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ERIC BURDON zum 70. Geburtstag

in Off-Topic 11.05.2011 16:23
von HH aus EE (gelöscht)
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Wie ein Tier - Eric Burdon zum 70. Geburtstag

Jeder, der ab den 60er Jahren eine Gitarre in die Hand nahm, um fortan Beat- und Rockmusik zu spielen, kam an diesen Barre-Griffen am Gitarrenhals hoch nicht vorbei, wenn er die Melodie eines alten amerikanischen Folk-Songs dazu singen wollte: „There is a house in New Orleans, they called the rising sun.“ Ich weiß, wovon ich schreibe und tausende andere wissen es auch. Die Griffe und das einzelne Anschlagen oder Zupfen der Saiten hatten wir irgendwann so oder so drauf, aber die Art zu singen, wie dieser ERIC BURDON, sollte für alle und ewig ein Traum bleiben. Heute, da dieser weiße Blues- und Rock-Singer seinen 70. Geburtstag begeht, wissen wir das längst.

Der Mann aus dem Norden Englands gründete 1962 zusammen mit Freunden eine Band und nannte sie THE ANIMALS (Tiere), später ERIC BURDON & THE ANIMALS. Das war mehr als folgerichtig, denn seine Stimme und sein unverwechselbarer Gesang machten aus „The House Of The Rising Sun“ jenen Welthit, an dem sich seither die Gitarre spielenden Jugendlichen und hoffende Sänger versuchten. Es folgten Songs wie „Gotta Get Out Of This Place“, „See See Rider“ und das legendäre „Don’t Let Me Be Misunderstood“, das Santa Esmeralda mit ihren Weiber-Ärschen zu einer schillernden Disco-Nummer verwackelten und damit 1977 in die Charts kamen.
Bald jedoch trennte sich der Sänger von der Band, um mit den NEW ANIMALS weiter zu machen. In der Zeit der aufkommenden Hippie- und Love & Peace – Bewegung landete er mit „San Franciscan Nights“ eine der ultimativen Hymnen jener Tage und mit der entsprechenden Langrille „Winds Of Change“ (1967) einen Meilenstein. Ein Jahr später packte er mit „The Twain Shall Meet“ noch einen drauf und ich kam seither von der überlangen Saga „Sky Pilot“ nicht mehr los. Mit dem Doppel-Album „Love Is“ (1968) machte er den Dreier komplett und das darin enthaltene einzigartigen Cover von „Ring Of Fire“ katapultierte ihn endgültig in den Rock-Olymp. Rock-Fans der zweiten oder gar dritten Generation sollten wissen, dass damals kein geringerer als ANDY SUMMERS, später einer von dreien bei THE POLICE, eine Gitarre spielte, die er später nie wieder so rockig, dreckig und zuweilen auch lyrisch in eine Band integrieren konnte. Eigentlich hätte es für mein Gefühl genau so weiter gehen können.

Doch Eric Burdon lernte auf seinem Weg die Funk & Soul-Band NIGHTSHIFT kennen, schloss sich den Musikern an, um fortan gemeinsam als ERIC BURDON & WAR konsequent schwarze Musik zu machen. Dank seiner Stimme fiel es mir damals leicht, den Schwenk vom „See See Rider“ über „San Franciscan Nights“ hin zu „Spill The Wine, Take That Girl“ mitzumachen und dem Mann bis tief hinein in das schwarze Soul-Universum von „Eric Burdon Declares War“ zu folgen. Es war ohnehin die Zeit der großen Umbrüche und so trennte er sich 1973 auch von dieser Band, um solistisch tätig zu sein. Dies macht er in unterschiedlichen Konstellationen und Projekten bis heute, die zu entdecken oder noch einmal heraus zu kramen, jeder für sich selbst tun sollte.

ERIC BURDON ist bis heute einer, der über die Jahre Rockmusik prägte, wie nur wenige es vermochten. Er ist einer, der nie irgendwelchen Trends hinterher jagte oder gar den Zeitgeist aufzuschnappen suchte. Burdon war immer er selbst, stets authentisch und kreativ und deshalb auch prägend mit dem, was er musikalisch tat und noch tut. Den Wunsch, diesen Ausnahmekünstler mit seiner Band einmal live zu erleben, habe ich mir Anfang April 2006 gemeinsam mit einem Freund in der stickigen Luft der Berliner Kulturbrauerei erfüllt. Da stand wenige Meter neben uns auch ein Mann namens Toni Krahl, um vielleicht seinen Soul-Hunger aus College-Zeiten zu stillen.

Es war Burdon’s Pech, dass die Urheberschaft von “Rising Sun” allein dem Keyboarder ALAN PRICE zuerkannt wurde und unser Glück irgendwie auch, denn Burdon verdiente über all die Jahre an den Folgetandiemen, egal ob Platten, Notenhefte, Radio oder gar Nachspielungen (Frijid Pink), keinen Penny. Selbst der Name ANIMALS wurde nicht ihm, sondern dem Schlagzeuger zuerkannt und vielleicht auch deshalb tourt der Mann mit 70, wie einige andere auch, noch immer durch die Welt und ist live zu erleben. Wer ihn besucht, wird vielleicht erfahren, woher er die Energie und Lust dafür nimmt, wenn er dann singt: „I’m An Animal“ – und das macht er mit satten 70 Lenzen tierisch gut!

Angefügte Bilder:
Animals Burdon.jpg
Animals, AK 60er.jpg
Burdon 2008.jpg
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