#1

ABACAB & LARRY B. live beim Weinfest in MEISSEN

in Off-Topic 25.09.2010 14:49
von HH aus EE (gelöscht)
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ABACAB – ein Tribut an Phil Collins in Meissen

Im September 1981 veröffentlichen GENESIS mit „Abacab“ ihr 11. Studioalbum und dokumentieren damit rückblickend eine radikale Wende in ihrem Schaffen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der ehemalige Frontmann und kreative Kopf, PETER GABRIEL, schon seine 3. Solo-LP veröffentlicht und der stilistisch sehr eigenwillige und kreative Gitarrist STEVE HACKETT war auch nicht mehr dabei. Dieses 3. Album als Trio stößt endgültig die Tür zum kommerziellen Radio und damit zu einer jüngeren Käuferschicht auf. Von ihren alten Fans hat sich die Band damit quasi „verabschiedet“ und die Einladung an die jüngere Konsumenten-Generation war nicht zu überhören.

Im gleichen Jahr 1981 war der jetzige Sänger der STERN COMBO MEISSEN, Michael Brödel, gerade mal ein Teenager und für den jungen Mann mit einer klassischen Gesangsausbildung als Tenor, gehören GENESIS schon damals zum privaten Hörprogramm. Spätestens mit „Follow You, Follow Me“ hatten seine Ohren dieses eigenartige Deja Vu, so wie Jahre zuvor auch ich es mit „Trespass“ und „The Knife“ hatte. Seitdem ist seine Begeisterung für ausdrucksstarke und unverwechselbare „Rock-Voices“ (Jon Anderson, Phil Collins) nicht mehr zu aufzuhalten.
Von damals bis heute gab es für LARRY B., wie er sich jetzt nennt, einige Stationen zum Ausprobieren (ZEBRA, KARUSSELL) und seit 1996/97 parallel die Projekte KRAUSE BAND und TOXIC SMILE. Vor allem in letzterer und bei der STERN COMBO MEISSEN kann er seine Ambitionen in Richtung komplexere Musikstrukturen voll ausleben.

An diesem letzten Septemberwochenende ist im Sächsischen Meissen mal wieder Weinfest und als einer der musikalischen Höhepunkte ist ABACAB angekündigt. ABACAB ist jenes Projekt von LARRY und drei Freunden, das den späteren Songs von GENESIS und denen von PHILL COLLINS Tribut zollt.
Der Heinrichsplatz, in früheren Zeiten ein Fisch- und Holzmarkt, ist zu dieser Nachstunde rappelvoll. Unter Bäumen, eingepfercht zwischen massig Holzbuden, dem alten Heinrichsbrunnen sowie der wuchtigen Franziskanerkirche gegenüber, duckt sich eine Bühne unter die Bäume. Als ich dort endlich ankomme, kracht mir der übersteuerte Sound der Berliner ROCK COPY RATS um die Ohren und selbige beschließen erst mal, dicht zumachen, was anderen Ortes zu erklären wäre.

Es ist nur noch eine Stunde bis Mitternacht, als ein „brennendes Tau“ (Burning Rope) dann endlich instrumental „the Voice of Phil Collins“ ankündigt. Was für ein Unterschied im Sound zu gerade eben, welch Labsal für die Ohren, wenn es klingt und trotzdem schön laut ist! Kein Zweifel, diese Keyboards, diese zerrige Gitarre und die trockene Wucht der Drums, das ist „Abacab“. Von Null Komma Nichts furztrocken auf Hundert - Vollgas! Hinter LARRY steht BURKHARD „Moppel“ MÖBIUS und lässt die Gitarrensaiten zirpen und wimmern, während BERND FLEISCHER die schwarz-weißen Tasten Klang-Teppiche aus Akkorden weben läßt. Hinten in der Mitte sitzt DANIEL ZEHE und spielt mit den Becken und Fellen sein wuchtig - rhythmisches Lied dazu.
Der Heinrichsplatz bebt, die Bäume wippen und die ersten im Publikum kreisen mit den Hüften. Aufkeimende Party-Stimmung und bei „You Can’t Hurry Love“, der alten Surpremes-Nummer aus MoTown, sehe ich das erste Glänzen in den Augen der Sächsischen Damen. Beim Rhythmus von „No Son Of Mine“ (Nicht mein Sohn) spüre ich auch, dass es noch geht und spätestens mit dem „Invisible Touch“ (Unsichtbare Berührung) vom gleichnamigen Album brennen dann auch bei mir die Sicherungen durch. Na und, mir war so, egal, wie „doof“ das aussieht!

