#1

Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 07.01.2010 17:09
von HH aus EE (gelöscht)
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Sein Blues von der letzten Gelegenheit – für FRANZ BARTZSCH
(08.06.1947 – 05.01.2010)

In meiner Plattensammlung liegt so eine kleine und unscheinbare Single aus dem Jahre 1977. Darauf eines der schönsten Pop-Lieder, das je in deutscher Sprache gesungen wurde, das „Zweigroschenlied“. Geschrieben von FRANZ BARTZSCH gemeinsam mit HANSI BIEBL für ihre neue Band 4PS.
Diese vier Minuten Musik mit den Worten von KURT DEMMLER sind ein musikalischer Schatz, eine Perle von wirklich seltener und schlichter Schönheit.

Da trafen sich zwei eher stille Zeitgenossen, zwei, die sich eigentlich nicht als Sänger sahen oder fühlten und dennoch in ihrem Gesang einmalig waren, denen der Sinn nur nach guter Musik stand und dies bis zu diesem Zeitpunkt auch sehr eindrucksvoll bewiesen hatten. Zwei musikalische Genies, die die Kunst des Einfachen meisterlich in Noten und Töne fassen konnten. Eine Langspielplatte ist leider nie produziert worden und die DDR-Oberen hatten damit eine der größten Chancen, zeitlos schöne und nachhaltige Songs ins Vinyl zu pressen, auf schäbige Weise vertan. Wie so oft vorher, wie noch so oft danach. FRANZ BARTZSCH hatte die Nase schon vorher von künstlerischer Bevormundung und kultureller Krümelkackerei voll und war im Westen geblieben. -

FRANZ wurde als Sachse geboren. Das „z“ in seinem Namen weist darauf hin und vielleicht ist dieses Sächsische ja auch einer der Gründe dafür, das seine Musik stets eine gewisse innere Gelassenheit und Ruhe ausstrahlt, sächsisch schön gewissermaßen.
Spätestens als die Dresdner Gruppe LIFT mit „Wind trägt alle Worte fort“ in den damaligen Wertungssendungen wie ein Urknall einschlug, war aus dem Komponisten und Keyboarder, der beim Dresden-Sextett auch schon mal mit GERHARD ZACHAR den Bass getauscht hatte, auch ein Sänger, oder besser ein Interpret seiner eigenen Lieder, geworden. Ich hätte mir auch kaum einen anderen vorstellen können, der diese Melodien hätte singen können, obgleich „Skandal“ eben auch nur CHRISTIANE UFHOLZ singen sollte und sonst niemand. Der Mann konnte Lieder auf den Leib schneidern, das war schon sehr besonders und kein geringerer als REINHARD LAKOMY hat dies einmal auf seine ureigene Art formuliert.

In anderen Musikwelten jenseits der eingegrenzten DDR war es durchaus üblich, dass exzellente Bandmusiker ab und an mit Solo-Werken glänzten. Abseits vom Bandzwang und ohne kommerziellen Druck sind auf diese Weise musikalische Kleinode entstanden, deren Wert man nicht an Chartnotierungen und Verkaufszahlen zu messen hat. Diese Chance, sich auf einem solchen Solo-Pfad zu verwirklichen, hat FRANZ BARTZSCH, wie fast alle anderen Musiker hierzulande auch, nie gehabt. Das tut selbst im Rückblick noch weh.

Wenn ich mir aber eine der erschienen Platten aussuchen dürfte, dann wäre VRONI’s „Goldene Brücken“ meine BARTZSCH-Solo-Scheibe. Alle Kompositionen stammen aus seiner Feder und der Eindruck, dass hier auch sehr persönliches verarbeitet wurde, ist geradezu übermächtig. Vor allem die Hommage an Gerhard Zachar und Henry Pacholski „Nie mehr“ ist eines seiner absoluten Meisterwerke. Darin zitiert er auch Bruchstücke von „Vo Thi Lin“, jenem Instrumentalstück aus Zeiten mit dem Dresden-Sextett, das damals in Anlehnung an „Repent Walpurgis“ von Procol Harum und nach einem Thema von Robert Schumann aus dem „Album für die Jugend“ entstand. Die „Goldenen Brücken“ von VERONIKA FISCHER & Band offenbaren im Nachhinein die Meisterschaft des Komponisten und die des begnadeten Arrangeurs.

