#1

Ein „kunterbunter Wochenend-Musik-Marathon“… vom 17.09. bis 19.09.2010

in Off-Topic 20.09.2010 21:15
von Mary (gelöscht)
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Dieses Wochenende mied ich bewusst, die „großen“ Bühnen. Meine Heimatstadt hat zahlreiche „kleine“ Bühnen, die es durchaus verdienen, besucht zu werden.
So zog es mich am Freitag in die „Buchbar“, eine rührend betriebene Freizeitstätte in der Dresdner Neustadt, am Samstag besuchte ich mein „Fast-Zuhause“, den „kunsthofgohlis“ in Dresden und am Sonntag saß ich in einer der zahlreichen Kirchen meiner Stadt.
Die drei Tage waren für mich ein „internationales“ Musikerlebnis.
Befand ich mich am Freitag musikalisch noch in Deutschland, schon am Samstag entführten mich die Klänge nach New Orleans, Chicago… in die Weiten des Blues und am Sonntag brachte mir die Musik die Sonne Brasiliens.

Tag 1

Freitag, 17.09.2010 - Saitenflair, Sylvia, Peter Braukmann - „Buchbar“ in Dresden – Neustadt

Heimvorteil ist herrlich…, ich schwang mich auf meinen Drahtesel und radelte am frühen Abend in die Dresdner Neustadt. Der „Sonnenhof“, gleich neben der Touristenattraktion „Kunsthof-Passage“ gelegen, war mein Ziel. Kleiner als die Kunsthof-Passage, aber mit unheimlich viel Liebe und Selbstlosigkeit geführt. Wo sonst gibt es einen „Umsonstladen“…? Man darf „mitnehmen“, ohne zu bezahlen. Man kann tauschen oder nur etwas „bringen“. Gerade für Bedürftige eine wunderbare Erfindung. Ein kleiner Wasserlauf mit Brücke ziert den Hof. Und dann ist da noch die Buchbar.
Man kann das wörtlich nehmen, denn die Bar besteht aus Büchern. Im Internet findet man folgende Zeilen…:
„Von der “Blauen Stunde” am Vormittag zum Lesen, Entspannen und Arbeiten, über die Kinder- und Familienveranstaltungen am Nachmittag, bis zu den abendlichen Events, Künstlervorstellungen, Spielen und Festen; in der Atmosphäre einer mittelalterlichen Klosterbibliothek, gemischt mit da Vincis Werkstatt könnt Ihr in Ruhe euren liebsten Freizeitbeschäftigungen nachgehen…“
In einem Satz kann man das Ambiente nicht besser zusammenfassen. Es sei man nennt die Buchbar einfach „Insel zum Träumen“. Mitten in der hektischen Großstadt wurde dieses Kleinod von Michael Hunger geschaffen. Einem Mann, der im Herzen Kind geblieben ist und seinen Mitmenschen versucht, ein Stück ihrer Kindheit und Träume zurückzugeben.
Heute fand hier der 14. musikalische Hofabend statt. „Saitenflair“, ein Gitarrenduo aus dem Brandenburger Raum, Sylvia Schweikl, die hier den Laden „schmeißt“, auch selbst musiziert und Peter Braukmann, ein Folksinger aus Meißen hatten sich als Gäste angesagt. Erwähnenswert noch, alle Musiker, die hier Auftreten, tun dies ohne Gage, spielen allenfalls „in den Hut“. Und trotzdem meinte Sylvia, sie habe Probleme, alle, die hier spielen wollen, unterzubringen. Es scheint, hier zählen andere Werte.

