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STARFUCKER & KARAT - die Feldschlößchen-Fete in DRESDEN

in Konzertberichte Ostrock allgemein 04.09.2010 10:02
von HH aus EE (gelöscht)
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Starfucker und Karat erobern Feldschlösschen nahe Dresden

Rockmusik, ein Bierchen und ein wenig „Honky Tonky“. Von all dem hatte das diesjährige Brauereifest der Feldschlösschen Brauerei in Dresden ein wenig zu bieten und wenn man hier gleich um die Ecke wohnen würde, könnte man sich für die 3,00 Euronen symbolischen Eintritt einen wahrhaftig schönen Abend machen.
Bier gab es genug, aber Feldschlösschen schmeckt mir nicht wirklich. Sorry, aber Freiberger oder Radeberger sind auch nicht besser! Außerdem war ich Autofahrer und hatte deshalb keine Bierdurst (zu haben). Doch das war auch nicht der Grund meiner Anwesenheit. Ich bin so’n kleiner Stones-Fan und kenne mich im Back-Katalog der Herren ganz gut aus. Die Tickets für das Original sind mir inzwischen viel zu teuer und wenn ich schon so viel Knete hinblättern soll, dann will ich aber auch den Glimmer-Twins in die faltigen Gesichter sehen können, einen Touch der „Sticky Fingers“ spüren und ein Stück vom „Beggars Banquet“ erwischen, aber wie heißt es doch gleich: „You Can’t Alway Get What You Want“…. Dann eben die STARFUCKERS und die von Angesicht zu Angesicht und volle Bulle von vorn.

Über dem riesigen Gelände schwebten kleine Ballönchen, die man schon von Weiten sehen konnte. Als ich kam, nahm gerade ein richtig großer Heißluftballon seine dralle Form an - Werbung gehört zum Geschäft und zum Bier sowieso. Auf den Bänken saßen hunderte von Menschen, um die Buden und Stände ringsum von ihrem Getränke- und Fresslasten zu befreien. Meine Bratwurst war zu klein, das Brötchen zu groß und der Platz vor der Bühne menschenleer, so als ob die Sachsen ängstlich wären. Eine prima Gelegenheit, den geeigneten Stehplatz mit Altersstütze zu finden.

Vorerst mußte ich auf die Stütze verzichten, denn mit den ersten Tönen der STARFUCKERS mit dem Frontfucker MIKE KILIAN am Mikro begann mein Körper zu erwachen. „Start Me Up“ durchzuckte mich wie ein Aufbruchsignal und bei „Let’s Spend The Night Together“ staunte ich nur noch, woher das viele Adrenalin kam. Ich war in meiner Jugend angekommen und vor mir auf der Bühne gröhlte der Kilian-Jagger und versuchte sogar das Ganze nach Cockney-Slang klingen zu lassen. Wie Jagger tobte er über die Bühne während der Typ, der uns den Richards auf die Rampe zauberte, mit seinen dick beringten Fingern in die Saiten griff. Die beiden schienen tatsächlich das jüngere Double von Jagger & Richards zu sein. Hinter dem Schlagzeug sitzend schlug BERND HAUCKE , so wie der echte Charly Watts, den Beat’n’Blues in die Trommelfelle und Becken und brachte es dabei fertig, den ganzen Abend nur einen einzigen Kaugummi zu kauen und niemals das Gesicht zu verziehen. Jedenfalls habe ich ihn nicht spucken oder lächeln sehen.
Während ich mich mit feuchten Augen und rhythmisch swingend durch meine Jugendjahre träumte, wurde hinter mir kräftig mitgesungen, jedenfalls bei den Refrains. Egal ob richtig laut bei „Get Off Of My Cloud“ oder eher schluchzend und an die vergangene Liebe denkend bei „Angie“. Mir selbst fiel ad hoc der Text von „The Last Time“ wieder ein und „Ruby Tuesday“ hab’ ich von vorn bis hinten mitgesungen, um anschließend verzückt meiner Nachbarin um den Hals zu fallen. Zum Glück kannte ich die Dame (Sorry Petra).