Der Mann mit der Nickelbrille auf der Nase war sicher nie das, was man einen Rocker nennen würde. Posen oder Bühnenmätzchen waren ihm fremd, der Scheinwerferkegel eher akzeptiert. Seine Welt waren die Tasten, die Noten und die Klänge, die man damit zaubern konnte. Oftmals gaben seine Lieder dem Interpreten erst einen Teil seines Bühnenwesens, wenn dieser auf der Bühne stand und die Lieder von Franz zu den seinen machte, sie erklingen und leben ließ. Dann konnte man der LÜTTEN auch abnehmen, wenn sie sang „Versuch’ es doch mal mit Champagner“ und der VRONI den „Blues von der letzten Gelegenheit“ oder wenn sie ein wenig spitzbübisch sang „Auf der Weise haben wir gelegen und wir haben Gras gekaut“.

Wie viele andere meiner Generation erlebte FRANZ BARTZSCH die „Wilden 60er“ im Osten, wo sie nicht weniger wild waren. Er ließ sich von den Beatles und den Rolling Stones anstecken und empfand später die opulenten Arrangements von Blood, Sweat & Tears mit den Bläsersätzen als eine großartige Synthese von Rock, Blues und Jazz. Mit seinem Freund und Musikerkollegen GERHARD ZACHAR versuchte er, seine Ideen davon umzusetzen und in unterschiedlichen Bandbesetzungen zu realisieren, als Musiker und als Komponist. Später als Bandleader von VERONIKA FISCHER ist er diesen Weg weiter gegangen und hat für sie zeitlos schöne Pop-Songs geschrieben und Maßstäbe gesetzt. Mit dem Projekt 4PS und den Kollegen HANSI BIEBL, FRANK HILLE und MICHAEL KASZUBOWSKI hätte er diesen Weg erfolgreich weiter beschreiten und Erfolge feiern können. –

Im Westen konnte der Mann mit seinem Gespür für gute Musik seine Kreativität weiter entfalten. Davon profitierten in den Folgejahren unter anderem auch Udo Jürgens, Milva und Roland Kaiser, den er auch als Bandleader auf Tour durch die DDR begleitete. Auch dazu gäbe es amüsante Geschichten zu berichten.
Und dann wären ja noch die 20 Nachwendejahre, die Zeit also, die ihn wieder dorthin zurück führte, wo ihm eine treue Fanschar auch wieder live erleben konnte und wo er das Umfeld von Kollegen und Freunden vorfand, mit dem er sich verbunden fühlte und mit denen er gemeinsam Ideen verwirklichen konnte.
Man müsste sicher ausführlich seine kompositorischen Arbeiten für das Fernsehen würdigen und viel über die Arbeit im Studio gemeinsam mit Bodo Kommnick sagen.

Wie schon viel zu oft in den vergangenen Jahren passiert es einfach so, erwischt es uns, egal ob Winter oder Sommer, eiskalt. Für meine Begriffe gab es viel zu zeitig schon viel zu viele Gedenk- und Tribut-Konzerte, die sich keiner gewünscht hat. Viel zu viele Namen müssten jetzt genannt werden und gar zu viele Erinnerungen würden wie Kurzfilme vor unseren Augen ablaufen.
Und doch: FRANZ BARTZSCH ist einer jener Generation, die man in Konzertsälen noch nach Tausenden zählen kann und die mit Musik auch eine besondere Lebenseinstellung verbinden, eine Generation, zu der auch ich gehöre. Mit all jenen möchte ich mich gern noch einmal treffen, um gemeinsam Liedern zu lauschen, die Teil dieses Lebens waren, sind und bleiben werden, die Songs und Erfolge von FRANZ BARTZSCH mit den Stimmen von Vroni, der Lütten, von Christiane Ufholz und wer weiß, vielleicht auch mit HANSI BIEBL und einigen anderen männlichen Mitstreitern aus älteren Tagen. Wenn „Schubi“, den ich als Manager von PANKOW kennen lernen durfte, das hinbekommen würde, wäre ich dabei, um dem „Blues von der letzten Gelegenheit“ zu lauschen und ihn mit auf meinen weiteren Weg zu nehmen.