Ich war wieder mal zu früh vor Ort, entdeckte für mich viele kleine Details, die ich vorher noch nicht wahrgenommen hatte. Blätterte in diesem und jenem Buch, bestaunte wieder mal das Legostein-Schachbrett. Die Zeit verging wie im Fluge bis der „Hofabend“ begann. Der Name sagt es schon, es war ein „Draußen-Konzert“, das letzte in diesem Jahr, wie Sylvia sagte, als sie den Abend mit einem ihrer Titel eröffnete.
„Saitenflair“, das sind Andy und Henning, die mit 2 Gitarren eine Stimmung zauberten, die gut in eine laue Sommernacht gepasst hätte.
Doch hier war es kühl, die Gitarren mussten aus dem Grund hin und wieder gestimmt werden.
Viele sanfte Lieder erklangen, so dass Andy von Saitenflair meinte, er würde schon "ermahnt", weil er so viele Liebeslieder schreibt. Mir gefielen die sanften Songs von Saitenflair (weil ich „Frau“ bin? Oder weil ich schon nicht mehr gaaaanz jung bin? – egal). An „Als ich fort ging“ in dieser Version kann ich mich nur schwer gewöhnen, das gebe ich zu… Ich bin nun mal eine von „Früher“. Aber was Saitenflair“ ansonsten bot, findet mit Sicherheit Freunde.
He Andy, he Henning, ich hoffe, Eure Finger sind nicht „erfroren“ und gleiten auch beim nächsten „Sachsenbesuch“ flink über die Saiten!

Sylvia Schweigl, ich bewundere sie ganz im Stillen, wie sie ihren Alltag meistert…, füllte den zweiten Teil. Und da war sie wieder diese stille Sehnsucht, die mich in den „Sonnenhof“ zog… Sanft erzählte Sylvi von ihren Songs, bat um Verständnis, dass sie uns als „Probepublikum“ „missbraucht“…
Ich habe mich in ihre Titel hinein gehört… und bin „hängen geblieben“…
Fast ist es egal, ob sie live deutsch oder englisch singt, ich mag die zierliche Frau. Und das will was heißen, bin ich doch ein Verfechter der „deutschen“ Sprache in „DEUTSCHLAND“ – so eine Art „Heimatwächter“.., damit wir nicht völlig unsere Identität verlieren.
Sylvi allerdings, die selbst wunderbare deutschsprachige Titel produziert hat, nehme ich „Oldie“ hier gern die englischsprachigen Titel ab, ein Teil weckt Erinnerungen und der letzte Song, „Zombie“ von The Cranberries auch etwas Wehmut… - verdammt, wo sind die Jahre hin…?
Eigentlich hätte ich Sylvia Schweigls Gesang gern länger gelauscht…, aber da war noch Peter Braukmann, der seinen Beitrag leisten wollte und nicht umsonst gefroren haben sollte.

Eine Art Liedermacher, der, wie er selbst sagte, aus den „verbrauchten" Ländern kam und jetzt in Meißen lebt. Die Musik klang anders als die voran gegangene. Auch das waren Braukmanns eigene Worte… Seine Lieder führten uns zurück in die 70iger Jahre…, einfach, für alle verständlich – anders eben. Meine Finger waren kalt…, der Akku der Digicam war leer, der Blick auf die Uhr ließ meine inneren Alarmglocken klingen…, auch morgen hatte ich Dienst…
Als Peter Braukmann eine Art Volkslied anstimmte und zum mitsingen animierte, überlegte ich kurz, nach Hause zu gehen…
Doch als er „Ich hab Ural im Urin“ sang…, blieb ich doch an der Tür stehen, bevor ich dann ins Innere verschwand.
Ich wusste, ich muss gehen, wenn ich am Samstag pünktlich aus den Federn kommen wollte.
Als Letzter eines solchen „musikalischen Hoffestes“ hat man es eh immer schwer und dann noch bei diesen Temperaturen…
Danke Peter Braukmann, dass Du „durchgehalten“ hast.
Mein Drahtesel war gesattelt, ich schwang mich drauf und radelte fröhlich vor mich hin summend nach Hause.
Gute Laune hatte ich auf einmal, obwohl ich wusste, meine Nachtstunden waren wieder einmal gezählt…, ist es nicht genau das, was solch ein „Liederabend“ bewirken soll…?
Danke an die Musiker, die so selbstlos den „Sonnenhof“ besuchen,
Danke an Sylvia, die sich so rührend um all das kümmert und einen dicken Dank an Michael Hunger, ohne den es dieses Kleinod nicht geben würde.