Die STARFUCKER gaben alles, selbst „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“, wenn auch nur verbal. Jagger nahm meist einen echten Eimer mit Wasser, Kilian frozzelte süffisant vom Spritzen, philosophierte von 1o Kasten Bier (gemeint war Feldschlößchen) und besang die „Klebrigen Finger“ von „Brown Sugar“. Die Gesten waren eindeutig und der Spaß auf beiden Seiten, oben wie unten an der Rampe. Einfach nur die blanke Freude und rocken bis in die Nacht. Da passte auch „Sympathy For The Devil“ mit dem lasziven „Hooh Hooh“ und die Gesangsübungen für Männlein und Weiblein vom Disco-Ausrutscher „Miss You“. Ich selbst mimte noch einmal den „Street Fighting Man“, begeisterte mich für „Paint It Black“, ritt in meinen Gedanken versunken auf den „Wild Horses“ und tanzte mit den „Honky Tonk Woman“ durch die Nacht. Die hätte von mir aus bis zum Morgen dauern können. Doch wer zum Schluß „(I Can’t Get No) Satisfaction“ in die Nacht schreit, meint das auch so. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, doch das ist schon länger her…

Jungs, das war –PARDON – geil und ich hab’ mich genau so gefühlt! Wenigstens für 90 viel zu kurze Minuten. Das mach’ ich bald noch einmal und nicht erst „2000 Light Years From Home“!

Danach die Band, deren Namen schon mal verkauft und das Ende herbei geredet war. Sie sind wieder auf Tour, wenn auch nicht ständig, und nennen es „Weitergehn“. Mein letztes KARAT-Erlebnis war schon etwas länger her und meine Neugier groß.
Nach gefühlten 48 Stones-Jahren auf der Bühne den Head-Liner zu geben – was für ein schwieriger Übergang. Meine Skepsis war entsprechend groß, doch meine Vorurteile hatte ich vorsorglich zu Hause gelassen. Außerdem kann man für 1,50 Euronen pro Band nicht viel falsch machen, den Bier trinkenden Deutschen (und anderen Durstigen) sei DANK.

Die Herren Römer und Schwandt, ihres Zeichens KARAT-Mobiliar, kamen mit ihren Kollegen Liebig, Becker und natürlich Claudius „der Herbert“ Dreilich und taten, was Hochkarätiges tun muß –glänzen und strahlen! Dazu waren die alten und beliebten Kult-Songs bestens geeignet und so erklangen „Jede Stunde“, das Narrenschiff“ und die Band ließ den „Albatros“ in den Nachthimmel aufsteigen. Vor mir griff ein bestens aufgelegter Bernd Römer in die Saiten und zauberte Griffe zwischen die Bünde, bei denen ich mir sämtliche Finger gebrochen hätte. Sein Spiel kann man getrost einzigartig und sehr persönlich nennen. Vor allem bei den großen Gesten versinkt er in seinem Spiel und beim „Blauen Planeten“ verschmilzt er mit Christian Liebig am Bass zu einem einzigen Saiten-Duett. Nachdem sich die Fünf da oben eingespielt hatten, leuchtet jedes KARAT und die Band als Ganzes in die Dunkelheit der Nacht und Songs wie „König der Welt“ oder „Schwanenkönig“ werden förmlich zelebriert. Hinter mir stöhnt ein Chor aus hunderten Frauenstimmen den schwermütigen Text aus ihren Kehlen.
Dazwischen mischen die Herren auf der Bühne dezent einige Songs der neuen CD „Weitergehn“, machen auf ihr 35. Jubiläum aufmerksam und laden die Anwesenden ein, Anfang Dezember ihre Show im Dresdener Kulturpalast zu besuchen. Leider hab’ ich nach dem Konzert vergessen, mir eine Einladung aushändigen zu lassen.
Die neuen Songs fügen sich gut zu den alten Klassikern, obgleich ich nicht verhehlen will, dass sie es neben den Überhits von Ed Swillms schwer haben. Einer ist mir neben dem Titelsong besonders in Gedächtnis haften geblieben, weil das Lied über die „Mondscheinkinder“ ein schwieriges Thema sehr sensibel und dennoch ohne falsches Pathos an die Öffentlichkeit bringt. Respekt.

Kein Konzert ging wohl jemals ohne den Kult-Songs schlechthin zu Ende und – Maffay sei DANK – kann man den sogar weiter westlich mitsingen. Zum Ende besang der Chor von vielleicht tausend Stimmen mit überwiegend Sächsischem Dialekt gemeinsam den Weg nach Hause: „Über sieben Brücken musst du gehen“ und das „Magische Licht“ erleuchtete den nächtlichen Heimweg. Kurz nach Mitternacht verklang der letzte Ton und die sieben Brücken zum kollektiven Wohlfühlen wurden wieder abgerissen.

