Nun liegt es vor mir – der golden glänzende neuste Streich der Fünferbande , die auf den kompliziert zu schreibenden Namen Puhdys hört. Amazon hatte doch noch ein Einsehen.
Da ich Ostockbücher liebe, dauerte es genau 4 Stunden bis ich fassungslos feststellen musste – och , schon ausgelesen.
Es waren vier Stunden, in denen ich die spannende Geschichte einer Band nachlesen konnte und mich erst zögerlich aber dann immer bewusster auch meiner eigenen Biographie näherte, die ich aus vielen Beweggründen heraus gern verdränge.
Das Buch versetzte mich, auch nicht zuletzt durch die guten historischen Fotos, in eine Zeit, als ich 15 war und das erste Mal „Türen öffnen sich zur Stadt“ aus meinem kleinen blauen Sternradio schallte.
Die Puhdys hatten es auf Anhieb geschafft, dass mich ein Lied faszinierte. Die Wiederholung einer Wertungssendung kam vormittags , dort wurde es gespielt. Ich weiß noch, dass ich da immer Unterricht in der Produktion in einem Kuhstall hatte – mich befielen zeitgleich unerklärliche Krankheitssymptome und ich musste nachhause zu meinem Kofferradio. 
1973 sah ich die Puhdys das erste Mal zu den Weltfestspielen. Erinnern kann ich mich nur an gestreifte, enge Hosen.Was sie gespielt haben, weiß ich nicht. Mit 17 setzt man eben andere Prioritäten.
Das Buch ist nicht wie aus einem Guss geschrieben. Man merkt deutlich, dass hier viele verschiedene Schreibstile zusammen geführt werden mussten. Hut ab vor Christian Hentschel, wie er den Spagat gemeistert hat. Das Buch ist um Längen besser als die DVD, man merkt, dass hier jemand mit Insiderwissen am Werk war, der auch selbst Sympathie für die Band hegt.
Von der Struktur her hat er jeden Puhdy einige sehr persönliche Seiten schreiben lassen, wo sie von ihrer Kindheit erzählen und aus ihrer Sicht schildern, wie sich die Dinge entwickelt haben. Hier ist viel Übereinstimmung zu merken, besonders bei der Bewertung der Rolle von Harry. Jeder der Fünf würdigt ihn als den genialen Organisator und sein Wirken nimmt einen breiten Raum in dem Buch ein. Vielleicht ist es eines der Erfolgsgeheimnisse der Band, dass jeder eine Aufgabe entsprechend seiner Talente hatte und diese mit Engagement ausfüllte.
Klar hätte ich mir gewünscht, dass auch Harry und Gunther selbst zu Wort kommen.
Diese persönlichen Geschichten sind das Kernstück des Buches, um die sich weitere Erzählungen in „Wir – Form“ ranken. Jeder sagt was Wohlwollendes über die Kollegen und erzählt noch aus seiner Sicht Erwähnenswertes aus den 40 Jahren. Wirklich berührt haben mich die Schilderungen von Eingehängt und Maschine. Hier wird nicht nur die eigene Biographie vorgeführt, sondern Persönliches in die Geschichte eines längst verschwundenen Landes eingebettet, das für mich Heimat war.
„Ich will nicht vergessen“ ist hier Programm. Beide berichten sehr Privates, die Geschichte von Maschines Jugendliebe ist ein Highlight des Buches. Spannend und witzig erzählen kann auch Eingehängt. Ich glaube, da musste der Coautor wenig tätig werden. Toll auch Quasters Erzählung aus dem Berlin vor dem Mauerbau.
Der Herausgeber hat ganz auf Interviews verzichtet – diese hatten sein Citybuch ja etwas langatmig gemacht. Das Abenteuerbuch halte ich für wesentlich besser geschrieben. Der Leser findet sich hier einfach selbst wieder – ich glaube auch, es ist kein reines Sachbuch, das Wort „Wir“ kommt wesentlich häufiger vor als „Ich“ und jeder der Fünf hat was Interessantes beizusteuern. Etliche Geschichten und Zusammenhänge gibt es auch für langgediente Puhdysfans noch zu entdecken.
Gleich zu Anfang wird über das Abschiedskonzert auf dem Bebelplatz vor 80 000 Zuschauern erzählt. Ich war dabei und bestimmt so in Reihe 500 und die Puhdys hab ich da nicht wirklich gesehen.
Ich weiß noch, dass mich keinerlei Wehmut befiel, denn seit der Platte „Computerkarriere“ hatten es die alten Herren bei mir versch… , ich war immer mehr Fan der großen Balladen und konnte mit der neuen deutschen Welle nicht das Geringste anfangen und empfand es als Verrat, dass nun auch noch „meine“ Puhdys mit dem Mist anfingen. Aber Zeiten ändern sich bekanntlich.
Eine überraschende Wende kam für mich auf Seite 214. Da gibt man doch mal so zwischen den Zeilen zu, dass der Coverstreit von 2005 ein PR-Gag war. Mensch das hätten sie doch mal eher sagen können!
Als das durch alle Medien ging, hab ich panisch im Internet gesucht, wo was dazu nachzulesen ist, denn seit 1993 schätzte ich wieder das musikalische Wirken der Puhdys und verpasste fast kein Freibergkonzert.
Im Gästebuch bei P.com fand ich zum Stunk im Hause Puhdys einen Beitrag mit dem dezenten Hinweis: „Klick auf das Häusel“ Dies tat ich nichtsahnend
und die Tür zum Puhdys-Forum ging auf. Seit dem habt ihr mich hier auf dem Hals und nun müsst ihr meine ellenlangen Ausführungen ertragen.
Als Bonus hat das Werk auch noch eine Chronik und eine Diskographie, sehr übersichtlich gemacht – Danke an den Moderatorkollegen Mike, der daran mitgewirkt hat.
Die Aufmachung des Buches ist aufwändig und die Bilder top ausgewählt. Kollegen, es hat Spaß gemacht, einen Streifzug durch die 40 Bühnenjahre der Puhdys zu unternehmen.