Die letzten zwei Fotos sind von der Homepage der Buchbar...

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zuletzt bearbeitet 24.09.2010 22:39 | nach oben springen

#2

RE: Ein „kunterbunter Wochenend-Musik-Marathon“… vom 17.09. bis 19.09.2010

in Off-Topic 21.09.2010 07:42
von Sonny | 1.752 Beiträge | 2059 Punkte

Mary, Du bist ein Glückspilz. Auch das Glück kommt nicht von allein. Z.B. muss man/frau wissen, wo es sich aufhalten könnte und dann hinradeln. Ich hab beim Lesen gut nachempfinden können, wie dieser als Tag 1 von Dir beschriebene Abend sich anfühlte. Die wenigen Fotos sind ausreichend, um die bildliche Vorstellung zu ergänzen.
Wunderbarerweise beflügeln solche Erlebnisse die eigenen Energien.
Dürfen wir hoffen auf Tag 2 und Tag 3 ?


*
Doch die Zeiten ändern sich. Ob wirs mögen oder nicht. Alles hat seine Zeit.

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#3

RE: Ein „kunterbunter Wochenend-Musik-Marathon“… vom 17.09. bis 19.09.2010

in Off-Topic 24.09.2010 14:32
von Mary (gelöscht)
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Aber ja doch Sonny..., aber es dauert halt...

Tag 2

Samstag, 18.09.2010 – Lutz „Kowa“ Kowalewski im „KunsthofGohlis“ Dresden

Strahlende Abendsonne begleitete meinen Weg zum „KunsthofGohlis“ in Dresden, als ich mich gegen 18:30 Uhr auf den Weg machte. Fast schien es, die Sonne wollte mich vorbereiten auf meine musikalische „Südstaaten-Tour“…, Texas, Mississippi, Louisiana...
Wieder einmal war es Lutz „KOWA“ Kowalewskis Blues, der mir im Kunsthof mit Akustikgitarre, Bassdrum, Dobro, Bottleneck und hölzernem Kazoo einen unterhaltsamen Abend bescheren sollte.
Völlig entspannt wanderte ich durch die, in goldenes Licht getauchten Wiesen, zum Veranstaltungsort. Ein herrlicher Anblick, die Natur in der Abendsonne! Heute hatte ich alle Zeit der Welt, kein Weckerklingeln würde mich vorzeitig aus der Veranstaltungsstätte treiben. Nur meinen Busfahrplan, den musste ich etwas im Auge behalten.
Herzlich die Begrüßung, als ich im Kunsthof ankam, man kennt sich ja inzwischen.
Sorgfältig wie immer bereitete KOWA gerade seine Instrumente vor, bestückte damit die kleine Bühne.
Ich hatte Zeit mich umzusehn. Ich bin eigentlich regelmäßig hier und trotzdem finde ich bei jedem Besuch Neues. Die Wände zieren unzählige Gemälde. Besonders die kleine Bühne lebt von und mit diesem „gemalten Hintergrund“. Diesen „Blick“ hatte man neu gestaltet, was mir jetzt ausgesprochen gut gefällt.
Bemerkenswert allerdings war der große runde Tisch aus Holz, auf den mein Blick schon beim Eintreten fiel. Auf der Tischplatte sind alle Sternzeichen eingearbeitet. Ein wirkliches Kunstwerk. Sanft strich ich mit der Hand über die glatte Oberfläche und dachte ein wenig wehmütig, wie lange dieser Tisch wohl so wunderschön sein wird. Bier– und Weingläser sind im Kunsthof nicht wegzudenken… Eine Veranstaltungsstätte „ohne Eintritt“, wie es im „KunsthofGohlis“ üblich ist, lebt nun mal vom Ausschank.