Angefügte Bilder:
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zuletzt bearbeitet 07.01.2010 18:40 | nach oben springen

#2

RE: Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 07.01.2010 17:18
von Bernd (gelöscht)
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Danke lieber Hartmut für diesen einzigartigen , zeitgeschichtlichen Nachruf, welcher das Lebenswerk dieses großartigen Komponisten beschreibt. Gerade für die jüngeren LeserInnen hier im Forum sollte auch diese Zeitgeschichte nachlesbar sein, wird doch gerade zum "Ostrock-Klassik" das eine oder andere Lied gespielt, was an Franz Bartzsch - an sein musikalisches Schaffen - erinnert.
DANKE , lieber Hartmut !

zuletzt bearbeitet 07.01.2010 17:19 | nach oben springen

#3

RE: Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 07.01.2010 18:10
von Puhdysfan Matti (gelöscht)
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sehr schön geshrieben. langsam macht sich bei mir die sorge breit, dass wenn ich mal 50 bin keiner mehr weiß was ostrock ist, weil die ganzen größen dieser musikrichtung dann weg sind

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#4

RE: Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 07.01.2010 19:34
von PM | 4.235 Beiträge | 5060 Punkte

Finde ich aber jetzt schön, dass die Botschaft von Hartmut bei einem der Jüngsten hier angekommen ist.
Die Frage, die Matti stellt, ist berechtigt und es ist der Lauf der Dinge. Aber die Musik wird bleiben, nur es wird immer weniger Menschen geben, die diese Musikrichtung verstehen. Gerade deshalb find ich es so toll, dass es in unserem Form Junge und Alte gibt, die sich hier über den Ostrock und auch über dessen geschichtliche Hintergründe austauschen. Mir war jedenfalls Vieles nicht bekannt, was Hartmut hier erzählt.


Klick mal druff hier:

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#5

RE: Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 07.01.2010 19:38
von Carsten (gelöscht)
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Ja, da ist was dran. Deshalb immer weitertragen...so dass wir diesen Moment immer weiter hinauszögern.

Mit Franz Bartsch verbinde ich auch in erster Linie 4 PS, alte Erinnerungen werden wach,
wenn ich richtig liege auch "Nachtigall" damals in Sopot, und das Zweigroschenlied natürlich.
Ja es ist traurig, mich hat auch der Tod von Cäsar schon sehr schockiert.
Was bleibt ist die einzigartige, unverwechselbare Musik!

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#6

RE: Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 07.01.2010 19:47
von DeutscheMugge | 196 Beiträge | 358 Punkte

Hartmut trifft wie immer den Punkt und setzt Zeichen. Wir haben da heute am Telefon schon drüber gesprochen: Ein gemeinsames Projekt mit Franz Bartzsch ist seit gestern (als ich davon erfuhr) nicht mehr möglich, aber ich überlege schon, wie man trotzdem noch was machen kann... Das ist mir ja schon zweimal gelungen. Außerdem wird es im März ein Tribut-Konzert geben. Nähere Infos dazu gibt's sobald ich was weiß.

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#7

RE: Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 07.01.2010 20:53
von Peg (gelöscht)
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Lieber Hartmut, DANKESCHÖN!!! Wie immer treffend, bewegend und beeindruckend, wie Du schreibst! Du regst einen nicht nur zum Nachdenken an, sondern machst auch Appetit, intensiver in das großartige Schaffen anderer Musiker, Komponisten usw. reinzuschnuppern und diese für sich zu entdecken. Dickes Lob an Dich!!!
Matti, den Gedanken, den Du hier geäußert hast, den hatte ich auch schon oft...
Und - dem kann ich mich nicht entziehen - er überfällt mich immer wieder auf's Neue, wenn jemand dem Schoß der Ostmusikerfamilie entrissen wird.

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#8

RE: Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 07.01.2010 21:09
von Wodka (gelöscht)
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War das gestern ein böser Abend, ich habe mich masslos besoffen, 1 1/2 Flaschen Pfeffi mussten daran glauben .... Und ein bisschen geheult habe ich auch.

Dazu musste die passende Musik ran. Gut, wie geschrieben, eine große Rille gab es von 4PS nicht, aber in 2005 kam dann doch noch eine CD "Blues für ein Mädchen" (CD Amiga 82876 68042 2 (BMG)) mit den Titeln

1. Ouvertüre
2. Zweigroschenlied
3. Dein Vater sagte
4. Nachtigall
5. Nach Haus
6. Capriccio
7. Ich würde, wenn ich wüsste, dass ich könnte
8. Träume wie Segel
9. Vor unserm Hause
10. Lied von der Märchenfee
11. So war's nicht immer
12. Blues für ein Mädchen
13. Nachspiel
14. Einfacher Mann

und einem Bonus "Blues für ein Mädchen" (live aus dem Tränenpalast Berlin, "Gedenkkonzert für Frank Hille" vom 3.1.2005) als Video.

