von Wodka (gelöscht)
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Wenn es um Familienunternehmungen geht ist es bei mir ja eigentlich ein „Ausflug“ mit meinem Buben. Diesmal fuhr ich allein ....

Mittwoch früh, oh je, ging es mir mal wieder ... Also den Chef angerufen und um 2 Tage Urlaub gebeten, damit ich versuchen konnte irgendwie in die Reihe zu kommen. Und es gelang ...

Also bin ich gegen 17.20 auf dem Bahnhof eingetroffen, aber da ging es gleich gut los. 30 Minuten später der Zug nach Würzburg und die Zeit war schon so knapp geplant. Irgendwann kam er dann und es ging los.

Würzburg, jahrelang meine zweite Heimat ... Diesmal hatte ich keine Gedanken dafür übrig, beschleunigt humpelte ich in Richtung Taxistand und los ging es zur Musikhochschule. Dort angekommen stand ich ziemlich verloren auf der Strasse, hinter einer geschlossenen Tür telefonierte jemand und als er mich sah öffnete er. Ich war, welcher Zufall, genau richtig, der kleine Saal lag vor mir. Es war nun 10 Minuten vor 19.00 Uhr, also es sollte gleich losgehen, da schaute ich nicht lange auf die Plakate, ich machte mich durch die Tür und stand in einem leeren Saal. Wären nicht Instrumente auf der Bühne, ein Tontechniker bei der Arbeit und Matthias, der Multimediamacher, gewesen, ich hätte gedacht, hier bist du nun doch falsch.

Na gut dachte ich, setze dich mal in die letzte Reihe und harre der Dinge, die da kommen. Zuerst kamen 2 ältere Herren, die sich vor mich setzten, dann kam Matthias um mir guten Tag zu sagen. Dann erschien eine Dame und begab sich zu den Herren vor mir, so bekam ich mit, die beiden waren die Honoratioren der Musikhochschule, einer der Co-Rektor, und mit der Zeit erschienen nun auch einige der Studenten und nahmen Platz. Und dann die Überraschung, die Dame verließ die Herren, aber zu meiner Überraschung kam sie zu mir ...

Frau Prof. Dr. Birgit Jank war es, die Initiatorin dieser Veranstaltung, die es sich nicht nehmen lies, mir persönlich die Hand zu schütteln. Über soviel Ehre war ich erst einmal baff ...

Mittlerweile hatte sich der Saal etwas gefüllt, es waren wohl ca. 45 Leute zusammengekommen. Und das Spektakelum sollte nun wohl beginnen ...

Bevor es weitergeht muss ich wohl ein paar Worte über den Anlass meines Besuches an der Musikhochschule Würzburg verlieren. Unter dem Titel „Ehrt man die Rose noch?“ tourte ein Projekt der Universität Potsdam durch die Landen und versuchte in 10 Veranstaltungen an Musikhochschulen den Studenten und anderen Interessierte die „Rockmusik des Ostens“ nahe zu bringen. Auf der Internetplattform des Projektes heißt es dazu:

„Dieses Projekt richtet sich an Interessierte, Studierende und Schüler, die für Populäre Musik und deren soziale und historische Kontexte sowie für neue ästhetische Ausdrucksformen einer jungen Musikgeneration aufgeschlossen sind. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, die vielschichtige und aus heutiger Sicht stark vorurteilsbehaftete DDR-Musikgeschichte, speziell die der Ost-Rockmusik, zu thematisieren, um ein komplexeres Verständnis gegenüber der frischen und noch empfindlichen deutschen Geschichte zu entwickeln. Die Möglichkeit eines Austausches zu dem Thema bieten anschließende Publikumsgespräche und die Projekt-Plattform“.

„Live-Musik und wissenschaftlicher Vortrag werden mit einer eigens dafür produzierten multimedialen Präsentation verbunden. Neue ästhetisch-musikalische Ansichten einer jungen Sängerin und ihrer Band treffen auf historische Dokumente, auf deutsche Geschichte und verschiedene Generationen aus Ost und West.“


Und damit wären wir bei der Mutter und der Tochter ... Den während Frau Prof. Dr. Birgit Jank nun am „Rednerpult“ Platz nahm erschienen auf der Bühne 7 junge Musiker aus 5 Ländern angeführt von der Tochter Suse Jank. (Übrigens, mir scheint auf dem Standesamt hat man da einen Fehler gemacht, statt des „u“ sollte es sicher ein „üs“ im Vornamen sein ... –lächel-) Und für mich die nächste Überraschung, ein Student der Würzburger Schule kündigte die Veranstaltung an, und zwar mit dem Hinweis, er und seine Gruppe hätten vor Kurzem ein Zusammentreffen mit Renft gehabt. Ich konnte es mir nicht verbeißen nach der Show ihn dazu zu befragen, es war eine Geburtstagsfete in „Familie“, der Jubilar hatte sich zu seinem 40-ten Renft „eingekauft“. Und die Herren hatten offensichtlich noch mit den Nachwirkungen des Vortages zu kämpfen ...