Die Resonatorgitarre erklang und riss mich aus meinen Überlegungen…, mit herzlichen Worten begrüßte KOWA sein Publikum und erzählte fast „familiär“ von seinem letzten Auftritt im „KunsthofGohlis“. Dieser Auftritt „damals“ im August war eigentlich auch familiär, denn KOWA feierte hier seinen 50. Geburtstag, hatte sich zahlreiche Freunde und Fans eingeladen und spielte an „seinem“ Abend noch einmal gemeinsam mit den „Hot Buttered Grits“. Die Band, die er im Januar 2009 mit Tim Cross gründete, begleitet er nun nur noch als „Gastmusiker“. Der „KOWA-Geburtstag“ war ein wirklich gelungener Abend und ich wünschte mir, der heutige „Solo-Abend“ wird das auch.
Bevor KOWA die Saiten zum klingen bringt, erfahren die Zuhörer Geschichten und Geschichte der Songs. So erzählt er auch heute von Robert Johnson, der mit seinem Song „Crossroad“ angeblich an dieser berühmten Kreuzung einen Packt mit dem Teufel schloss. Wir erfuhren auch, dass Johnsons „Walkin Blues“ am 22. November 1936 zum ersten Mal auf Schellack-Platten geschrieben wurde, bevor KOWA den Song für uns spielte. Auf einer Schellack-Platte ist ein Titel…, wenn ich an meinen stolzen „CD-Besitz“ denke…, stelle ich grinsend fest, das alles als „Schellack“ wäre einfach nicht unterzubringen…
Musik und diese Geschichten gehören in KOWA’s Konzertabenden einfach zusammen.
„Have A Good Time“, die Gäste wippten im Takt…, es folgte ein Gitarrenwechsel, die Akustikgitarre kam zum Einsatz, … und weiter…, "San Francisco Bay Blues". Die Musik macht einfach gute Laune.
Wieder einmal bemerke ich, Blues muss nicht traurig, wehmütig sein, so wie man oft meint.
Gitarre, Bassdrum, Kazoo klangen durch den Raum, kombiniert mit rhythmischem Applaus ist es einfach eine gute Mischung für diesen Samstagabend.
"Shake Your Moneymaker", der Song zum „Abhotten“, war der „Rausschmeißer“ des ersten Konzertteils. Natürlich forderte KOWA auch heute und hier das Publikum zum Mitsingen auf…
Keinen trieb die Zeit…, man kam ins Gespräch… und „irgendwann“ wurde Teil zwei eröffnet…
Manchmal meine ich, KOWAS „Seele ist auch schwarz“…, wenn ich all die Titel höre, die eigentlich „wo ganz anders“ zu Hause sind. Aber er ist im hier und heute daheim…, kann herzlich sein, auch mal gestresst (meist berechtigt) und lebt einfach für seine Musik!
Zwei Pausen räumt KOWA ein…, bevor er das Ende verkündet… (wegen der Nachbarn…), aber ich weiß, er könnte weiter und weiter und weiter spielen… Lutz KOWA Kowalewski ist einer der Musiker, denen man Spielfreude anmerkt. Er ist eins von den seltenen Exemplaren…, das schon mal ein „mehr als 10 Stunden-Programm“ schiebt… und trotzdem lächelt… Wer es nicht glaubt, schaue beim Weinfest in Radebeul/Altkötzschenbroda vorbei – dort in der „Schmiede“ wird man ihn am Sonntag treffen von 14:00 Uhr bis „Open-end“…