Stück um Stück nehmen uns LARRY, MOPPEL, FLEISCHMANN & DANIEL mit auf eine traumhaft schöne Reise der Emotionen und Erinnerungen durch das Klang-Universum der Songs von Collins, Rutherford und Banks. Du schließt die Augen, stehst zwischen Schwaden aus Bier-Dunst oder wahlweise Bratwurstgeruch und denkst dennoch, da vorn, das muss die kleine Ausgabe von GENESIS sein. Anders ist diese Perfektion und Detailtreue nicht zu erklären.

Weit nach Mitternacht brennt die wein-schwangere Luft, sie duftet zudem sehr verführerisch und dieser geklonte Collins in Gestalt von LARRY stöhnt und schreit „Tonight, Tonight“ und der Chor der Wein- und Biertrinker antwortet ihm ohne Zaudern mit „Ooohh!“. Es folgt „I Can’t Dance“, was man im Angesicht der zuckenden, vorwiegend weiblichen, Körper gar nicht glauben mag und wieder mal ahne ich, dass zumindest Sex und Rock’n’Roll schon immer eine Einheit waren.
Die Band hat sichtlich Spaß und das Spiel nah an der Rampe gibt dieses Gefühl direkt nach unten weiter. Beim kurzen Drum-Solo inmitten von „Sussudio“ wetteifern DANIEL, selbst dann noch immer lächelnd, und Bernd am Mini-Set miteinander. LARRY steigert sich von „In The Air Tonight“ bis „One More Night“ derartig, dass ich fürchte, sein Vorrat an Tempo-Taschentüchern könnte eventuell nicht reichen. Wie Phil Collins auch, verwendet er bei „Mama“ eine Handlampe, um die musikalischen Breaks in dem hochemotionalen Song auch optisch mit seinem Gesicht zu untermalen. It’s showtime!

In der zweiten Stunde des neuen Tages klingt die Referenz an eine großartige Band und ihre Musik aus. „Afterglow“ ist der definitive Abgesang, nachdem es schon „einen anderen Tag im Paradies“ gab. Zwei Stunden Musik von GENESIS und PHIL COLLINS so authentisch, dass einem getrost auch mal die richtigen Worte der Begeisterung fehlen dürfen. Ohne die Musik eines Originals mit eigener „Kreativität“, wie die Band davor es locker praktizierte, verschleiern oder die typische Handschrift von Collins verfremden zu müssen, geben die vier Herren von ABACAB dennoch allen Songs ihre eigene Musikerseele mit auf die Reise. Das hat schlicht Klasse, ohne sich dabei irgendwie, in Posen und Effekten zu verharren, anbiedern zu müssen. Das ist der Klang von ABACAB – this is the voice of Phil Collins.

Die Nacht ist gegen 03.°°Uhr nicht mehr sehr lang und in meinem Körper schwingt es noch immer: a-b-a-c-a-b.
Das Original zu sehen war mir leider nie vergönnt. Peter Gabriel zum Glück schon und die Kanadier MUSICAL BOX mit der Originalwiedergabe der alten Shows aus den 70ern auch. Jetzt hatte ich ABACAB zum Anfassen und das für den Preis eines Park-Tickets an der Elbe. Ob ich mir jetzt noch mal irgendwann das Trio(Original) antun „muß“, bezweifle ich gerade, denn „die Stimme von Phil Collins“ haben meine Ohren gerade vernommen. Mehr geht wahrscheinlich nicht – „That’s all“.