Nun ging es richtig los, Suse Jank und Band interpretierte S.O.S. von Silly während auf der Leinwand eine kurze Zusammenfassung der Musikentwicklung in der DDR ablief. Und dann kam die späte Rache ... –grins- Bei der Einspielung des Stoneskonzertes auf der Waldbühne und dem Kommentar von Ulbricht vom „Yeah, Yeah, Yeah ...“ stürzte die Soundkarte ab! Während Birgit Jank das mit ihrer Moderation überspielte, hier merkte man die Professorin, brachte Matthias das Ganze wieder zum Laufen und es ging weiter. Es wurde ein Abriss der Entwicklung gezeigt, auf einzelne Probleme, wie die „Pappe“, hier gab es auch den Berufsausweis von Birgit Jank für Gesang, Richtung Chanson, zu sehen, Instrumente- und Anlagenbesorgung, Einfluss des Staates, Anpassung, Renft, Staatssicherheit und anderes, wurde dabei eingegangen, immer wieder untermalt von Darbietungen von Suse und ihrer Band.

Die 90 Minuten vergingen wie im Fluge, obwohl man nicht rauchen konnte und zu trinken gab es auch nichts!!! Und dann war die 10-te und letzte Präsentation von „Ehrt man die Rose noch?“ Vergangenheit. Einzelne Gespräche gab es noch im Anschluss, zu der eigentlich geplanten Diskussion kam es jedoch nicht. So aber blieb Zeit noch einige Worte mit Birgit Jank zu wechseln. Und es kam noch zu Überraschungen, Frau Professor bestand auf Bildern mit mir im „Arm“, und legte dem Veranstalter und den Honoratioren ans Herz die Entwicklung der Rockmusik des Osten eventuell in den Studienablauf zu integrieren. Auch fehlte der Hinweis nicht, dass man ja in der „Nähe“ jemanden hätte, den man einladen könnte, der mit entsprechendem Wissen zur Materie ausgestattet sei, wobei sie auf mich wies. Nun wurde es schon bald ein wenig viel für mich, ich hörte mir noch die Ratschläge an die Studenten an, wie sie die Integration der Rockmusik im allgemeinen in den Studienbetrieb betreiben können, dabei fiel mein Blick auf den Co-Rektor und ich glaube ein Nicken bei ihm gesehen zu haben. Nachdem ich das Versprechen abgegeben hatte den Kontakt zu Frau Jank nicht abreisen zu lassen, verlies ich die Musikhochschule bestellte mir ein Taxi zum Bahnhof und fuhr mit dem Zug, im Bistro bei 2 Halben, nach Hause.

Ein Fazit aus dem Gebotenen zu ziehen fällt mir noch immer schwer. Das ist sicher normal, sah ich das Ganze doch mit den Augen des „Wissenden“, die Zielgruppe jedoch waren Studenten der Musik, die, leider, kaum Kontakte zum Thema hatten. Frau Jank erzählte mir, dass das selbst im Einzugsgebiet, also in den „unverbrauchten“ Ländern, so ist. Viele der Musikstudenten da haben keinerlei Beziehung zu den Wurzeln der Rockmusik des Ostens, kennen diese schlichtweg nicht. Unter diesem Gesichtspunkt muss man sagen als Einführung in das Thema für Studenten war das Ganze sicher sehr gut gestaltet. Natürlich können 90 Minuten wirklich nur ein Streifen der Themen sein, jedoch konnte in meinen Augen der Vortrag, auch durch die gelungene musikalische Umrahmung, die Neugierde auf das Thema wecken. Ohne unsere Fanverklärtheit, jedoch auch ohne, wie ich am Anfang ein wenig befürchtete, man denke an die Förderung des Projektes durch die „Stiftung Aufarbeitung“ und den Schirmherren Herrn Dr. h.c. Wolfgang Thierse, es unterblieb auch der „Zeigefinger“, den man ja heute allzu oft erleben muss, wurden Fakten und Wahrheiten präsentiert, die bei „Unbedarften“ Lust auf mehr wecken konnten. Dem „Wissenden“ wurden Erinnerungen geweckt und er sah manches Problem nun auch einmal mit den Augen anderer.