Als das Programm beendet war, begann an einem der, von vielen Besuchern liebevoll signierten und zeichnerisch garnierten Stammtische der „gemütliche Teil“ des Abends. Auch ich habe es endlich geschafft, mich dort zu „verewigen“. Nur hoffe ich im Stillen, dass mein „gemalter“ Teil „aus dem Rahmen“ fällt, denn, wie könnte es anders sein, auch diese Utensilien sollen gerahmt werden und den Kunsthof zieren.
In dieser nächtlichen Plauderei stellte ich wieder einmal fest, hier, genau hier, bin ich richtig…
Zum Glück fiel mein Blick 1:30 Uhr auf die Uhr…, überstürzter Aufbruch…, denn die DVB haben in ihrer Fahrzeit diverse „Auszeiten“, wo Nachtbummler, wie ich, unendlich lange an den Haltestellen warten… "Can't find my way home“, klingt wunderbar, wenn es KOWA singt – ich allerdings, möchte schon „meinen Heimweg finden“ und nicht „verloren“ am Straßenrand stehen… - also riss ich mich wirklich völlig „überstürzt“ von der gemütlichen Runde los und sprintete zur Haltestelle…
Gut so, denn nur wenige Augenblicke darauf erschien das „gelbe Wesen“ der DVB, ich stieg ein und fuhr meinem „Daheim“ entgegen… Dachte während der Fahrt daran, was mir letztens passierte…, der Fahrer „übersah“ mich…, fuhr einfach vorbei! Ich rannte hinterher, gestikulierte wild mit den Armen… Gnädig hielt der Fahrer nach meinem 200m-Sprint und meinte tatsächlich: „Na hier steht sonst keener…“
DVB, dafür zahl ich doch gern ein wenig mehr!
Wenn ich auf Achse bin, kann mich so leicht nichts erschüttern…, wenn ich am Folgetag frei hab, sowieso nicht… Aber diesmal ging alles glatt.
Nur mein anderer Familienteil, der sich so gar nicht für das, was ich mag, interessiert, hatte ein wenig das Nachsehen…, Sonntagsfrühstück – allein, denn ich kam nicht aus dem Bett…

„Noting but the Blues“… wirbt KOWA auf seinen Plakaten…

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zuletzt bearbeitet 24.09.2010 18:15 | nach oben springen

#4

RE: Ein „kunterbunter Wochenend-Musik-Marathon“… vom 17.09. bis 19.09.2010

in Off-Topic 25.09.2010 20:37
von Mary (gelöscht)
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Tag 3

Frank Burkhard Basan (Frank do Violão) – 19.09.2010 - Ev.- Luth. Kirche Dresden/Prohlis

Eigentlich war ich der Meinung mit dem „Hechtfest“ in Dresden Neustadt ist der allgemeine „Stadtteilfestrummel“ vorbei, ich vergaß das Herbstfest in Dresden/Prohlis. Nein, ich hatte keine Lust auf „Menschenmassen“, hatte mir für den frühen Abend ein eher „stilles Event“ ausgesucht. Diese Zeilen im Programm des „Herbstfestes“ zogen mich magisch an: „Vom Farbenreichtum der brasilianischen Gitarre, ein Konzert mit Frank do Violão…, Kirche Dresden-Prohlis…“.
Vielleicht ist es beschämend, wenn ich als Dresdnerin nicht einmal weiß, wo sich die Kirche befindet. Aber ich kannte „Frank do Violão”. Das ist Frank Burkhard Basan, ein Gitarrist aus Dresden, der sich vor allem der brasilianischen Gitarrenmusik verschrieben hat.
Ich wusste die Richtung in der sich besagte Kirche befinden musste, meinte, eine Kirche kann man einfach nicht übersehen, also machte ich mich auf den Weg.
Lärmende Musik, Karussells und Rummelplatzstimmung empfing mich in Prohlis…, genau das, was ich nicht suchte. Und was noch schlimmer war, ich sah keine Kirchturmspitze, wohin ich mich auch wendete. Die Zeit wurde knapp… Eine junge Mutter schickte mich den Weg zurück, erklärte mir, die Kirche, sieht nicht wie eine „richtige“ Kirche aus. Ich war einfach vorbei gelaufen an diesem eher unauffälligen Bauwerk. In den 80iger Jahren sei sie gebaut worden, erzählte mir der junge Kantor Thomas Neumeister nach der Veranstaltung. Was eigentlich sehr bemerkenswert ist, denn die Regierung dieser Zeit hatte mit „Kirche“ eigentlich „nichts am Hut“.

