Seit 1981 spielten die Puhdys in der Messehalle B in Villingen-Schwenningen und zwar immer am 2.Samstag im Dezember. Anfangs waren es ein paar hundert Zuschauer, aber das steigerte sich von Jahr zu Jahr, sodass dieses Konzert jedes Jahr der Höhepunkt für Musiker, Techniker und Fans war. Mit der Zeit setzte zu diesem Termin eine Fanwanderung mit Bussen aus ganz Deutschland und der Schweiz Richtung Schwarzwald ein. Natürlich auch aus Paderborn. Das Ganze war ein Verdienst des Veranstalters, der Stadtjugendpflege Villingen-Schwenningen mit ihrem Stadtjugendpfleger Dieter Sirringhaus. Ein toller Bericht über dieses Konzert ist der Dokumentarfilm `Die Puhdys kommen` von 1988, der von Studenten der Filmhochschule Babelsberg im Dezember 88 gedreht wurde. Der Fanclub Paderborn war daran auch beteiligt. In und um diese Konzerte gibt es Unmengen von Geschichten, die man nicht auf einmal erzählen kann, vielleicht mal später in einem Buch. Zum Beispiel kam, es muss so Mitte der Achtziger gewesen sein, einmal ein schwerer Scheinwerfer von oben runter geknallt und schlug knapp neben Quaster auf der Bühne ein. Er meinte dann später mal, `wenn ick tot gewesen wäre, dann wär´ick jetzt betimmt berühmt`. Aber so wie es gekommen ist, ist es uns wohl lieber. Eine Besonderheit war auch die Begrüßung der Fans durch Dieter Sirringhaus. Jeder Fanclub wurde einzeln aufgerufen und meldete sich mit lautem Jubel zurück. Dies konnte schon mal gut und gerne an die 30 Minuten dauern. Auch hat man selten so viele Fanclubfahnen gesehen.
Der Höhepunkt war das Good-Bye Konzert am 9.Dezember 1989, eine Woche vor dem endgültigen Ende in Paderborn. Nie vorher und auch nicht später, egal ob Waldbühne, Kamenz, Freiberg, Paderborn oder Velodrom habe ich eine solche Stimmung bei einem Puhdys-Konzert erlebt und ich habe einige gesehen. Eine restlos überfüllte Messehalle B (Ca 3000 Fans aus ganz Deutschland und der Schweiz) brachten die Halle zum Kochen und die Musiker spielten, als ginge es um ihr Leben. Selbst Harry bewegte sich mehr als sonst. Ich habe das gesamte Konzert von der Bühne aus gefilmt und hautnah miterlebt, wie die Fans zum Schluss diese stürmten und bei den Zugaben ca 1 Meter vor den Musikern standen.
Hinzu kam noch, es war das erste VS-Konzert nach dem Mauerfall und viele Fans aus der DDR, die durch den Film oder Erzählungen von der Kultveranstaltung gehört hatten kamen, zum Teil im Trabbi, in den Schwarzwald gerauscht. Hier kommt jetzt wieder Dieter Sirringhaus ins Spiel, denn er öffnete für die DDR-Fans die Tore der Stadtjugendpflege und lies sie dort kostenlos (mit Kaffee am Morgen) übernachten. Das führte er die nächsten Jahre weiter durch, einige von Euch werden sich vielleicht erinnern, z.B. Susi, die mit dem Blindenfanclub aus Mainz angereist kam oder Anja aus Chemnitz oder Ulli Neumann, die in den Neunzigern dabei waren. Der Blinden-Fanclub wurde von der Stadtjugendpflege auch per Shuttle-Bus vom Bahnhof abgeholt und während des gesamten Aufenthaltes betreut und gefahren. Auch Oma und Opa aus Chemnitz, Traudl und Helmut Enge waren ab 1990 (dem 1. Testkonzert) als Gast der Stadtjugendpflege dabei. Erst kürzlich, in einem Telefongespräch, haben wir über diese alten Zeiten gesprochen und Erinnerungen, wie alte Geschichten, ausgetauscht.
1990 war dann das 1. Testkonzert für ein eventuelles Come-Back, auch, neben uns Fans, ein Verdienst von Dieter Sirringhaus. Wir Fans waren noch am Überlegen wie wir die Jungs am schnellstens wieder auf die Bühne kriegen, als Dieter Sirringhaus uns zu Hilfe kam. Er meldete sich bei Harry und meinte, `Die Stadtjugendpflege wird in diesem Jahr 20 Jahre alt und Ihr würdet beim Jubiläum zum 10. ten mal in der Messehalle B bei uns spielen. Diesen Wunsch konnte man natürlich nicht abschlagen und jetzt war es Aufgabe der Fanclub-Organisation, die Fans so langsam darauf vorzubereiten. Wir wussten ja nicht, wie die Leute so kurz nach dem Good-Bye über ein Come-Back denken würden und ob sie die Puhdys jetzt nach der Wende überhaupt noch sehen und hören wollten. Dies geschah dann erst mal durch Andeutungen in unseren Fanbriefen, die mittlerweile auch an viele Fans in der DDR gingen und wurde immer mehr konkret. So schafften wir es gemeinsam, dass am 2. Samstag im Dezember 1990 wieder über 2000 Fans aus ganz Deutschland und der Schweiz in unserer kultigen Messehalle B waren. Niemand sprach mehr vom Good-Bye und auch die Presse fand alles positiv. Am Vorabend des Konzertes hatten wir, mit Unterstützung der Stadtjugendpflege, ein großes Fantreffen in der Diskothek Lollipop organisiert, wo auch Musiker und Techniker dabei waren, sowie viele regionale Fans und Besucher von überall. Hier führten, unter dem Kommando von Peter, die Musiker unter anderem nochmal die Mondlandung vor, die sie früher bei Konzerten bei der Armee angeblich im Programm hatten. Im Vorprogramm am nächsten Tag spielte übrigens Rosalili in der Urbesetzung mit Gütt, Jagschn, Andy, Henne und Sascha Dietz.
So ging es dann die ganzen 90 er weiter bis die ersten Weihnachtskonzerte kamen und damit der 2. Samstag im Dezember weg war. An ein Weihnachtskonzert so tief im Süden wollte man damals nicht so ran und außerdem wurde Anfang des neuen Jahrtausends die bei uns Fans so geliebte Messehalle B abgerissen. Jahre später war nochmal ein Konzert in einem Freizeitpark in Villingen und in diesem Jahr (28.3.) gibt es ein Akustikkonzert, auch in Villingen. Aber wenn man von Puhdys in Villingen-Schwenningen spricht, wird man immer die Konzerte in der Messehalle B in Schwenningen meinen.
Das war jetzt ein grober Abriss über diese Kultveranstaltungen, mit Sicherheit wird noch die ein oder andere Geschichte rund um Villingen-Schwenningen folgen, denn, wo gab es, speziell im Westen, 20 Jahre hintereinander jedes Jahr zum gleichen Termin ein Puhdys-Konzert und dabei passieren natürlich viele lustige oder auch andere Dinge. Es schwebt mir vor, irgendwann einmal, wenn ich viel Zeit habe, aus dem ganzen Filmmaterial aus diesen Jahren eine umfangreiche Dokumentation zu machen.
Im Anhang nur eine kleine Auswahl von Bildern von der Fahrt 1988 und die Mondlandung beim Fantreffen 1990.
Bis zum nächstenmal. Gruß Hubert B.!