Ein Wort muss noch zur Musik verloren werden. Also ganz zum Anfang, Suse Jank ist es gelungen ausgezeichnete Musiker um sich zu scharen. Wir Birgit Jank betonte war das eine der Voraussetzungen für die Teilnahme an diesem Projekt, um nicht durch „handwerkliche“ Fehler ein „schlechtestes Licht“ auf das Thema zu werfen. Diese Klasse spürte man in den Vorträgen und man merkte den Leuten auf der Bühne auch die Spielfreude und das Eindenken in diese musikalische Materie an. Die Interpretation der dargebotenen Stücke in einer „angejazzten“ Verpackung ist sicher nicht jedermanns Sache, mir hat es sehr gut gefallen. Muss man doch bedenken, dass der „Musikgeschmack“ der heutigen, und hier „elitären“, Generation ein anderer ist, als der unsrige. Für den Sommer ist die Veröffentlichung einer CD von Suse Jank geplant, auf der folgende Titel enthalten sein werden:

1. Champus-Lied (Bartzsch / Gertz)
2. Paradiesvögel (Barton / Danz / Gundermann)
3. Du bist kein Märchenbuch (Kula/ Demmler)
4. Nachtigall (Bartzsc h/ Demmler)
5. Klavier im Fluß (Fischer / Branoner)
6. Guten Tag (Bartzsch / Demmler)
7. Komm doch einfach mit (Bartzsch / Krause)
8. Wasser und Wein (Heubach / Demmler)
9. Jule wäscht sich nie (Schöne)
10. Wiegenlied für Susann (Gläser / Demmler)
11. Sagen meine Tanten (Thiele / Wendt / Scheer)
12. Als ich fortging (Michaelis / Steineckert)
13. Gänselieschen (Schoppe / Demmler)
14. Deine Liebe und mein Lied (Biege)

Ich denke darauf darf man gespannt sein!


Auf der Internetprojektseite gibt es für Mitglieder sehr viel Material zu der Veranstaltung, auch Clips der Originaltitel, die Suse während des Konzertes interpretiert. Hier muss ich feststellen, ein solches Projekt verdient sicher die Unterstützung aller Musiker, „Lift“ hat jedoch leider die Veröffentlichung eines Clips von „Wasser und Wein“ auf My Space untersagt, er steht somit nicht mehr zur Verfügung. Bei aller Freundschaft lieber Werther, dafür habe ich kein Verständnis! Hier versuchen junge Leute Eure Musik der heutigen Generation nahe zubringen, Verständnis für diese Musik zu schaffen, das verdient Unterstützung jeder Art!

Zum Schluss bleibt es mir nur noch meiner Hoffnung Ausdruck zu geben, dass es mit diesen 10 Veranstaltungen nicht gewesen ist. Ein solches Projekt verdient eine Fortsetzung, in dieser Art sicher einmalig.

Hans,
den man Wodka nennt

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#2

RE: Wenn die Mutter mit der Tochter ...

in Off-Topic 01.05.2009 19:15
von PM | 4.235 Beiträge | 5060 Punkte

Lieber Hans,
wenn wir nicht unsere Außenposten in den alten Bundesländern hätten, würde es für uns manchmal trübe aussehen.
Ich hatte mir die Internetseite dieses Projekts angesehen, das das Wort "Stiftung Aufarbeitung" gelesen und mitbekommen, dass man die Beiträge nur sehen kann, wenn man auf der Seite angemeldet ist. Damit hatte sich das für mich erledigt, denn dahinter argwöhnte ich eine Sache, wo mit viel Steuergeldern uns wieder mal erklärt werden sollte, was für ein jämmerliches Leben wir doch in dem Land geführt haben, was für mich immer Heimat bleiben wird.
Ich danke dir ganz herzlich, dass du dich dafür interessiert hast (wer wenn nicht du) und uns so ausführlich darüber erzählst.
Finde es großartig, dass den Studenten unsere Musik nahe gebracht wird. Vielleicht hilft es ja bei dem Einen oder Anderen, manche Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.
Interessant, dass nicht nur gecovert wurde, denn diese schönen alten Sachen bleiben nur lebendig, wenn man sie sich weiterentwickeln lässt und in Richtung Jazz kann ich mir das gut vorstellen.


Klick mal druff hier:

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#3

RE: Wenn die Mutter mit der Tochter ...

in Off-Topic 01.05.2009 19:29
von Wodka (gelöscht)
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Nicht nur für Petra!

Ich füge mal 3 Links an, lohnt sich anzusehen, auch die Anmeldung auf der Projektseite ist zu empfehlen.

Links:

http://www.ostpoesie.de/ - Webseite des Projektes

http://ostrock.mixxt.de/ - Projektseite mit umfangreichem Material zum Thema (kostenlose Mitgliedschaft notwendig!)

http://www.susejank.com/ - Seite von Suse Jank und Band mit hervoragenden Hörbeispielen

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