Inzwischen ist die erste Herbstkälte in mir hoch gekrochen. DANK eines überaus gelungenen Konzertabends bemerke ich das erst viel zu spät. Zwar bin ich noch immer nicht wirklich ein Fan von KARAT geworden, aber das ist auch nicht nötig, um festzustellen, dass man auf anderer Gerede erst dann was geben sollte, wenn man sich in der Realität von der Richtigkeit dessen überzeugt hat. Tut mir leid Leute, die Band war großartig, die klassischen Songs sowieso, das Konzert ein Erlebnis und eine neue CD gibt es auch. Erst mal nachmachen! Es gibt also ein „Weitergehn“ nach Herbert Dreilich und auch ein Weiterleben. Nach den Vätern kommen die Söhne (und Töchter), so ist des Lebens Lauf schon seit Urzeiten.
Von heute an tickt meine KARAT – Uhr ein wenig anders, ohne mich selbst dabei verleugnen zu müssen. Die Geschmäcker sind eben verschieden, nur respektieren sollte man sie und wer etwas nicht mag, sollte es sich gar nicht erst kaufen oder sich damit quälen – andere allerdings auch nicht.

Prost Feldschlösschen, DANK der überaus netten Frau von Christian Liebig am Stand und mal sehen, wer im nächsten Jahr für 3,00 Euronen in den Dresdener Außen-Ring steigt.

Angefügte Bilder:
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zuletzt bearbeitet 04.09.2010 11:06 | nach oben springen

#2

RE: STARFUCKER & KARAT - die Feldschlößchen-Fete in DRESDEN

in Konzertberichte Ostrock allgemein 04.09.2010 10:17
von Anke68 (gelöscht)
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Danke für den tollen und anschaulichen Bericht.
Karat hab ich erst einmal bei ORK erlebt und hoffe, sie irgendwann mal mit einem ganzen Konzert sehen zu können.
Das Starfucker-Vergnügen hatte ich ja im Juli und kann dir da nur 1000% zustimmen, die Jungs sind einfach geil, auch wenn ich, im Gegesatz zu dir und vielen anderen, kein Stones-Fan bin.

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#3

RE: STARFUCKER & KARAT - die Feldschlößchen-Fete in DRESDEN

in Konzertberichte Ostrock allgemein 04.09.2010 10:24
von Gelöschtes Mitglied
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Vielen Dank lieber Hartmut für Deinen Bericht,er war wie immer sehr interessant und informativ!
Ich werde mir am 1.10. auch einen Eindruck von Karat verschaffen können,denn sie spielen ja in Bremen!

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#4

RE: STARFUCKER & KARAT - die Feldschlößchen-Fete in DRESDEN

in Konzertberichte Ostrock allgemein 04.09.2010 11:28
von PM | 4.235 Beiträge | 5060 Punkte

Starfucker? Einfach brilliant - wenn ich das jetzt sage werden die, die, mich genauer kennen, lächeln.
Aber guckt selbst:



Für einige Zeilen mehr hab ich leider im Moment keine Zeit.


Klick mal druff hier:

zuletzt bearbeitet 04.09.2010 15:54 | nach oben springen

#5

RE: STARFUCKER & KARAT - die Feldschlößchen-Fete in DRESDEN

in Konzertberichte Ostrock allgemein 04.09.2010 11:37
von Mary (gelöscht)
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Hartmut, dass Du in meiner Heimat nach dem Rechten gesehn hast (ich hänge fest mit totalem Termindruck, eine Überraschung gerät sonst ins Wanken...), finde ich super!
Und, dass Du "wohlwollende Worte" über Karat in die Tastatur gehämmert hast, zeigt mir..., ich muss mich nicht wirklich schämen, dass ich sie "trotz allem" weiter mag. Denn wenn ein "alter Weiser" wie Du nicht "Pfui" schreit, kann es so schlecht nicht sein...
Irgendwie freuts mich, ist ja schon das 2. Mal (der erste war IC), dass ich vor Dir "dieses" Gefühl hatte... Schön, dass mein "Bauchgefühl" Deinem "Musikverstand" ein WENIG standhält...