Und meine Gedanken gingen zurück, Spätherbst 1974 ...
Franz ist geborener Schmöllner und genau dort in Schmölln hatte ich eine Freundin. Als ich eines Tages da war berichtete mir ihre Mutter, sie hätte da ein peinliches Erlebnis gehabt, auf der Strasse hätte sie mich angesprochen und sich darüber beschwert, dass ich zwar in Schmölln sei, aber noch nicht vorbeigekommen. Es stellte sich dann heraus, sie hatte Franz angesprochen, so ähnlich sahen wir beide uns damals ...

Was die Musik betrifft, nun neben Vroni, der Lütten, Ude Freudenberg, Aurora Lacasa, Gaby Rückert und Dina Straat, Lift stehen da auch Namen wie Bolland & Bolland (Tears Of Ice), Boney M. (I Feel God), Milva (Ich bin ganz ich), Roland Kaiser (ich glaube 16 Titel) und selbst Udo Jürgens mit Franz Beckenbauer (Schau' mer ma) und Udo Jürgens und die Fußballnationalmannschaft (Nur ein Spiel für Millionen) ... Und eine Unzahl von Filmmusiken, bis hin zum Tatort ...

Nun ist Franz von uns gegangen, ich trinke jetzt auch einen Rotwein auf ihn.


"Jeder Tag ist eine lange Reise", er hat seine letzte Reise angetreten.

Hans

Angefügte Bilder:
4_ps-blues_fuer_ein_maedchen_-_die_hits_a.jpg
zuletzt bearbeitet 07.01.2010 21:10 | nach oben springen

#9

RE: Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 08.01.2010 13:36
von Gelöschtes Mitglied
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Einen Tag verspätet möchte ich mich auch erstmal für den Nachruf von Hartmut bedanken.
Sehr schön geschrieben, vor allem für Leute wie mich, die Franz Bartzsch vielleicht nur in Zusammenhang mit Vroni Fischer kannten.
Jetzt bin ich wieder etwas schlauer, aber besser ginge es mir, wenn du das nicht hättest schreiben müssen.
Wieder ein großer weniger. Wer ist der nächste ? Daran möchte man garnicht denken, aber Alles hat seine Zeit.
Ingo

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#10

RE: Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 12.01.2010 18:55
von Mary (gelöscht)
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Ich glaube, er passt auch hierher, der "Abschiedsbrief an Franz Bartzsch" von Veronika Fischer:

"Lieber Franz,

du hast uns früh verlassen!

Wie viele schöne Kompositonen hättest du uns noch geben können?
Mein ganzes musikalisches Leben ist mit dir verknüpft!
Es begann in den 70ern. Ich sprach dich an bei "Lift", deiner damaligen Band in der DDR (bis 1973). "Wind trägt alle Worte fort" war dein erster Hit. Ich war beeindruckt und versuchte dich für mich zu gewinnen, für eine eigene Band. Du hattest Lust, weil ich gerade den "Blues" mit Panta Rhei erfolgreich in den Medien hatte. So verbandelten wir uns. 1974 legten wir los. Ein halbes Jahr probten und erarbeiteten wir Eigenes, Neues. Es entstanden die ersten großen Hits, die mich bis heute zeitlos begleiten: "Guten Tag" aus dem Film "Hostess", "Blues von der letzten Gelegenheit", "Klavier im Fluß", "Auf der Wiese", "Sommernachtsball" und "...daß ich eine Schneeflocke wär".
1975 war unser Jahr! Ungeheuer viele Konzerte folgten. Ich konnte es kaum fassen, du warst voller Ideen. Die Band und ich taten unseres dazu, wir tanzten auf dem Hochseil!

Nach zweijähriger Pause, in der wir uns nicht grün waren - du hattest inzwischen deine Band "4 PS" und ich meine - taten wir uns 1978 erneut zusammen. Wir waren so gut wie nie, waren reif für die Welt.
Aber da war die Mauer! Nachdem wir unsere Musik in alle sozialistischen Länder getragen hatten, drehten wir uns im Kreis. Der Westen war weit und kannte uns nicht.