Angefügte Bilder:
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zuletzt bearbeitet 25.09.2010 17:04 | nach oben springen

#2

RE: ABACAB & LARRY B. live beim Weinfest in MEISSEN

in Off-Topic 25.09.2010 15:50
von Maxi | 535 Beiträge | 800 Punkte

Danke für diesen sehr sehr schönen Bericht.
Gern hätte ich diese Show auch gesehen. Denn seit meiner Kindheit bin ich ein riesen Genesis-Fan, und zwar von der Collins-Ära.
Für mich ging im Sommer 2007 somit ein Kindheitstraum in Erfüllung, als Genesis Anfang Juli in Leipzig halt machten.
Hoffentlich kommt abacab mal in meine Gegend.

Lg Maxi

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#3

RE: ABACAB & LARRY B. live beim Weinfest in MEISSEN

in Off-Topic 26.09.2010 17:32
von kkMEI (gelöscht)
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In der FOTOGALERIE noch ein paar Eindrücke zu diesem Konzerterlebnis!

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#4

RE: ABACAB & LARRY B. live beim Weinfest in MEISSEN

in Off-Topic 26.09.2010 20:12
von JÖD
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Die Glaubhaftigkeit des Schreibers wird leider durch sein offensichtliches Problem, das mit den Tomaten auf den Ohren, getrübt.
Der Sound von Larry´s Abacab war leider (dass muß man schon sagen) sehr sehr bescheiden.
Das gesamte Konzert war durchzogen von permanenten Rückkoppelungen und rumgepfeife auf der Bühne.
Die wohlbemerkt bandeigene Technik samt Techniker waren also der Sache nicht zuträglich.
Es konnte während des gesamten Auftrittes keins dieser sehr unschönen Probleme gelöst werden.
Wer das nicht gehört hat, der sollte auch keine Beiträge in einem öffentlichen Forum schreiben, denn wie oben schon erwähnt leidet die Glaubhaftigkeit sehr darunter !!

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#5

RE: ABACAB & LARRY B. live beim Weinfest in MEISSEN

in Off-Topic 26.09.2010 22:05
von HH aus EE (gelöscht)
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Ich glaub’ eher, dass Konzerteindrücke, ob nun mit Tomaten „auf den“ oder „Bohnen in die Ohr’n“, schon immer sehr individuell waren und sind. Wenn ich also etwas nicht höre, auf das sich andere konzentrieren, ist das eben individuell unterschiedlich, glaubwürdig aber schon. Deswegen gleich mit Schreiben aufzuhören, wäre einfältig. Ich käme ja aus dem Aufhören nicht raus, wenn ich auf alles so reagieren würde, was andere, die mit mir zufällig am gleichen Ort waren, anders empfinden. Das habe ich mir schon vor mehr als 20 Jahren nicht angewöhnen können. Warum also gerade jetzt?
Inzwischen lese ich andere Meinungen sehr gern, zeigen sie doch, die Vielfalt des Lebens und eine andere Sicht zu erleben, ist auch sehr spannend. Deshalb DANKE, Gast JÖD.

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#6

RE: ABACAB & LARRY B. live beim Weinfest in MEISSEN

in Off-Topic 27.09.2010 05:47
von JÖD
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Nunja,...wenn die Feedbacks nur so durch das Publikum brüllen und scherbeln, dann hat das wenig etwas mit individuellen Eindrücken zu tun, als mehr damit, dass der Auftritt dadurch sprichwörtlich versaut war.
Es ging ja dabei nicht um ein oder zwei kleine Pfiffe,....es ging 2 Stunden lang !! Viele der Zuschauer haben getobt,...zurecht !!

Anyway..... es funktioniert sicherlich auch solche Dinge nicht wahr haben zu wollen.
Thats my 2 Cent !!

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