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#6

RE: STARFUCKER & KARAT - die Feldschlößchen-Fete in DRESDEN

in Konzertberichte Ostrock allgemein 04.09.2010 19:17
von PM | 4.235 Beiträge | 5060 Punkte

Also freiwillig wäre ich zu den Starfuckern nicht gegangen, mit Coverbands, die sich mit Feindmusik beschäftigen, hab ich es nicht so. In Neustadt bei Axel, die Coverband hier alle so toll fanden, da hab ich mich heimlich verdrückt und gewartet, bis es vorbei ist und Berluc endlich spielt. Mit der Masche bin ich gestern nicht durchgekommen, ich war schließlich mit Hartmut unterwegs. Und außerdem hatte ich hier schon viel Positives über Mike Kilian gehört.
Wisst ihr was mich am Meisten überrascht hat? Ich fand die nach einigen Titeln richtig toll, auch wenn ich Null Plan von der Musik der Stones habe. Dort war ständig was los auf der Bühne, alle 4 Starfucker strahlen so eine Präsenz aus, dass man richtig in ihren Bann gezogen wird. Sie verstehen es auch prima, das Publikum zu animieren, genau das zu machen, was sie wollen. Und das klappt ohne platte Sprüche, denn der Frontmann kann nicht nur gesanglich brillieren, er ist ein geschickter Entertainer. Von der Bühne kommt auch viel ungekünstelte Freundlichkeit, ich hatte das Gefühl, die nehmen die Leute unten ernst und das selbst bei einem Brauereifestpublikum.
Vorige Woche war ich bei den Ossis und die spielten viel Rockhaus. Diese Woche hab ich Mike Kilian erlebt, nun warte ich wirklich gespannt auf die neue Rockhaustour 2011, denn ich gehöre hier zu den wenigen Ahnungslosen, die Rockhaus noch nicht live gesehen haben.

Hier mal noch einer : "Paint It Black"


Klick mal druff hier:

zuletzt bearbeitet 04.09.2010 19:19 | nach oben springen

#7

RE: STARFUCKER & KARAT - die Feldschlößchen-Fete in DRESDEN

in Konzertberichte Ostrock allgemein 04.09.2010 19:22
von PM | 4.235 Beiträge | 5060 Punkte

Bildchen sind auch noch geworden:


Klick mal druff hier:

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#8

RE: STARFUCKER & KARAT - die Feldschlößchen-Fete in DRESDEN

in Konzertberichte Ostrock allgemein 05.09.2010 13:26
von Peg (gelöscht)
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Hartmut, besten Dank für Deinen - wie immer - eindrucksvollen Bericht! Schade, hab Dich gar nicht mitbekommen am Freitag oder es bei der Lautstärke der Musik von den Moderatoren nicht registriert.
Leider hat die Zeit nach dem Konzert ohnehin nur für ein kurzes Hallo gereicht, denn unser "Taxi" war schneller vor Ort, als Manu und ich gerechnet hatten.
An dieser Stelle nochmal ein nachträglich lieber Gruß an alle Forum-Mitglieder, die mit uns gemeinsam vor der Bühne standen und einen tollen Konzertabend erleben durften!

Mary, auch wenn Du leider nicht dabei sein konntest, danke ich Dir für Deine Reaktion auf Hartmuts Bericht - dem schließe ich mich gern an!

Ein paar Zeilen von mir zu den Konzerten von Starfucker und KARAT folgen in den nächsten Tagen an dieser Stelle.

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#9

RE: STARFUCKER & KARAT - die Feldschlößchen-Fete in DRESDEN

in Konzertberichte Ostrock allgemein 07.09.2010 06:10
von PM | 4.235 Beiträge | 5060 Punkte

War wirklich so wie Peg es sagt, totaler Lärm von der Disko, Verständigung nach dem Konzi praktisch unmöglich.
Aber schöne Grüße zurück an Peg und hier kommen erst mal Bilder:


Klick mal druff hier:

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#10

RE: STARFUCKER & KARAT - die Feldschlößchen-Fete in DRESDEN

in Konzertberichte Ostrock allgemein 08.09.2010 18:30
von jelenowski
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Hallo Hartmut - der 2Typ, der und den Richards bringt..." heißt Christian Sorge ("Sorje" )- so viel Zeit muss sein! Ansonsten- Klasse Bericht!

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