Du bliebst nach einem Konzert in West-Berlin. Ich war schwer getroffen, aber das Leben ging weiter.
Ein halbes Jahr später folgte ich dir, von da an machte jeder Seines. Wir mussten uns neu orientieren in einer neuen Welt mit neuen Regeln.
Du schriebst Filmmusiken und komponiertest für viele Kollegen.
Trotzdem verloren wir uns nicht aus den Augen. Es entstanden für mich neue Hits wie: "Ich will den Sommer", später "Lied vom Schnee", "Ein Winter ist mir widerfahr'n" und das letzte: "Luftballonlied". Lieder, die ich sehr liebe.

Lieber Franz, es war immer etwas Besonderes, mit dir über Gott und die Welt zu reden, ein Gläschen Wein zu trinken, um letztendlich bei der Musik zu landen und am Ende vielleicht doch ein Lied oder ein Projekt noch einmal gemeinsam anzugehn. Du hast bedauert, dass es in Deutschland für nationale Musiker so schwer war und ist. Darüber sprachst du oft. So war es offenbar auch manchmal für dich.
Aber wer deine Musik entdeckte oder endeckt, der liebt sie.

So bleiben uns deine zeitlosen und genialen Lieder, dafür liebe ich dich!

Ich werde sie noch ein Stück weiter tragen, danke Franz!

Deine Veronika "Vroni" "

zuletzt bearbeitet 12.01.2010 18:56 | nach oben springen

#11

RE: Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 12.01.2010 20:00
von ConnyCity (gelöscht)
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Danke, liebe Mary, und wie dieser Brief hierher "passt". Schön, das Franz Bartzsch Freunde ihn auch auf diese Art ehren und betrauern.
Lg Conny

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#12

RE: Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 14.01.2010 22:47
von Matthias Bartzsch | 5 Beiträge | 5 Punkte

Lieber Hartmut,

Was bleibt?
„Weint nicht um mich, wenn ich nicht mehr bin“ sagte er einmal.
Ich hatte so unglaubliche Angst vor diesem Tag. Am 5.01.2010 erfuhr ich, dass das große Herz eines Mannes aufhörte zu schlagen, den viele als Musiker, Komponist und Arrangeur kennen.
Dieser Mann hieß Franz Bartzsch.
Ein Mann, der immer sein eigenes Ding machte. Sich nie um den Mainstream scherte, ja fast öffentlichkeitsscheu war. Ich habe dich dafür, ich gebe zu, so manches Mal bewundert. Deine Fähigkeit, das was du wolltest mit 110% durchzuziehen und es denen, die mit dir gearbeitet haben abzuverlangen. Und du hattest wohl das Glück, das dir so oft Hold war, (meine Frau sagte neulich zu mir, Franz war ein Sonnenkind), Menschen zu treffen, die ein Stück mit dir gingen, eben dieses einmalige Talent so beflügelten. Es muss wohl in diesem Zusammenhang Veronika Fischer, Hansi Bibel, Frank Hille und Wolfgang Schubert und so manch anderer genannt werden. Und die sogenannte Ostrockszene hat viele dieser unglaublich tollen Künstler hervorgebracht.
Dabei sah es Angangs nicht so aus, als ob die Musik dein Leben werden sollte. Es ist wohl deiner Mutter zu verdanken, die um dein Talent wusste, die im Chor sang. Du sagtest einmal, ich höre sie auf 100 km Entfernung aus dem Chor heraus. Und du solltest diese einmalige Gabe von ihr geerbt haben. Und sie war hartnäckig, dass es kein vergeudetes Talent blieb.
Ich habe gestern mit Bodo Komnick in deinem Studio gestanden. Wir hörten ein kleines Stück das du vor kurzem komponiertest, sahen uns mit feuchten Augen an und waren uns einig, dass nur einer so etwas zu komponieren und spielen in der Lage war. Einen, den man „am Klavierspielen“ erkennt, gepaart mit dieser unverkennbaren Stimme.
Aber du warst auch ein harmoniesüchtiger Mensch, dem die Familie über alles ging. Hast mit uns Faxen gemacht. Wie oft hast du geahnt, wenns uns schlecht ging und hast angerufen. Als wir noch Kinder waren, und du manchmal 6 Wochen nicht da warst, du hast es hinbekommen, die Zeit in 2 Tagen mit uns nachzuholen. Die schmerzliche Trennung durch die Mauer haben wir schnell vergessen gemacht. Und als du sagtest, du hast viel Tolles erlebt, aber das du deinen Kinder zurücklassen musstest schmerzte dich sehr. Du bist uns unersetzlich und der Verlust schmerzt uns über alle Massen.
Und wenn man sagt, die Erde dreht sich weiter und das wird sie, werden wir dich doch trotzdem so unsagbar vermissen.
Was bleibt?
Das Leben ist endlich aber deine Musik bleibt ewig. Es wäre in seinem Sinn gewesen.
Papa wir vermissen und lieben dich.
Die Kinder Daniela und Matthias