Ich traf noch rechtzeitig ein… Es war 17:00 Uhr, die Kirchenglocken klangen und als sie verstummten, begann "Frank do Violão" seinen Konzertabend. Schon die ersten Töne ließen mich aufatmen, innerlich irgendwie „zur Ruhe kommen“…
Ich lehnte mich zurück und ließ mich treiben von „sanft-fröhlichen“ Gitarrenklängen.
Brasilien, das war für mich bisher verbunden mit Samba…, ich sah vor meinem geistigen Auge Rio de Janeiro, Karneval und tanzende Menschen… Bossa Nova kannte ich auch. Seit heute weiß ich, durch Frank Burkhard Basans kurze informative Einleitungen zwischen den einzelnen Stücken, es gibt noch vieles mehr, Baião, Choro (Chorinho), auch Walzer im brasilianischen Stil…
Der dort so bescheiden auf seinem Stuhl sitzt und uns all das erzählt, muss es wissen. Schließlich studierte er Gitarre nicht nur in Deutschland und den USA, wo er 1999 mit dem akademischen Titel "Master of Music" ausgezeichnet wurde, sondern auch in Brasilien.
In Brasilien gibt es, wie ich finde, eine wunderschöne Tradition, Virtuose Musiker bekommen einen Spitznamen nach ihrem Instrument. Frank Burkhard Basans brasilianischer Gitarrenstil klingt so „echt“, dass man ihm deshalb den Namen „Frank do Violão“ (Frank die Gitarre) gab.

Traditionelle brasilianische Stücke, aber auch eigene stellte F.B. Basan vor. So z.B., “Choro Nr.2”, ein fröhliches Gitarrenstück, dass er für Ovidio, einen Freund schrieb.
Da ich selbst kein Instrument spiele, kann ich weder zu Spieltechniken etwas sagen, noch beurteilen, ob „jeder Ton sitzt“. Das ist mir persönlich auch nicht wichtig, ich bin kein „Musikkritiker“.
Ich möchte mich „Wohlfühlen“, wenn ich ein Konzert besuche. Und genau dieses „Wohlfühlen“ stellte sich hier ein.
Wer mich kennt, weiß von meinem „unruhigen, umtriebigen“ Wesen, weiß, dass ich bei Rockmusik regelrecht ausflippen kann, weiß, dass ich die Musik vieler Liedermacher mag, dass ich den Blues in mein Herz geschlossen habe. Manchmal aber möchte ich einfach nur still lauschen, nichts als hören…
Diese brasilianische Musik ist dafür genau das Richtige. Es braucht einfach keine Worte. Eine Gitarre, so meisterhaft gespielt, kann mehr erzählen, als ein Lied mit Worten zu erzählen vermag.
Viel zu schnell war diese Veranstaltung zu Ende. Dankbarer Applaus des Publikums, als sich Frank Burkhard Basan noch einmal setzt, zur Gitarre greift und „Ticio tico no fubá“ aus seinem Instrument zaubert.. Die Töne sind so fröhlich, dass man meinte den kleinen Vogel, der vor sich hin pickt, von dem das Lied erzählt, tatsächlich vor sich zu sehen…
Einen schöneren Abschluss für dieses Konzert hätte „Frank do Violão“ kaum finden können.
Frank Burkhard Basan wird live auch von Reginaldo Angelim, einem brasilianischen Sänger und Percussionisten begleitet. Und ich weiß, ich werde die beiden bei Gelegenheit zusammen hören.

Plärrende Karussellmusik empfing mich draußen… Ich kam mir vor, als wäre ich soeben in einer anderen Welt gewesen. Nichts wie weg hier, damit mir dieser Trubel nicht mein wunderbar beschwingtes Gefühl zerstört. Als ich mich entfernte, lief ich herrlichem Abendrot entgegen. Dieser Anblick passte genau zu meiner jetzigen Stimmung.

Mein Wochenendprogramm hätte bunter nicht sein können!
Ich weiß jetzt, meine Entscheidung war richtig, es müssen nicht immer die „großen“ Bühnen sein…

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zuletzt bearbeitet 25.09.2010 21:28 | nach oben springen

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RE: Ein „kunterbunter Wochenend-Musik-Marathon“… vom 17.09. bis 19.09.2010

in Off-Topic 25.09.2010 21:30
von Mary (gelöscht)
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Wer mag...,
hier ein Musikbeispiel:

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