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#13

RE: Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 15.01.2010 07:56
von HH aus EE (gelöscht)
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DANKE Daniela & Matthias,

Eure Worte werden denen Kraft geben, die noch eine Weile hier bleiben werden und die Ideale von Gundi, CÄSAR, Andre - es sind viel zu viele - und nun auch Franz weiter tragen werden, um sie eines Tages unseren Kindern und Enkeln vertrauensvoll in die Hände zu legen. Dann hätte der Wind die Worte NICHT fortgetragen, wie Ihr selbst wisst.

Treffe ich Euch im März in Berlin?

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#14

RE: Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 15.01.2010 11:00
von Matthias Bartzsch | 5 Beiträge | 5 Punkte

Lieber Hartmut,

wir werden, wenn ein Gedenkkonzert stattfindet, dort sein.
Danke für deine lieben Worte.

Liebe Grüße vom Sohn

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#15

RE: Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 19.01.2010 19:50
von Wodka (gelöscht)
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Sicher hat jeder seine Erinnerungen, der eine feinfühlig, der andere etwas gröber ....

Aber eines ist sicher, Franz, wie auch Cäsar und andere, leben weiter in ihrer Musik, auch hier und im Heute.

Ein wunderbares Beispiel dafür bietet die von mir ja schon oft gepriesene Suse Jank. Unter dem folgendem Link findet man Ihre Studiointerpretation von "In jener Nacht".

http://www.brandenburg-tv.de/Kunst/Ateli.../Ostpoesie.html

Wie gesagt, ein wundervolles Stück Musik von Franz Bartsch in zauberhafter Interpretation durch eine junge Frau.

(Daneben ist noch ein Link "Suse Jank und Clemens Süssenbach über Ostpoesie". Auch das lohnt sich anzuschauen und anzuhören, bestärkt es doch die Meinung vieler, noch ist Polen nicht verloren .... -lächel-)

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#16

RE: Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 21.01.2010 18:06
von Matthias Bartzsch | 5 Beiträge | 5 Punkte

Eben online gegangen:

http://www.franzbartzsch.de

Grüße vom Sohn

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#17

RE: Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 22.01.2010 17:34
von PM | 4.235 Beiträge | 5060 Punkte

Eine sehr schöne Seite und ein Platz für Erinnerungen. Danke.


Klick mal druff hier:

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#18

RE: Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 03.02.2010 18:38
von HH aus EE (gelöscht)
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In Erinnerung an FRANZ BARTZSCH wird es am 7. März ein Konzert mit vielen Gästen im Berliner KOSMOS geben. Siehe auch auf der Seite der "Mugge" http://www.ostrockforum.de unter Plakattafel. Wenn ich irgendwann mehr weiß, werde ich Euch informieren.

HH

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#19

RE: Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 06.02.2010 18:07
von Rosalie | 2.734 Beiträge | 5153 Punkte

In meiner "Heimatzeitung" OTZ fand ich folgenden kleinen Schnipsel .....

Angefügte Bilder:
P1100368.JPG
zuletzt bearbeitet 06.02.2010 18:09 | nach oben springen

#20

RE: Für FRANZ BARTZSCH

in Ostrock allgemein 06.02.2010 23:24
von Carsten (gelöscht)
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Ich hab auch in der BZ gelesen, dass am 7.3. was im Kosmos ist.
Ich würde da gerne hingehen, mein Dienstplan läßt es zu.

Vielleicht hat jemand auch Zeit und Lust, dann könnte man sich mal persönlich begrüßen.
Das wäre mal eine echte Gelegenheit, ansonsten ist das Jahr ja noch lang und es gibt ja noch mehr Termine...

Wie kommt man an Karten ran, vielleicht im Kosmos selbst mal fragen...
Carsten

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